Köln: Neues Angebot für psychisch kranke junge Menschen
00:47 Min.. Verfügbar bis 30.07.2028.
Der Druck auf junge Menschen ist hoch: Ein Viertel der Schüler in Deutschland sagt inzwischen, dass sie sich psychisch stark belastet fühlen. Gleichzeitig werden Therapieplätze knapper, Wartezeiten länger. In Köln reagieren das Jobcenter Köln und die Alexianer Köln.
WorX richtet sich an junge Menschen, die beim Jobcenter gemeldet sind
Zentral am Eigelstein gibt es einen neuen Standort von ''Proberaum worX'' - in der Hamburger Straße 2A. ''WorX'' richtet sich an junge Menschen unter 25 Jahren, die beim Jobcenter gemeldet sind und Leistungen beziehen. Viele kommen über das Jobcenter, über Kliniken oder über ihre Eltern. Sie alle vereint, dass psychische Belastungen ihren Alltag erschweren.
Für das Jobcenter Köln ist der Ansatz klar: Wer psychisch stabil ist, kann langfristig besser arbeiten, lernen und am Arbeitsmarkt teilnehmen.
Individuelle Begleitung statt Standardlösung
Im ''Proberaum worX'' geht es nicht um ein vorgegebenes Programm, sondern um die Frage, welche nächsten Schritte zur jeweiligen Lebenssituation passen. Die Mitarbeitenden schauen gemeinsam mit den Jugendlichen: Wie geht es dir? Was belastet dich? Wie weit bist du? Was brauchst du jetzt?
Claudia Zeitz, Koordinatorin des Projekts, beschreibt es so: "Viele junge Menschen leiden unter Sozialphobien, Depressionen oder Angstzuständen. Sie fragen sich ständig: Wie werde ich wahrgenommen? Was denken andere über mich? Manche haben Angst zu telefonieren, andere fühlen sich durch die politische Lage verunsichert."
Corona habe vieles verschärft: Studierende, die monatelang allein im Zimmer saßen, Jugendliche, die kaum noch rausgingen, ein Alltag, der sich ins Handy verlagert hat. "Das Handy ist angewachsen", sagt Zeitz. "Viele haben Angst, etwas zu verpassen."
Struktur, Alltag, Selbstwirksamkeit
Im ''Proberaum worX'' geht es deshalb auch um ganz praktische Dinge: kochen, waschen, handwerklich arbeiten, nähen, basteln. Es gibt Lern- und Erfahrungsfelder, die helfen sollen, wieder einen Tagesrhythmus zu entwickeln und Selbstwirksamkeit zu erleben.
"Hier im Handwerksraum können die jungen Leute selber etwas schaffen", sagt Zeitz. "Und wir helfen bei allem, was im Alltag gebraucht wird - sogar beim Online-Banking."
Die Arbeit findet individuell oder in Gruppen statt: Gespräche, kreative Aufgaben, Haushaltsstrukturen, Vorbereitung auf Ausbildung oder Beruf. Ziel ist, dass die jungen Menschen wieder ins Gleichgewicht kommen und eine Perspektive entwickeln.
Direkter Zugang zu Psychotherapeuten
Ein besonderer Vorteil des Projekts: Die Alexianer betreiben zwei Ambulanzen mit Psychotherapeuten. "Wir haben das Glück, dass wir hier einen direkten Zugang zu Psychotherapeuten haben", sagt Zeitz. "Sie nehmen sich viel Zeit. Das ist heute selten."
Gerade weil Therapieplätze knapp sind, sei das Angebot wichtig. "Ich glaube, die Regierung guckt nicht richtig hin - und das tut mir in der Seele weh", sagt Zeitz. "Wenn junge Leute eine Therapie machen, profitieren sie ungemein. Aber aktuell warten sie unglaublich lange."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- ''Proberaum worX''
- Alexianer Köln
- Jobcenter Köln
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 30.07.2026, 19.30 Uhr
