Münsterländer Schneechaos: Tagelanger Stromausfall vor 20 Jahren
Bildquelle: WDR3 Min. 12 Sek.. Verfügbar bis 25.11.2027.
Münsterländer Schneechaos: Tagelanger Stromausfall vor 20 Jahren
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Alle, die es damals miterlebt haben, können mindestens eine besondere Geschichte erzählen vom November 2005. Heute vor genau 20 Jahren lag das Münsterland unter einer dicken Schneedecke, es ging fast nichts mehr. Und die Menschen im Münsterland verbinden mit dieser Zeit ganz unterschiedliche Erinnerungen.
"Hier war das", sagt Antonius Berning aus Schöppingen und zeigt auf seine Halle. 20.000 Hühner leben darin. Wieder. Das furchtbare Bild, das sich ihm am Abend des 25. November bietet, als er nach Hause kommt: Tausende tote Hühner!
Vom Stromausfall überrascht
Berning hatte zuvor dutzende Autos aus dem Schneematsch gezogen. Hatte Menschen zurück nach Schöppingen gebracht, die sonst wohl die Nacht bei bitterer Kälte ihn ihren Fahrzeugen verbracht hätten. Im Münsterländer Schneechaos 2005 half der Landwirt, wo er konnte.
Landwirt Antonius Berning aus Schöppingen
Bildquelle: WDRWas Berning nicht ahnen konnte: In seiner Halle war der Strom ausgefallen. Alle Hühner waren tot, erstickt. "Wir haben die Tür aufgemacht. Alle Tiere lagen platt am Boden", erinnert er sich. Bis heute zähle für ihn, dass er Menschen geholfen habe. Die Dankbarkeit spüre er noch immer.
Bilder mit Wucht
20 Jahre später entfachen die Bilder noch immer eine Wucht. Autos auf Schneepisten, die vorher Autobahnen gewesen sind, verzweifelte Versuche, die Straßen freizuschaufeln und abgeknickte Strommasten aus leicht brechendem Thomasstahl, die unter der Last des Schnees auf den Leitungen kapituliert haben.
Größter Stromausfall der Bundesrepublik
Die Folge: Ein flächendeckender Stromausfall in weiten Teilen des Münsterlandes, rund 250.000 Menschen sind betroffen. Die Orte Schöppingen, Vreden, Laer und Ochtrup trifft es besonders hart, hier läuft mehrere Tage nichts.
Eine LKW ist im Schnee liegen geblieben.
Bildquelle: WDRBundeswehr und Technisches Hilfswerk rücken mit Notstromversorgung an. Der bis heute größte Stromausfall der Bundesrepublik.
Menschen rücken zusammen
In den Häusern und Wohnungen brennen statt Glühbirnen Kerzen - und im Hause Pass in Raesfeld die Flamme des Gasherdes. "Meine Freundinnen sind gekommen und wir haben einen Glühweinabend gemacht", erinnert sich Ulla, die auf ihren Mann Andreas wartet. Der ist für die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz.
Familie Pass blickt auf die Fotos von damals.
Bildquelle: WDRNeun Monate später wird aus dem Ehepaar die Familie Pass, denn im August 2006 kommt Tim zur Welt. "Alle Rechnungen deuten darauf hin, dass am 25. November seine Stunde geschlagen hat", sagt Andreas Pass mit einem Augenzwinkern. Tim ist damals eins von mehreren "Schneebabys".
Sage von den Schneebabys
Die Sage vom Anstieg der Geburtenrate ist inzwischen widerlegt. Versorger RWE fühlte sich dennoch für den einen oder anderen Nachwuchs indirekt verantwortlich. Für die Eltern der Schneebabys gab es damals Gutscheine im Wert von 300 Euro, als Zuschuss für den Start ins Familienleben.
Das Münsterländer Schneechaos von 2005.
Bildquelle: WDRSo bleiben an das Münsterländer Schneechaos verschiedene Erinnerungen: romantische wie die von Familie Pass, rührende wie die an Helfer wie Antonius Berning, aber auch dramatische. Auch wenn das Wetterphänomen überraschend kam: Im Münsterland hat es in dieser Nacht zum Glück keine Toten gegeben.
Sendung: WDR.de, Münsterländer Schneechaos vor 20 Jahren, 25.11.2025, 6:30 Uhr.