Eine Computergenerierte Ansicht des Innenraumes des Museums. Menschen stehen in einer großen Halle, die durch ein Gerüst getrennt wird.

Standort Köln-Kalk Migrationsmuseum SELMA muss sich verkleinern

Stand:

Das Migrationsmuseum Selma wird sich stark verkleinern müssen, damit die zur Verfügung stehenden Gelder vom Bund und dem Land ausreichen.

Einzig die reine Ausstellungsfläche soll nicht angetastet werden - alle anderen Flächen aber stehen auf der Kippe. Unter anderem die Büros für die Mitarbeiter, die Depotflächen, die pädagogischen Bereiche und die Veranstaltungsfläche. Das Ziel ist es, mit den zugesagten 44 Millionen Euro Fördergeld von Bund und Land auszukommen. Ob dies gelingt, ist bisher nicht absehbar. Denn alleine die Kosten für die Sanierung der maroden Halle verschlingt fast die Hälfte der Gelder.

Dennoch hoffen Kalker Initiativen wie "Museum Selma bleibt" oder der Verein "Integrationshaus", dass sich Bund, Land und Stadt noch bewegen und die Finanzierungslücke von 33 Millionen Euro schließen werden. Für den migrantisch geprägten Stadtteil Kalk sei das Museumsprojekt eine einmalige Chance, um auf dem derzeit weitgehend leerstehenden ehemaligen Industrieareal eine Weiterentwicklung des Stadtteils zu ermöglichen.  

Standortsuche gestaltete sich schwierig

Das seit 2019 geplante Museum drohte wegen Finanzierungslücken am ursprünglichen Standort in Köln Kalk, zu scheitern. Im März beschloss der Kölner Stadtrat deshalb, zu prüfen, ob SELMA in das Kulturzentrum am Neumarkt integrierbar sei.

Die jetzt abgeschlossene Prüfung durch DOMiD selbst ergab jedoch, dass die Ansiedlung des Museums am Neumarkt mit "massiven Projektrisiken verbunden" sei, "die man als Bauherrin nicht eingehen kann", wie es in der Stellungnahme des Vereins heißt. Diese Option werde man nicht weiterverfolgen, stattdessen wolle man "eine deutlich reduzierte Version des Museums planen", am ursprünglichen Standort Halle 70 in Köln-Kalk.

"Als Bauherrin ist es unsere Verantwortung, zu jedem Zeitpunkt auf Basis der vorliegenden Informationen zu entscheiden, auf welchem Weg ein Museumsbau am realistischsten zu verwirklichen ist." Robert Fuchs, Geschäftsführer DOMiD e.V.

Gegen die Pläne, in die Kölner Innenstadt zu ziehen, gab es viele Proteste und Bedenken vieler Kölner, aber auch aus dem Kölner Kulturrat. Dabei ging es unter anderem um die Platzprobleme für die innerstädtischen Museen. Außerdem sah DOMiD in der Innenstadt die Fördervorgaben nicht mehr erfüllt. Land und Bund hatten Fördermittel in Höhe von gut 44 Millionen Euro zugesagt.

Neue, kleinere Planung in Kalk

Die histroische Lagerhalle in Kalk.

DOMiD hofft auf die rasche Freigabe von Teilen der Landesförderung, um damit eine Entwurfsplanung für eine "verkleinerte Umplanung in der Halle 70 in Kalk" voranzutreiben.

Oberbürgermeister macht das Projekt zu seiner Sache

Denn eine Entwurfsplanung wiederum ist Voraussetzung dafür, die zugesagten Fördermittel von Bund und Land bis zum Fristende 31.12.2026 abrufen zu können. Deshalb gelte jetzt, laut DOMiD-Vorstand: "Eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ist aufgrund des hohen Zeitdrucks und der vielen Projekt-Schnittstellen erfolgsentscheidend".

In der Bezirksvertretung Köln erklärte Kulturdezernent Stefan Charles am Donnerstagabend, Oberbürgermeister Torsten Burmester mache das Projekt jetzt zu seiner Sache. Er wolle einen Runden Tisch mit allen Akteuren einrichten, um SELMA in Kalk Halle 70, doch noch mit Hilfe der Stadt zu realisieren.

Appell aus der Bundes-Kultur

Erst am Mittwoch hatte Sven Lehmann, Vorsitzender des Kulturausschusses des Bundestages und MdB aus Köln, in einem offenen Brief eindringlich an Stadt, Land und Bund appelliert, SELMA als bundesweit einziges Museum, das die Geschichte von (Arbeits-)Migration in Deutschland erzählt, nicht aufzugeben.

"SELMA braucht einen Raum und Ort, der seine Perspektive räumlich wie inhaltlich glaubwürdig trägt… Daher bitte ich Sie, einen gemeinsamen Weg zu finden, wie Selma in Köln Kalk (…) realisiert werden kann…" Sven Lehmann, MdB

Die Stadt Köln hatte vor Jahren erste Gutachten zum Zustand der Halle zur Verfügung gestellt, die sich nach neuerlicher Begutachtung als zu optimistisch erwiesen. Die Instandsetzung ist deutlich aufwändiger, zudem waren über die Jahre der der Vorbereitungen hinweg die allgemeinen Baukosten stark gestiegen.

Migrationsmuseum SELMA muss sich verkleinern

WDR 04.05.2026 46 Sek. Verfügbar bis 03.05.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Robert Fuchs von DOMiD
  • Sven Lehmann, Vorsitzender des Kulturausschusses des Bundestages
  • Stadt Köln
  • Kulturdezernent Stefan Charles in der Bezirksvertretung am 30.04.2026

Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 04.05.2026, 14:31 Uhr

Weitere Beiträge aus Köln

1 / 2