Falscher Notfallsanitäter zu zehn Jahren Haft verurteilt
WDR. 01:02 Min.. Verfügbar bis 23.07.2028.
Mit gefälschten Zeugnissen und Dokumenten erschlich sich ein 31-Jähriger Anstellungen bei Rettungsdiensten in Nordrhein-Westfalen - obwohl er kein ausgebildeter Notfallsanitäter war.
Nun hat das Landgericht Kleve ihn wegen Totschlags, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Urkundenfälschung in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Damit setzte sich das Gericht sogar noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinweg. Die forderte acht Jahre und sechs Monate für den Mann.
80-Jähriger stirbt nach Rettungseinsatz
Nach Überzeugung des Gerichts verursachte der Angeklagte im August 2025 den Tod eines 80-jährigen Mannes aus Kamp-Lintfort. Der gelernte Berufskraftfahrer war am Einsatztag über eine Vermittlungsfirma für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Rettungsdienst eingesetzt.
Die Töchter des Verstorbenen haben ein Foto ihres Vaters zum Prozessauftakt dabei gehabt.
Obwohl sich der Zustand des Patienten dramatisch verschlechterte und dessen Töchter mehrfach darum baten, einen Notarzt hinzuzuziehen, unterließ er dies. Zudem verabreichte er dem Senior eigenmächtig Medikamente in einer nicht nachvollziehbaren Dosierung. Der Mann starb kurze Zeit später im Krankenhaus.
31-Jähriger wendet sich an Hinterbliebene
Ein Gutachter betonte am letzten Verhandlungstag, dass die falsche Medikation und das fehlende Hinzuziehen eines Notarztes der Grund für den Tod des 80-Jährigen gewesen sei.
Am letzten Verhandlungstag wandte sich der Angeklagte noch einmal an die anwesenden Töchter und bat um Entschuldigung. "Ich habe das nicht kommen sehen - es tut mir leid.“ Für die Familie bleibt der Verlust unermesslich. Eine Tochter sagte unter Tränen während der Verhandlung: "Er fehlt uns jeden Tag.“
Töchter des Verstorbenen fassungslos
Während des Prozesses sagen die beiden Töchter des 80-Jährigen als Zeuginnen aus. Das Vorgefallene ist für die beiden nur schwer zu begreifen. "Er wurde uns so plötzlich genommen. Er ist einfach weggegangen und wir können damit nicht abschließen", erzählt uns Merisa Spengler, eine der Töchter des Verstorbenen.
Verurteilter bestreitet Tötungsabsicht
Zu Prozessbeginn räumte der Verurteilte ein, sich als falscher Notfallsanitäter ausgegeben zu haben. Dass er in dem konkreten Fall eine Tötungsabsicht gehabt habe, bestritt er jedoch. Zudem ließ der Mann über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- dpa
- vorherige Berichterstattung des WDR
Sendung: WDR.de, Falscher Notfallsanitäter zu zehn Jahren Haft verurteilt, 23.07.2026, 18 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 23.07.2026, 19:30 Uhr