Das kühlende Geheimnis des Lehms

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WDR 3 Min. 14 Sek. Verfügbar bis 24.08.2028

Ein alter Baustoff wird wieder beliebt Das kühlende Geheimnis des Lehms

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Dass man mit ihm bauen kann, ist seit Jahrtausenden bekannt. Doch Gips, Kalk oder Beton haben den Lehm zu einem großen Teil verdrängt. Jetzt erfreut er sich wieder wachsender Beliebtheit - weil er Feuchtigkeit aufnehmen und große Hitze abpuffern kann. Vor allem im Kreis Viersen ist er inzwischen sehr gefragt - auch weil dort eine Firma ansässig ist, die sich auf den Baustoff Lehm spezialisiert hat.

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Markus Waerder

Wenn zu Beginn des Schuljahres rund 300 Kinder und ihre Lehrer und Lehrerinnen die neue Förderschule des Kreises Viersen beziehen, dann betreten sie ein Gebäude, das in mancherlei Hinsicht neue Standards setzt. Es ist so konzipiert, dass bei einem Rückbau nahezu alles komplett recycelbar ist.

Und: Die Innenwände bestehen zum großen Teil aus Lehm. Lehmsteine, eine Dämmung aus Holzfasern, eine Trockenbauplatte aus Lehm und dann zwei Lagen Lehmputz. "Die Masse kriegen wir über die Lehmsteine rein", erklärt Projektleiter Michael Hambloch-Genzen, "und dann die Lehmbauplatte. So kriegen wir das hin, dass wir die Hitze, die von außen irgandwann rein will, abpuffern."

Neuer Weg gegen Hitze im Haus

Auf dem Bild sieht man ein großes dreistöckiges Gebäude, davor liegen Baumaterialien.

Die neue Förderschule in Viersen.

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Für den Kreis Viersen ist dies bereits das dritte öffentliche Gebäude, das nachhaltige und möglichst hitzebeständige Elemente in sich vereint. Erstens: ein Kühlsystem, das von einer 'Eiskammer' im Boden gespeist wird. Zweitens: Jalousien, die an den großen Fensterflächen Schatten bringen sollen. Und drittens: eben jener Baustoff, der schon fast so alt ist wie die Menschheit selbst - der Lehm.

Vorteilhaft ist, dass in der Kreisstadt ein Unternehmen ansässig ist, das seit Jahrzehnten auf den Lehm setzt: die ClayTec GmbH nutzt das Material, um daraus Steine, Bauplatten oder einen Putz aus Lehm, Sand und Stroh herzustellen. Schon Maximilian Breidenbachs Vater hat mit Lehm erste Erfolge am Bau errungen, der Sohn setzt die Tradition fort: "Lehm ist ein überall vorkommender Rohstoff. Hier in Viersen haben wir knapp 20 Kilometer Transportweg", sagt er.

Lehm-Renaissance durch den Klimawandel

Die Vorteile des Lehms liegen auf der Hand: Er nimmt Wasser auf und gibt es wieder ab - und sorgt so für ein angenehmes Raumklima. Auch kann er zu hundert Prozent recycelt werden. Und: Steine werden nicht gebrannt, sondern lediglich getrocknet - das bedeutet: deutlich weniger Energieeinsatz - und eine viel bessere CO2-Bilanz.

Auf dem Bild sieht man einen Raum, der sich im Bau-Zustand befindet. In der Ecke steht ein Mann, der Lehm an eine Wand spachtelt.

Lehm als Hitzeschutz.

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Dass der Lehm Potenzial hat in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und Hitzeschutz immer wichtiger werden, das hat auch die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) erkannt. Sie prüft seit Jahren die Eigenschaften von Lehm im modernen Wohnungsbau, um Bauherren und Architekten Daten und Normen an die Hand zu geben.

Die bisherigen Erkenntnisse lassen aufhorchen. Ein paar Einschränkungen gibt es natürlich auch: Im Außenbereich ist er wegen der Wasserlöslichkeit nur bedingt einsetzbar. Und: Lehmsteine erreichen nicht die Dichte von Beton - sind aber laut BAM durchaus mit konventionellem Mauerwerk vergleichbar.

Auch Ehepaar Möller setzt auf Lehm

Im Kreis Viersen hat man erste Erfahrungen bereits im neuen Kreisarchiv gemacht, das vor vier Jahren eröffnet wurde. Dort sind sogar in den so empfindlichen Räumen, in denen Bücher und Dokumente gelagert werden, die Wände aus Lehm hergestellt.

Ein Mann und eine Frau stehen auf einer Baustelle und lächeln in die Kamera.

Sarah und Payrik Möller vor einer ihrer Wände aus Lehm.

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Und auch Privatleute setzen inzwischen auf den Baustoff, so wie das Ehepaar Möller. An dem Haus aus den 60ern, das sie gerade umbauen, werden von innen gerade mehrere Schichten aus Lehm aufgetragen - inclusive Wandheizung, die auch zum Kühlen geeignet ist. Peyrik Möller, der Bauherr ist von der Wahl des Baustoffs überzeugt: "Es ist einfach ein tolles Material, das ja schon Jahrtausende verwendet wird und überall funktioniert auf der Welt."

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Interviews des Reporters vor Ort
  • Kreis Viersen
  • ClayTec GmbH Viersen
  • Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 24.08.2026, 19:30 Uhr

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