Ein Küsschen zum Abschied, dann schließt Heinrich Sauels das Verdeck seines knallroten Flugzeugs und hebt ab zum Trainingsflug. Seine Frau Heike, selbst auch Kunstflug-Pilotin, steht diesmal mit dem Funkgerät am Boden.
"Der rechte Flügel war ein bisschen weit unten", funkt sie ihrem Mann nach einem Looping ins Cockpit. Dann sagt sie ihm die nächste Übung an. Die Choreografie in der Luft wird am Boden geplant. "Wir überlegen uns im Vorfeld, welche Figuren wir fliegen wollen", erklärt Heike Sauels.
Sicherheit steht an erster Stelle
Vor jedem Flug wird die Maschine penibel gecheckt. Denn Kunstflug ist für Mensch und Flugzeug eine große Belastung. Bei den Figuren wirken Kräfte auf den Piloten, die das Achtfache des Körpergewichts überschreiten.
"Kunstflug ist, wie wenn man Achterbahn fährt und dabei gleichzeitig Schach spielt." Heinrich Sauels, Kunstflieger
Zum Beispiel bei den Loopings und Rollen, die Heinrich Sauels an diesem Morgen in den bewölkten Himmel fliegt. Hier am Flugplatz im Kreis Coesfeld hat das Ehepaar Sauels optimale Trainingsbedingungen.
"Der Flugplatz ist genau einen Kilometer lang. Das ist so groß wie der Korridor, in dem ich bei Wettbewerben meine Figuren fliege", erklärt Heike Sauels.
Ehepaar Sauels hat optimale Trainingsbedingungen am Flugplatz Borkenberge
Außerdem sei die Sicht auf den Himmel so gut, dass der jeweils andere mit dem Funkgerät am Boden den Flug beobachten und Fehler direkt korrigieren kann. Deshalb nehmen die Sauels auch regelmäßig die 100 Kilometer lange Fahrt von ihrem Wohnort Kempen am Niederrhein zum Flugplatz Borkenberge auf sich.
"Einmal fliegen heißt: Eine Woche lachen!" Heike Sauels, Kunstfliegerin
Angefangen hat alles vor mehr als 20 Jahren. Da hatte Heike ihrem Heinrich einen Kunstflug-Kurs geschenkt. "Die ersten drei Tage war mir übel, danach hatte sich der Körper daran gewöhnt", sagt Heinrich Sauels lachend.
Das Feuer war entfacht. Mit seiner Begeisterung zog er auch Ehefrau Heike in den Bann. Jahrelang flogen beide gemeinsam bei Deutschen Meisterschaften oder waren bei Weltmeisterschaften in den USA oder Polen am Start.
Kunstflieger seit mehr als 20 Jahren - angefangen hat alles mit einem Geschenk
Seit zwei Jahren ist der Kunstflug "nur" noch ein Hobby. Die Faszination aber ist geblieben: "Man ist da oben allein mit sich und dem Flugzeug und bemüht sich um den perfekten Flug", sagt Heike Sauels mit strahlenden Augen. Und Ehemann Heinrich ergänzt: "Man wird nie fertig, das Training ist nie zu Ende, den perfekten Flug gibt es nicht!"
Und wie lange wollen die beiden ihr Hobby noch machen? "So lange ich noch ohne Probleme in die Maschine reinklettern kann", lacht Heike Sauels. Heinrich wird etwas konkreter: "Es gab schon Teilnehmer bei Weltmeisterschaften, die waren über 70. Ich bin Anfang 60, also zehn Jahre möchte ich das schon noch gern machen!"
Unsere Quellen:
- Interview mit Heike und Heinrich Sauels
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 31.07.2026, 19:30 Uhr