Kölnerin Kathi: Assistierter Suizid bei ME/CFS
Bildquelle: Johanna Wolff4 Min. 5 Sek.. Verfügbar bis 28.08.2028.
Assistierter Suizid bei ME/CFS : "Kathi war wie lebendig begraben"
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Die Kölnerin Kathi wollte leben. Doch die 30-Jährige litt so stark an der Erkrankung ME/CFS, dass sie sich im Frühjahr für einen assistierten Suizid entschied. Ihre Freundinnen Johanna und Joana wollen nun Aufmerksamkeit für die noch sehr unerforschte Erkrankung schaffen.
Triggerwarnung: In diesem Artikel geht es um assistierten Suizid.
ME/CFS ist eine Multisystemerkrankung, die häufig mit einer Infektionskrankheit beginnt. Schon am Anfang von Kathis Erkrankung haben sich ihre Symptome so stark geäußert, dass sie Angst hatte, am nächsten Morgen aufzustehen und erblindet zu sein oder nicht mehr laufen zu können, erzählen Johanna und Joana.
Die Freundinnen berichten, dass sich die Symptome über die Jahre immer weiter vervielfältigt haben. "Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll aufzuzählen, was das für Symptome waren und wo man aufhört, weil es einfach so extrem viele waren."
Kathi litt unter Schmerzen im ganzen Körper - in den Gliedern, hatte Kopfschmerzen, Halsschmerzen und generell Schmerzen bei jeglichen Reizen.
Kathi war immer op jöck
"Es gibt, glaube ich, nichts Konträreres als ihr Leben vor und nach der Krankheit." Wenn Johanna und Joana an ihre Freundin denken, erzählen sie von dem lebensfrohsten Menschen, den man sich vorstellen könne.
Kathi liebte es, zu reisen
Bildquelle: Johanna WolffKathi war immer unter Leuten, wollte sich nie langweilen und hat es geliebt zu reisen - bis sie im Spätsommer 2022 erkrankte und erst mal niemand wusste, was los ist. Erst im Frühjahr 2023 erhielt sie ihre Diagnose, berichten ihre Freundinnen.
In Deutschland sind laut der Gesellschaft für ME/CFS etwa 650.000 Menschen von der Erkrankung betroffen. Ein Viertel der Betroffenen können das Haus nicht mehr verlassen, rund 60 Prozent sind arbeitsunfähig.
"Kathi war alleine mit ihren Gedanken 24/7 an ihr Bett gefesselt"
Reize jeglicher Art bereiteten Kathi Schmerzen
Bildquelle: Johanna WolffFür Kathi bedeutete die Krankheit, zurück in ihr Elternhaus zu ziehen. Um sich vor Reizen zu schützen, lag sie nur noch in ihrem abgedunkelten Zimmer, trug zwei Schlafmasken und Gehörschutz.
Mit Voranschreiten der Krankheit war auch Sprechen nicht mehr möglich. Sie kommunizierte mit ihrer Mutter nur noch, indem sie ihr Buchstaben in die Hand zeichnete. So teilte sie ihr auch ihren Sterbewunsch mit.
"Damit junge Menschen nicht sterben müssen"
Schon während ihrer Erkrankung war es Kathi wichtig, über ME/CFS aufzuklären. Ihre Mutter betont, dass der Tod ihrer Tochter "nicht umsonst gewesen sein soll".
Um an Kathi zu erinnern und Aufmerksamkeit für ME/CFS zu schaffen, klären die Freundinnen auf Instagram und Tiktok auf. Der Account trägt den Namen von Kathis Lebensmotto "Freu dich nicht zu spät".
Für den 8. September haben sie ein Charity-Event im Odonien in Köln geplant. Ihre Arbeit reiße zwar auch Wunden auf, aber zu sehen, dass sie damit Menschen erreichen, sei ein großer Grund für sie, weiterzumachen.
"Uns ist wichtig, dass ME/CFS endlich gesehen wird als die Krankheit, die es ist, und dass alle Betroffenen ernst genommen werden und die Politik endlich sieht, was passieren muss, damit junge Menschen nicht sterben müssen." Johanna Wolff, Freundin von Kathi
Hilfsangebote:
- Telefonseelsorge: 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222, 24 Stunden am Tag
- Psychiatrischer Bereitschaftsdienst: 116 117, kostenfrei, 24 Stunden am Tag
- Krisenchat für unter 25-Jährige
- Selbsthilfegruppe für Angehörige um Suizid
Unsere Quellen:
- Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.
- Gespräche der WDR-Reporterin mit Johanna Wolf und Joana Welsing
- Instagramkanal freu dich nicht zu spät
Sendung: WDR.de, Freu dich nicht zu spät - ME/CFS, 31.08.2025, 16:55 Uhr
