"Waschstraße" gegen Afrikanische Schweinepest im Kreis Warendorf
Lokalzeit Münsterland. 07.08.2025. 02:35 Min.. Verfügbar bis 07.08.2027. WDR. Von Ralf Czichowski.
Die 20 Meter lange Plane ähnelt einer Waschstraße. Und ein bisschen was hat die Funktionsweise auch von Autowäsche. Wenn Fahrzeuge von der Afrikanischen Schweinepest kontaminiert sind, hilft die Desinfektionswanne, die wie eine Plane aussieht, sie zu reinigen. Das betrifft zum Beispiel Autos von Tierärzten, die betroffene Höfe mit infizierten Tieren besuchen.
Wanne in wenigen Minuten einsatzbereit
Die Männer vom THW tragen Schutzanzüge, weil sie mit Desinfektionsmittel reinigen
Diesen Ernstfall üben Tom Schüttpelz und sein Kollege Marcel Warnke vom Technischen Hilfswerk in Beckum im Kreis Warendorf. "Innerhalb weniger Minuten ist die Wanne aufgebaut", sagt Tom Schüttpelz. "Wir sind damit super schnell vor Ort", ergänzt sein Kollege. Einmal ausgerollt und schon kann es losgehen. Die beiden Einsatzkräfte vom Technischen Hilfswerk reinigen das Auto mit Desinfektionsmittel. Deshalb tragen sie auch Schutzkleidung. Das Desinfektionsmittel weicht kurz ein, wird mit Wasser wieder abgespült und löst die Viren am Auto.
Diese Plane soll die verseuchte Flüssigkeit auffangen
Die Kunststoffplane und der Schaumstoff unter dem Auto fangen die verseuchte Flüssigkeit auf, die anschließend ordnungsgemäß entsorgt werden kann. So soll verhindert werden, dass das Virus von Hof zu Hof weiterverbreitet wird.
Sorge vor infizierten Höfen
Die Tiere müssen getötet und entsorgt werden. Dabei kann sich das Virus schnell auf andere Höfe übertragen. Tom Schüttpelz und Marcel Warnke engagieren sich schon lange beim THW. "Wir lernen hier viel. Zum Beispiel, wie man sich bei einem Virus verhalten muss, aber das hier ist jetzt noch ganz neu für uns", so Tom Schüttpelz.
"Wenn in einem Ernstfall ein Hof von dem Virus betroffen ist, müssen alle Fahrzeuge darüber fahren. Lkw, die die toten Tiere entsorgen, Veterinäre, Tierärzte, das dauert. Eine gute und schnelle Lösung gibt es dafür aktuell nicht." Hermann-Josef Petermann, Veterinär
Aktuell 48 Fälle im Sauer- und Siegerland
Aktuell sind im Kreis Olpe im Sauerland und im Kreis Siegen-Wittgenstein insgesamt 48 Wildschweine an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt. Wenn die Schweinepest sich aus dem Sauer- und Siegerland weiter ins Münsterland ausbreiten sollte, könnten sie mit der mobilen Station schnell handeln. Bisher bauen einige Landwirte im Ernstfall eigene, provisorisch aufgebaute Stationen auf ihren Hof. Ob die Reinigung am Fahrzeug dann aber ausreiche, sei nicht sicher.
Viele Schweine im Kreis Warendorf
Im Vergleich zum Kreis Olpe hat der Kreis Warendorf deutlich mehr Landwirte, die Schweine halten. In Olpe sind es rund 25.000, im gesamten Kreis Warendorf leben rund 800.000 Schweine. "Die Ausbreitung wäre fatal", so Landrat Olaf Gericke. Ziel ist es, mit der mobilen Desinfektionsschleuse schnell vor Ort zu sein und die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
Kosten übernimmt der Kreis
Der Kreis Warendorf und das Technische Hilfswerk in Beckum haben sich gemeinsam für diese Durchfahrtswanne eingesetzt. 5.000 Euro hat die gekostet. Sie steht beim THW und bleibt dort hoffentlich erst einmal aufgerollt im Schrank. Einen kleinen positiven Aspekt bei der Sache gibt es aber: Das Auto ist nach der Aktion immerhin blitzeblank.
Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Kreis Warendorf
- Technisches Hilfswerk