Franziskus Gährken ist 72 Jahre alt und kennt den Düesbergweg seit er ein kleines Kind war. Seine Oma hat hier schon gewohnt, als dieser zusammen mit seiner Frau ein Haus auf dem Familiengrundstück baute. Das war 1982. Seine Frau ist inzwischen verstorben, die drei Kinder sind hier groß geworden und mittlerweile selbst Eltern.
Hauseigentümer Franziskus Gährken
Bildquelle: WDR/Brigitte LiebIn Zukunft soll vor seiner Haustür eine Fahrradstraße entstehen. Geht es nach der Stadt, sollen er und seine Nachbarn 90 Prozent der Kosten tragen. Als Gährken von den Neuigkeiten erfahren hat, wollte er es erst nicht glauben. "Wenn das kommt, bin ich pleite. Das kann ich mir nicht leisten."
"Das ist eine öffentliche Fläche"
Obwohl hier schon seit Jahrzehnten Häuser stehen, wurde die Straße in der Nähe der Bahnstrecke nie richtig ausgebaut. Das heißt, sie ist immer noch ein Schotterweg. Mittlerweile gibt es viele große Schlaglöcher.
Dennoch kritisiert der Hauseigentümer die Ausbaupläne zur Fahrradstraße. Der Verkehr würde dann stark zunehmen, was auch mehr Lärm bedeute. Auch Nachbar Sebastian Griesinger ist skeptisch.
Der Düesbergweg ist voll mit Schlaglöchern
Bildquelle: WDR/Brigitte LiebWenn hier eine Fahrradstraße hin soll, will er die Kosten dafür nicht tragen: "Das ist eine öffentliche Fläche, das sollte auch von allen bezahlt werden." Schließlich wachse bei keinem der Betroffenen das Geld auf Bäumen.
Bezirksbürgermeister sieht keinen Spielraum
Martin Honderboom (SPD), der Bezirksbürgermeister von Münster-Mitte, kann den Ärger der beiden Hauseigentümer verstehen, sieht hier allerdings keinen Spielraum. Die Stadt beruft sich in ihren Plänen auf das Baugesetzbuch.
Dieses sieht beim erstmaligen Ausbau einer Straße eine Kostenbeteiligung der Anliegerinnen und Anlieger vor. "Es ist leider nicht anders machbar", so Honderboom. Daran könne die Stadt nichts ändern.
Fahrradstraße als Teil der Veloroute nach Ascheberg
Die Stadt möchte aus dem Düesbergweg eine Fahrradstraße machen. Autos sollen zumindest in einer Fahrtrichtung durchfahren können. Der Abschnitt gehört zur Veloroute in Richtung Ascheberg. Sie soll das Radfahren zwischen Münster und der umliegenden Region attraktiver machen.
Nicht alle Menschen, die hier wohnen, lehnen die Pläne der Verwaltung ab. "Dann ist es auch endlich weniger staubig", sagt ein Mieter aus einem Mehrfamilienhaus.
Beschlossene Sache ist das Ganze noch nicht. Die Verwaltung erarbeitet zunächst einen Entwurf für den Ausbau. Dann will die Stadt zu einer öffentlichen Infoveranstaltung einladen. Die Politik soll 2026 über die Baumaßnahme entscheiden.
Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Anwohner Franziskus Gährken
- Weitere Anwohnerinnen und Anwohner
- Stadt Münster
- Telefonat mit dem Bezirksbürgermeister
