Artur und David schnappen sich zwei Sportscooter. Auf den Tretrollern sausen sie durch die Skater-Anlage in Rosendahl-Osterwick. Zusammen mit ihren Gasteltern und deren zwei kleinen Kindern kommen sie öfter hierher.
"Im Moment vermisse ich die Ukraine nicht, weil wir hier soviel machen. Da gibt es keine Zeit, um viel nachzudenken," freut sich Artur. Und David ergänzt: "Als wir angekommen sind, sind wir sofort zur Gastfamilie. Wir sind Fahrrad gefahren, haben Fußball gespielt und haben viel gequatscht."
Teenager mit viel Kriegserfahrung
Die beiden sind mit 13 Jahren gerade erst Teenager und leben schon seit Jahren in einem Land im Kriegszustand. Für zwei Wochen haben sie nun eine Auszeit davon im kleinen Rosendahl-Osterwick. Ihre Gasteltern, Anastasia und Georg Funk, sagen, sie reden mit den Kindern nicht über den Krieg, die Jungen aus der Ukraine sollen einfach mal loslassen können.
Trotzdem haben alle im Kopf, dass für einige der 22 Kinder der Krieg schon dramatische Folge hat. Manche haben ihren Vater verloren, andere haben zur Zeit keinen Kontakt zu ihren Vätern an der Front. Es bleibt immer die bange Frage: Lebt Papa noch?
Gasteltern stammen aus Ukraine und Russland
Anastasia und Georg Funk sind besondere Gasteltern. Die 34-jährige Mutter stammt aus der Ukraine und kam nach der Schule für ein FSJ nach Deutschland. Ihr Mann Georg (36) wurde in Sibirien geboren. Als er 14 war zog seine Familie von Russland nach Deutschland.
Die beiden haben zwei Kinder, Leonel (4) und Emilia (2). Das Ehepaar spricht Ukrainisch und Russisch, sie können sich also ohne jede Sprachbarriere mit David und Artur unterhalten. "Ich habe keine Sekunde daran geglaubt, was die russische Propaganda erzählt,“ sagt Georg Funk, "Ich versuche, mich mit Russland gar nicht zu identifizieren, weil, wenn ich das tue, würde ich es unterstützen und das möchte ich nicht."
"Wir vergessen die Menschen in der Ukraine nicht!"
Gastmutter Anastasia weiß, dass es nur eine kleine Hilfe für die jungen Ukrainerinnen und Ukrainer ist, wenn sie für zwei Wochen ins Münsterland kommen.
"Es ist eine Möglichkeit, den Kindern zwei glückliche Wochen zu schenken." Anastasia Funk, Gastmutter
Einer der Organisatoren der Ferienfreizeit ist Holger Kleideiter: "Es ist wichtig, dass die Ukrainer merken, wir vergessen sie nicht, das haben uns viele Menschen zurückgemeldet."
"Ich werde eine Träne vergießen."
David und Artur spielen im Garten der Familie Funk in Rosendahl-Osterwick. Sie springen mit der zweijährigen Emilia auf dem Trampolin. Zusammen mit dem vierjährigen Leonel stecken sie Fleischstücke auf Spieße, um sie zu grillen. Auf den ersten Blick zwei ganz normale Jungs. Aber, das vergisst hier niemand, der Krieg hat schon ein Drittel ihres bisherigen Lebens bestimmt.
"Wir werden Artur und David sehr vermissen," erzählt Gastmutter Anastasia, wenn sie daran denkt, dass die beiden kommenden Sonntag wieder nach Hause, in die ukrainische Stadt Sboriw fahren. Auch Gastvater Georg wird traurig, wenn es um das Thema Abschied geht: "Ich werde schon eine Träne vergießen, die sind uns ans Herz gewachsen."
Unsere Quellen:
- Eindrücke des Reporters vor Ort
- Gespräche mit den Kindern aus der Ukraine
- Gespräche mit den Gasteltern und Organisatoren der Ferienfreizeit
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 28.07.2026, 19:30 Uhr