100 Tage Isolation : ESA-Studie mit Erkenntnissen für die Reise zum Mars
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Kaum soziale Kontakte, wenig Raum und strenge Regeln: Sechs Freiwillige haben für eine Studie 100 Tage ausgetestet, wie sich das Leben in einer Raumstation anfühlt. Die Isolations-Studie der ESA am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln ist beendet. Erstes Fazit: Der soziale Zusammenhalt im Raumschiff ist entscheidend für eine gelungene Weltraummission.
Der erste Weg der sechs Probanden hat sie auf eine Wiese und in den Sonnenschein geführt. Denn darauf mussten sie 100 Tage verzichten. Abgeschottet von der Außenwelt haben sie für die Isolationsstudie der Europäischen Weltraumorganisation ESA eine Weltraummission simuliert, auf engem Raum mit ihrer Crew gelebt, geforscht und trainiert und auf den Kontakt zu Familie und Freunden verzichtet.
Der deutsche Teilnehmer Ramin Faghihi.
Bildquelle: WDR/Michelle MinkZurück in der realen Welt wurde die Crew dann von Sinneseindrücken überrascht. "Wir sind direkt raus in die Sonne gelaufen. Der Geruch und die Hitze - das war ein Schock", beschreibt es Ramin Faghihi, der Deputy Commander in der Studie. Wieder auf andere Menschen zu treffen, stellte dagegen kein Problem dar: "Abends sind wir dann noch in die Stadt gegangen."
Alltag in der Raumstation
Seit April haben die sechs Freiwilligen aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und Portugal an der Studie "SOLIS100" teilgenommen. Nun öffneten sich die Türen der Mini-Raumstation wieder. In den letzten Tagen der Studie wurden die Probanden langsam wieder an normale Lebensumstände herangeführt. Außerdem wurden letzte Tests durchgeführt und erste Daten ausgewertet.
Den Alltag in der isolierten Umgebung hat die Gruppe mit Forschungsprojekten, Sport und kleinen Ritualen gefüllt. Ein fester Termin etwa war das gemeinsame Essen. Jede Mahlzeit, so Faghihi, habe die Gruppe in Gemeinschaft zu sich genommen. Bücher und Musik, betonte die Crew beim Pressetermin, halfen, die freie Zeit zu vertreiben.
Zusammenhalt war maßgebend für die Mission
Das erste Fazit der Crew: Der Zusammenhalt und die Unterstützung im Team waren maßgebend für den Erfolg dieser Unternehmung. Den streng geregelten Alltag erleichterte die Balance zwischen Struktur, Disziplin und Spaß. Jeden Tag habe sich die Gruppe zum Beispiel ein Wort ausgesucht und in die verschiedenen Sprachen der internationalen Crew übersetzt.
"Heute, am Tag des Studienendes, haben wir uns das Wort 'Zusammenhalt' ausgesucht. Denn der war maßgebend für unsere Mission." Nadine Duursma, Kommandantin der Studien-Crew
Wie wirkt sich Isolation auf Menschen aus?
Ziel der Studie war es, die Auswirkungen von Isolation auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden der Menschen zu untersuchen. Es war die erste ESA-Studie dieser Art, soll aber nicht die letzte sein. Sie fand in einer standardisierten Umgebung, einer nachgebauten Raumstation im Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln statt. 23 internationale Teams arbeiteten mit der Crew zusammen, um verschiedene Forschungsergebnisse zu erhalten.
Fünf der sechs Studienteilnehmer
Bildquelle: WDR/Michelle MinkIn Zukunft sollen Raumfahrtmissionen Menschen auf den Mars bringen. Sie werden länger dauern und Astronauten mit sehr begrenzten Ressourcen wie Lebensmitteln oder Alltagsgegenständen auskommen müssen.
Astronaten mussen sehr belastbar sein
Solche Missionen erforderten von den Astronauten Belastbarkeit, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, in einer isolierten und beengten Umgebung zu leben. "Um solche Missionen erfolgreich durchführen und die Sicherheit von Astronauten und Astronautinnen zu gewährleisten, erforschen wir die Auswirkungen dieser extremen Bedingungen", sagte Anke Pagels-Kerp, Bereichsvorständin Raumfahrt des DLR.
Erste Forschungsergebnisse im Sommer 2027 erwartet
Die Studie wurde im "Envihab", der luft- und raumfahrtmedizinischen Forschungsanlage des DLR in Köln, durchgeführt. Die Probanden wurden im Dezember 2025 in einem mehrstufigen Auswahlverfahren ausgewählt. Sie sollten ein ähnliches Profil wie Astronautinnen und Astronauten haben.
Auch in den kommenden Wochen wird die Crew noch an weiteren Tests teilnehmen. Die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Ergebnissen aus der Solis100-Studie erwartet die ESA erst in einem Jahr.
Würde sich der Deputy Comander auch nach den 100 Tagen in Isolation noch freiwillig für eine Reise zum Mars melden? "Vor der Studie hätte ich sofort ja gesagt", sagt Faghihi. "Jetzt würde ich auch zusagen, aber mit wesentlich mehr Respekt vor dieser Aufgabe."
Ende der Isolationsstudie | WDR aktuell
Bildquelle: DLRWDR. 00:30 Min.. Verfügbar bis 07.08.2028.
Unsere Quelle:
- Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
- Pressekonferenz der Europäischen Weltraumorganisation
- Interview mit Ramin Faghihi
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, ESA beendet Studie am Raumfahrtzentrum in Köln, 07.08.2026, 5:02 Uhr
