Judith und László haben sich über das Tanzen gefunden
Bildquelle: WDR/Friederike MüllenderVon Tanzpartnern zu Lebenspartnern: "Man versteht sich auch ohne Worte"
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Was passiert, wenn man ein Paar auf zwei Stühle setzt und mit ihnen eine Stunde über ihre Beziehung redet? Wir haben Judith Buschfeld und László Tarkanyi nach ihrem Kennenlernen gefragt, nach dem, was ihre Beziehung ausmacht - und welche Rolle das Tanzen dabei spielt.
Wenn Judith Buschfeld und László Tarkanyi von ihrer Kennenlern-Geschichte erzählen, geht das nicht, ohne dass sie beide dabei herzhaft lachen müssen. Bei einem West-Coast-Swing-Festival 2019 kommen sie zum ersten Mal ins Gespräch. Judith ist damals die Barfrau, László Tänzer. Wobei so richtig wie ein Tänzer sieht er gar nicht aus, findet Judith damals: "Mit seiner Brille und seinem Jackett sah er mehr aus wie ein Buchhalter", sagt die 40-Jährige. Der 42-jährige László erwidert grinsend: "Aber ein Buchhalter mit Moves!"
Diese Moves haben offensichtlich überzeugt. Heute unterrichten beide West Coast Swing in ihrer eigenen Tanzschule, der Cologne Swing Connection. Für die Serie "Herzenssache" sprechen die beiden über ihre Liebe, ihre Fernbeziehung und das Tanzen.
Judith, László und die Liebe zum Tanzen
Bildquelle: WDR2 Min. 15 Sek.. Verfügbar bis 30.03.2028.
"Am Anfang hatte ich ein Brett vorm Kopf"
Lokalzeit: Wie ging es nach eurer ersten Begegnung beim Festival weiter?
Judith Buschfeld: Wir haben uns ständig auf West-Coast-Swing-Events wiedergesehen. László hat mich immer zum Tanzen aufgefordert und ich war total nervös, weil ich noch ganz neu beim Tanzen war. Bei einem Festival hat László mich dann gefragt, ob wir zusammen das Finale vom West-Coast-Swing-Wettbewerb im Livestream in seinem Hotelzimmer anschauen wollen. Als ich ganz aufgeregt dort ankam, hat er mir nur gesagt, dass Laura, eine Freundin, auch gleich kommt.
László Tarkanyi: Ich hatte einfach ein Brett vorm Kopf.
Judith: Eine Woche später war László als Tanzlehrer in Köln gebucht, und weil derzeit Messe war, waren alle Hotelzimmer ausgebucht. Also hat er dann in meiner WG übernachtet.
László: Und da ist das Brett dann Schritt für Schritt gefallen. Man muss dazu sagen, Judith wollte keinen Tänzer und keine Fernbeziehung. Also Volltreffer!
Von der Fernbeziehung auf 16 Quadratmetern
Lokalzeit: 2019 konntet ihr zwischen Köln und Budapest problemlos hin- und herfliegen, um euch zu sehen. 2020 kam dann der Corona-Lockdown, wie seid ihr damit umgegangen?
Judith: Ich war gerade in Budapest, als die Nachricht kam, dass in den nächsten Tagen die Grenzen zumachen. Ich bin sofort nach Hause geflogen und László hat in anderthalb Tagen seine Wohnung aufgelöst, seine Sachen eingelagert, zwei Taschen gepackt und ist ab zum Flughafen.
Anfangs führten Judith und László eine Fernbeziehung
Bildquelle: privatLászló: Ich hätte eigentlich schon gar nicht mehr ausreisen dürfen, aber es hat irgendwie geklappt. Und dann waren wir zu zweit auf 16 Quadratmetern im WG-Zimmer. Da haben wir uns immer gesagt: Du nervst mich immer noch nicht.
Judith: Das war unsere Liebeserklärung.
Sprachen-Kuddelmuddel in Köln
Lokalzeit: In welcher Sprache unterhaltet ihr euch eigentlich?
Judith: Wir sprechen zuhause meist Denglisch miteinander. So nach dem Motto: "Darling have you called the Hausmeister for the Glühbirne im Flur?" Nur nicht, wenn wir streiten, dann streiten wir auf Englisch, das ist für beide fairer.
László: Als ich nach Deutschland kam, konnte ich ja noch gar kein Deutsch. Das habe ich bei meinem ersten Job gelernt.
Judith: Der war, wohlgemerkt, bei einem Freund von uns, der Italiener ist. Und Francesco spricht kein Englisch und László damals kein Deutsch.
László: Ich habe ihn im Außendienst unterstützt. Er macht Türen, Fenster und Rollläden. Am ersten Tag bin ich hingegangen mit einem ausgedruckten Zettel, wo all die Namen für die ganzen Werkzeuge standen. Neun Monate lang war ich seine Aushilfe. Parallel habe ich Online-Kurse gemacht, um Programmieren zu lernen, und habe dann als Junior-Entwickler meinen ersten Job bekommen.
Die Liebe zum Tanzen
Lokalzeit: Welche Rolle spielt das Tanzen in eurer Beziehung?
Judith: Eine große Rolle, würde ich sagen. Gerade dadurch, dass der Tanz, den wir tanzen, sehr improvisiert ist, muss man immer sehr darauf achten, was der andere gerade braucht. Das schult schon Empathie und Kommunikation. Man lernt auch gut, die Körpersprache des anderen zu lesen. Man versteht sich auch ohne Worte.
László: West-Coast-Swing ist ja ein Paartanz, bei dem viel kommuniziert wird. Einer führt, der andere folgt, und man kann das auch immer an seine eigenen Fähigkeiten und Tagesform anpassen. In unserer Tanzschule haben wir Menschen von 20 bis 70, die alle gemeinsam lernen.
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Judith: Das war für uns natürlich auch neu, dass wir unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Wir planen deswegen Date-Nights, wo wir explizit nicht über die Tanzschule und den Unterricht sprechen. Aber wir lieben das Tanzen, das macht in unserer Beziehung viel aus.
Sendung: Lokalzeit.de, Judith, László und die Liebe zum Tanzen, 30.03.2026, 6.54 Uhr.