Obstbauer Markus Staden hat bereits einen Teil seiner Produktion nach Marokko verlagert.
WDR. 01:54 Min.. Verfügbar bis 27.07.2028.
Markus Staden aus Telgte ist Obstbauer und eigentlich gut im Geschäft. Auf seinem Betrieb zieht und verkauft er Erdbeerpflanzen an Obstbauern in ganz Deutschland und Europa.
Alleine in den nächsten Wochen werden 20 Millionen Pflanzen seinen Betrieb in Telgte verlassen. Jedes Jahr verkauft er rund 150 Millionen Pflanzen. Sorgen macht er sich trotzdem.
"Ich bin Münsterländer und so lang ich irgendwie kann, werde ich hier bleiben und für den deutschen Obstbauer kämpfen." Markus Staden, Landwirt
Steigende Löhne und höhere Produktionskosten
Vor allem die steigenden Lohnkosten machen ihm und auch anderen Landwirten in NRW nach eigener Aussage zu schaffen. "Der Mindestlohn macht es für uns uns unmöglich mit ausländischer Produktion zu konkurrieren", sagt Staden.
Zu rund 80 Festangestellten kommen jedes Jahr auch 600 Erntehelfer zu dem Betrieb in Telgte.
Staden hat darum einen Teil seiner Produktion nach Marokko verlagert. Denn dort muss er nur 20 Prozent der Löhne bezahlen, die er hier durch den Mindestlohn in Deutschland zahlen muss.
Discounter teilweise ohne heimische Kirschen und Beeren
"Obstkulturen sind sehr arbeitsintensiv. Das macht den heimischen Anbau teurer", sagt auch Sarah Meyer, von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Ein aktuelles Beispiel seien Kirschen: "In manchen Supermärkten tauchen heimische Kirschen auch gar nicht mehr auf", sagt Meyer.
Staden möchte weiterhin in Nordrhein-Westfalen anbauen, so lange es möglich und wirtschaftlich ist. Wenn es nach ihm und seinen Kollegen ginge, sollen die Leute auch noch in 20 Jahren Obst aus dem Münsterland, dem Rheinland oder vom Niederrhein bekommen.
"Jeden zweiten Tag gibt ein Obstbauerbetrieb in Deutschland auf" Markus Staden, Landwirt
Brandbrief der Branche
In einem Brandbrief an die Politik beklagen die Landwirte insgesamt schwierige Anbaubedingungen, Billigimporte aus anderen Ländern und eben die hohen Lohnkosten. Nach wie vor fordern sie eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft.
CDU für Ausnahme, SPD dagegen
Bereits im vergangenen Sommer hatte das Bundesagrarministerium so eine Mindestlohn-Ausnahmen geprüft. Ergebnis: als absolute Untergrenze sei der Mindestlohn per Gesetz verankert. Das gilt auch für Saisonkräfte in der Landwirtschaft. Rechtlich also keine Ausnahme möglich.
Auf einem Bundesparteitag im Februar 2026 stimmte die CDU trotzdem für genau diese Ausnahme. Während viele CDU-Politiker die Forderung nach wie vor unterstützen, ist die SPD ohnehin strikt gegen solche Ausnahmen, genau wie Grüne und Linke.
Viele Betriebe geben auf
Als Vorstandsmitglied der Bundesfachgruppe Obstbau ist Markus Staden oft in Gespräch mit anderen Obstbauern. Fast täglich rufen momentan Kollegen bei ihm an. Die Lage sei dramatisch: Laut dem Branchenverband der Obstbauern verschwinden in Deutschland mittlerweile immer mehr Obstbaubetriebe.
Bleibt demnächst noch mehr Obst der Landwirte in NRW liegen?
Von derzeit rund 6.500 Betrieben würden jedes Jahr knapp 150 aufgeben. Und das, obwohl die Obstbauern in NRW unter höchsten Qualitäts-, Umwelt und Sozialstandards produzierten. "Sie sorgen für kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung", sagt Staden.
Appell an Handel und Verbraucher
Bei Früchten wie Heidel- oder Himbeeren seien viele Menschen gewohnt, "dass es das ganze Jahr über Beeren aus Südamerika im Supermarkt gibt", sagt Meyer. Wenn dann im Sommer heimische Beeren reif seien, werde das kaum noch wahrgenommen.
Der Appell der Obstbauern richtet sich darum nicht nur an den Handel, sondern auch direkt an die Verbraucher. "Wollen wir überhaupt noch heimisches Obst?" sei die Frage. Regionalität, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit müsse mehr Wert sein, als billigeres Importobst.
Unsere Quellen:
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit Markus Staden, Vorstandsmitglied der Bundesfachgruppe Obstbau
- Sarah Meyer, Referentin für Obstbau bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
- Brandbrief der Deutschen Obstbauern
- Deutsche Presseagentur, dpa
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 27.07.2026, 19.30 Uhr
