Ein älterer Mann und eine ältere Frau schauen sich verliebt an. Der Mann lacht.

Barbara Littwin und Thomas Dornbusch haben sich mit über 60 kennengelernt

Bildquelle: WDR / Detlef Proges und Florian Dolle

Spätes Liebesglück: "So eine Patchwork-Family sind wir jetzt"

Stand:

Was passiert, wenn man ein Paar auf zwei Stühle setzt und mit ihnen eine Stunde über ihre Beziehung redet? Wir haben Krankenschwester Barbara Littwin und Rentner Thomas Dornbusch nach ihrem Kennenlernen gefragt, nach dem, was ihre Beziehung ausmacht, und nach den Herausforderungen ihrer noch frischen Ü60-Liebe.

Von Detlef Proges und Florian Dolle

Sie haben viel erlebt, bevor sie sich trafen: Barbara Littwin, 62, zwei Kinder, und Thomas Dornbusch, 63, fünf Kinder aus zwei Ehen. 2024 haben sie sich übers Internet kennengelernt. "Erstmal fand ich nur seinen Hund toll", erinnert sich Barbara. Aber zwischen den beiden entwickelte sich etwas. Vor anderthalb Jahren hat die Krankenschwester schließlich ihre Heimat und ihre Freunde im Ruhrgebiet verlassen und ist zu Thomas nach Ladbergen im Münsterland gezogen. Für die Serie "Herzenssache" sprechen die beiden über ihre Liebe, schwere Jahre und ihre neue Patchwork-Familie.

Gefunden mit über 60: Thomas und Barbara

Bildquelle: WDR

1 Min. 58 Sek. Verfügbar bis 18.03.2028

1

Liebe über Facebook

Lokalzeit: Ihr habt Euch bei Facebook kennengelernt. Wie lief das ab?

Barbara Littwin: Darf man das sagen?

Thomas Dornbusch: Klar. 

Barbara: Bei Facebook gibt es so eine App. Eine Dating-App. Da habe ich ihn angeschrieben.

Lokalzeit: Was hast Du geschrieben?

Barbara: "Schöner Hund". Es waren auch Bilder von ihm selber drin. Aber der Hund war schon sehr interessant.

Thomas: Ich habe mich arrangiert mit dieser Aussage.

Hände, die sich festhalten.

Barbara und Thomas haben sich über Facebook kennengelernt

Bildquelle: WDR

Barbara: Er schrieb, dass er keine Frau für Haushalt, Kinder sucht. Sondern…

Thomas: …eine Partnerin. Auf Augenhöhe. Wäsche waschen, kochen, bügeln - kann ich selber.

Lokalzeit: Und dann habt ihr euch einfach mal getroffen?

Barbara: Mit den Hunden bot sich an, ich habe auch einen. Also Spaziergang, Kaffee getrunken, Abendessen, dann wieder verabredet.

Thomas: Wir waren beide nicht auf der Suche. Es ging peu à peu.

2

Die Krankenschwester und der "Hausmann"

Lokalzeit: Wie ist euer Alltag?

Barbara: Ich arbeite im Krankenhaus. Thomas ist...

Thomas: Privatier…

Barbara: …der Hausmann. Komme ich nach Hause, ist alles fertig.

Thomas: Das fällt Barbara schwer.

Barbara: Ich bin es nicht gewohnt, dass ich nach Hause komme und Feierabend habe. Früher allein mit meinen Kindern war immer was zu machen.

Thomas: Sie schnüffelt und guckt, ob sie doch was findet. Aber da gibt es nichts. Für mich ist Haushalt wie Meditation. Ich genieße das.

Lokalzeit: Barbara, du zogst vor einem Jahr zu Thomas und seinen Kindern. 100 Kilometer weg von deiner Heimat. Wie war dieser Schritt?

Barbara: Ich hatte vier Tage frei und habe ihn gefragt: "Was hältst du davon, wenn ich ein paar Tage zu dir komme?"

Thomas: Es gab eine Vorstellungsrunde mit meinen drei Kindern, die hier noch leben. Die sind zwischen 17 und 20.

Lokalzeit: Wie haben die Kinder reagiert?

Barbara: Grünes Licht gegeben. Hätten die "Nein" gesagt, wäre ich nicht hierhin gezogen.

Thomas: Jetzt gehört sie voll dazu. Sie ist für meine Kinder eine Bezugsperson geworden.

3

Schwierige Zeiten

Lokalzeit: Ihr fühlt euch sehr wohl in eurem Leben…

Barbara: Es passt einfach.

Thomas: Wir mussten aber lange darauf warten. Mitte der 80er hatte ich meine erste Frau geheiratet, die dann an Krebs verstorben ist. So stand ich damals mit zwei Teenagern alleine da. Eine Mutter zu verlieren, ist natürlich gerade im Teenageralter sehr schwierig. Meine zweite Ehe scheiterte. All die Jahre haben wir doch nur mit der einen oder anderen Beule überstanden.

Barbara: Schade, dass wir uns nicht zehn Jahre eher kennengelernt haben.

4

Das Leben als Patchwork-Familie

Lokalzeit: Barbara, was haben deine Leute im Ruhrgebiet gesagt, als du mit Anfang 60 aufs Dorf ins Münsterland zogst?

Barbara: Zwei Freunde haben gesagt: "Du bist keine 18 mehr, sowas macht man nicht." Von denen habe ich mich getrennt. Das alte Leben war zwar auch gut. Aber, was ich jetzt hier bei Thomas habe, ist schöner. Man kommt runter, hört einander zu. Meine Familie aus Dorsten kann uns natürlich immer besuchen. Meine Enkel fahren voll auf Thomas ab. So eine Patchwork-Family sind wir jetzt.

Thomas: Wir haben gerne Momente, wo wir für uns sind. Ich bin oft in der Garage, schraube gerne. Barbara ist gerne im Garten beschäftigt. Aber immer in dem Bewusstsein, dass noch jede Menge andere da sind.

Barbara: Es ist schön zu wissen: Es ist noch wer da, der mich ernst nimmt und mit dem ich lachen kann.

Lokalzeit: Wie stellt Ihr euch eure Zukunft vor?

Barbara: Wir werden nicht jünger. Es gibt natürlich die Sorge, dass wir mal krank werden. Aber das werden wir auch meistern.

Thomas: Wir haben ja erst einen sehr kurzen gemeinsamen Weg hinter uns. Der soll noch viel länger werden.

Sendung: Lokalzeit.de, Gefunden mit über 60: Thomas und Barbara, 23.03.2026, 06.54 Uhr.

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