Vermeintlicher Notfallsanitäter sitzt im Gerichtssaal und hält sich einen Ordner vor sein Gesicht.

Vermeintlicher Sanitäter beim Prozessauftakt

Bildquelle: WDR/Lars Zamhöfer

Tod eines Patienten Falscher Sanitäter wehrt sich gegen Urteil

Stand:

Ein wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilter falscher Notfallsanitäter aus Kamp-Lintfort hat beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt. Das Landgericht Kleve wirft ihm schwerwiegende Fehlbehandlungen vor, die zum Tod eines 80-jährigen Patienten geführt haben sollen. Jetzt muss der BGH entscheiden, ob er das Urteil überprüft.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Janina Amrath

Der Mann soll mit gefälschten Papieren bei mehreren NRW-Rettungsdiensten gearbeitet haben. Vor einem Jahr ist in Kamp-Lintfort bei einem seiner Einsätze ein 80-jähriger Patient gestorben. Das Landgericht Kleve hat ihn daraufhin wegen Totschlags, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Größenwahn und Hochstapelei"

Die schwerwiegenden Fehlhandlungen des Angeklagten hätten den Tod des Mannes in Kamp-Lintfort herbeigeführt, hatte der Vorsitzende Richter betont. Er sprach von einer "gemeingefährlichen Hochstapelei" und "einer Art Größenwahn". Die Verurteilung sei "haarscharf am Mord vorbei" erfolgt. Das Gericht hatte sich mit dem Urteil über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinweg gesetzt. Die hatte eine Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten gefordert.

Bundesgerichtshof entscheidet über Revision

Laut Landgericht habe der Angeklagte jetzt Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Der müsse jetzt entscheiden, ob er die Revision annehme oder abweise.

Zu Prozessbeginn hatte der Verurteilte zugegeben, dass er sich als falscher Notfallsanitäter ausgegeben hat. Dass er eine Tötungsabsicht gehabt habe, bestritt er jedoch. Am letzten Verhandlungstag hatte der Angeklagte auch bei den anwesenden Töchtern des gestorbenen Patienten um Entschuldigung gebeten. "Ich habe das nicht kommen sehen - es tut mir leid."

Die Töchter hatten während des Einsatzes mehrfach darum gebeten, einen Notarzt hinzuzuziehen. Außerdem hatte der Notfallsanitäter dem Mann Medikamente in nicht nachvollziehbarer Dosierung verabreicht. Ein Gutachter hat festgestellt, dass diese Fehler zum Tod des Patienten geführt hatten.

Falscher Sanitäter legt Revision ein

WDR 05.08.2026 00:24 Min. Verfügbar bis 04.08.2028

Download

Unsere Quellen:

  • dpa
  • vorherige Berichterstattung des WDR

Sendung WDR.de, Falscher Sanitäter wehrt sich gegen Urteil, 5.8.2026, 7 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Kleve

1 / 2