Große Kulleraugen schauen neugierig aus der Box, in der "King" jetzt steht. Das Welsh-Pony ist noch immer abgemagert, man kann seine Rippen und Hüftknochen deutlich durch das weiße Fell sehen. Doch es geht ihm schon viel besser als vor vier Wochen, sagt Annemarie Hendricks vom Oppumer Verein für notleidende Pferde und Ponys. Denn da wurde King einfach vor ihrem Gnadenhof ausgesetzt.
Mit einem Führstrick an der Türklinke angebunden, so hat Hendricks King gefunden. "Ich bin da morgens früh hin und dann guckte mich ein kleines weißes Pony an." Lange hätte es das Tier ohne ihre Hilfe nicht mehr geschafft, glaubt sie: "Da war nichts dran. Ich schätze mal eine Woche hätte der gelebt, dann wäre der tot."
"Er war nur Haut und Knochen." Annemarie Hendricks, Oppumer Verein für notleidende Pferde und Ponys e.V.
Krank sei das Pony zum Glück aber nicht gewesen, erzählt Hendricks. Und auch vor Menschen habe es keine Angst gehabt. Im Gegenteil: Es scheint die Streicheleinheiten zu genießen.
Pony kommt ursprünglich aus Belgien
Nach vier Wochen auf dem Oppumer Gnadenhof geht es dem kleinen Welsh-Pony jetzt schon viel besser: "Er frisst wie ein Löwe", so Hendricks. Allerdings hat er nicht mehr so viele Zähne. Mittlerweile habe er aber schon ein kleines Bäuchlein, erzählt Hendricks stolz.
So abgemagert ist das Welsh Pony.
Bildquelle: Oppumer Verein für notleidende Pferde und Ponys e.V.Sie schätzt, dass King etwa Mitte 20 ist - damit ist er schon im Pferde-Rentenalter. Ursprünglich kommt er aus Belgien. Das weiß Hendricks, weil auch Kings Equidenpass, quasi der Personalausweis des Pferdes, in ihren Briefkasten geworfen wurde. Wer die letzten Besitzer von King waren und wer ihn ausgesetzt hat, kann Hendricks allerdings nicht nachvollziehen.
Wut, aber auch Verständnis
"Erst mal bekommt man einen Schreck. Zweitens bekommt man Wut, wenn man sich das kleine Männlein anschaut und der ist nur Haut und Knochen. Da ärgert man sich, wie gemein Menschen sein können", sagt Hendricks. Durch sein Untergewicht hätten auch die Organe des Pferdes nicht mehr so funktioniert, wie sie sollten. Mittlerweile habe sie es aber geschafft, ihn mit Futter und Vitaminen aufzupäppeln.
Und trotz der Umstände hat Hendricks auch Verständnis: Vielleicht habe der Besitzer die Kosten für King einfach nicht mehr tragen können oder habe keine Kraft mehr gehabt, um sich zu kümmern, vermutet sie. So etwas gebe es immer wieder.
Keine strafrechtliche Verfolgung
King hat ein neues Zuhause auf dem Gnadenhof gefunden.
Bildquelle: Oppumer Verein für notleidende Pferde und Ponys e.V.Die monatlichen Kosten fürs Aufpäppeln mit Medikamenten, Futter und Co. schätzt Hendricks auf rund 200 Euro. Die medizinische Versorgung übernimmt sie selbst. Der Gnadenhof finanziert sich über Spenden, Hendricks hat ihn im Jahr 2000 geerbt. Mittlerweile leben hier insgesamt 68 Pferde und drei Esel, eigentlich ist der Hof damit voll.
Drei ähnliche Fälle habe es schon gegeben, in denen Pferde vor dem Gnadenhof ausgesetzt worden seien, berichtet Hendricks. Laut Tierschutzgesetz ist das Aussetzen von Tieren verboten, es drohen Geldstrafen. Bei Tierquälerei kann es sogar zu Freiheitsstrafen kommen. Der Gnadenhof will die Aussetzung von King aber nicht strafrechtlich verfolgen.
Hendricks ist froh, dass King jetzt bei ihr ist und hoffentlich noch ein paar schöne Jahre auf ihrem Hof in Oppum genießen kann: "Er bleibt bei uns, bis er die Augen zu macht!"
Unsere Quellen
- WDR-Gespräch mit Annemarie Hendricks, Oppumer Verein für notleidende Pferde und Ponys e.V.
Sendung: WDR.de, Ausgesetztes Pony in Krefeld-Oppum, 26.08.2026, 05.06 Uhr.