Gleich dreimal rummst es am Freitag auf der Abrissbaustelle: Erst ist das 90 Meter hohe Kesselhaus "Block B" dran, das nördlichste Bauwerk auf dem Kraftwerksgelände. Dann folgen fast zeitgleich zwei benachbarte Entstickungsanlagen.
Gegen die Staubwolke sollen Wasserkanonen helfen. Ab 10 Uhr dürfen sich in Unbeteiligte nicht mehr in dem 350-Meter-Sicherheitsradius aufhalten.
Vor der Sprengung in Voerde: Anwohnerin ist "supernervös"
Am dichtesten dran wohnt Gastronomin Sandra Böhmer. Ihr "Strandhaus Ahr" liegt in der Evakuierungszone. Sandra Böhmer hat schon eine Sprengung hinter sich. "Ich war supernervös", erzählt sie heute. Trotz Druckwelle und Erschütterung des Bodens sei damals aber alles heil geblieben. Dennoch ist sie sicher, dass sie auch diesmal aufgeregt sein wird.
"Das ganze Dorf wird auf den Beinen sein, für die Kinder ist das toll, wenn's knallt und ich denke nur: 'Lass es vorbei sein!'" Sandra Böhmer, Gastronomin
Rheinschiffe müssen wegen Kraftwerkssprengung warten
Das stillgelegte Kohlekraftwerk liegt direkt am Rhein. Deshalb ist auch die Schifffahrt betroffen. Für etwa zwei Stunden werde der Fluss gesperrt, sagt Martin Wolters vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Duisburg. Schon seit Montag werde die Schifffahrt informiert.
Martin Wolters, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts
Bildquelle: WDR/Michael JungDie meisten Frachter würden wohl auf der Strecke langsamer oder schneller fahren, um nicht stoppen zu müssen, schätzt Wolters. Trotzdem könnten "vier bis 40 Schiffe" betroffen sein.
Dritte Sprengung auf dem Gelände des Kraftwerks
Die Sprengung ist bereits die dritte auf dem Kraftwerksgelände. 2023 war zunächst der rund 160 Meter hohe Kühlturm umgelegt worden, im vergangenen Dezember ein Schornstein. Weitere Sprengungen sind geplant.
Auf dieser Fläche soll in Zukunft Neues entstehen.
Bildquelle: WDR/Michael JungDer Abriss des Kraftwerks wurde auch von Unglücken überschattet: Im August 2025 stürzte ein Arbeiter aus zehn Metern in die Tiefe und starb noch an der Unfallstelle. Im April 2026 geriet Dämmmaterial in 60 Metern Höhe in Brand. Das löste einen Großeinsatz für die Voerder Feuerwehr aus. Die Rauchfahne war bis in die Nachbarstädte zu sehen.
Neues Kraftwerk in Voerde geplant
Bereits im ersten Halbjahr 2027 soll ein großer Teil der Kraftwerksfläche wieder bebaubar sein. RWE plant ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk und eine Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff. Eine Investitionsentscheidung sei aber noch nicht getroffen, so ein RWE-Sprecher.
Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann (SPD) hat noch weitere Pläne: Er will auf dem 60 Hektar großen Areal außerdem eine Art Kompetenzzentrum schaffen: "Alle Betriebe, die in irgendeiner Form mit Wasserstoff, sei es Forschung oder auch Produktion von Anlagen zu tun haben, die sind da herzlich willkommen!" Das Ziel seien "mindestens 150 neue Arbeitsplätze" auf dem Gelände.
Unsere Quellen:
- RWE Generation SE
- Stadt Voerde
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt
- Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 20.08.2026, 7:30 Uhr
