Mönchengladbach startet Defibrillatoren-Pilotprojekt
WDR. 02:18 Min.. Verfügbar bis 16.07.2028.
Die Polizei in Mönchengladbach will künftig Streifenwagen mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED) ausstatten. Das ist Teil eines Pilotprojekts, das die Feuerwehr Mönchengladbach am Donnerstagvormittag gemeinsam mit der Stadt und der Polizei vorstellt.
Ingo Frank und seine Frau Sandra Fuchs-Frank.
Ziel ist es, Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand schneller helfen zu können. Wie wichtig das ist, zeigt die Geschichte von Ingo Frank. Der 50-Jährige erlitt am 3. Januar einen Herzinfarkt. Nur weil die Rettungskette damals lückenlos funktioniert hat, kann er heute noch davon erzählen. "Das ist wie mein zweiter Geburtstag", sagt Frank. "Wir sind unglaublich dankbar", ergänzt seine Frau Sandra.
App alarmiert die Lebensretter
Heute hat er zum ersten Mal seit dem Infarkt seine Lebensretter getroffen. Mit Handschlag und Umarmung bedankten sich Ingo Frank und seine Frau Sandra für die Hilfe, die reibungslos funktioniert hat. Auch dank der Ersthelfer-App "Region der Lebensretter 3.0", die seit sieben Monaten im Einsatz ist.
Ingo Frank hat heute seine Lebensretter zum ersten Mal getroffen.
Bei einem Notruf über die 112 mit dem Meldebild "bewusstlose Person" oder "Herz-Kreislauf-Stillstand" sendet das System den genauen Standort des Notfallorts und der nächstgelegenen Defibrillatoren und alarmiert bis zu vier Ersthelfer, die sich in der Umgebung befinden. Das sind freiwillige Helfer mit medizinischen Vorkenntnissen, die sofort einsatzbereit sind, wenn das Handy klingelt.
Aus dem Bett zur Reanimation
So erlebte es auch Syit Karaoglu am 3. Januar. Um 0:30 Uhr alarmierte ihn die App, er lag gerade im Bett. "Ich habe mir die Jogginghose angezogen, die Autoscheibe frei gekratzt und bin los", erzählt er. Drei Minuten später konnte er mit der Reanimation beginnen, eine Minute später traf der Notarzt ein.
"Im Notfall zählt jede Sekunde", sagt Marc Deußen, der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes in Mönchengladbach. "Pro Minute ohne Reanimation sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 Prozent. Nach fünf Minuten liegt sie also nur noch bei 50 Prozent."
Menschen opfern ihre Freizeit, um Leben zu retten. Ingo Frank überlebte einen Herzinfarkt
Seit Einführung der App hat die Feuerwehr 141 Reanimationen gezählt, in 128 Fällen wurden so mindestens drei freiwillige Ersthelfer alarmiert, die bei der Reanimation halfen. Bei Ingo Frank mit großem Erfolg. "Ich habe keine Beschwerden mehr und bin dankbar für diesen tollen, ehrenamtlichen Einsatz", sagt er.
Nun soll das Projekt weiter ausgebaut werden. Zum einen will die Stadt die Zahl der öffentlich zugänglichen Defibrillatoren erhöhen. Außerdem stattet die Feuerwehr zehn Streifenwagen der Polizei mit mobilen Defibrillatoren aus. Ein Pilotprojekt, das wissenschaftlich begleitet werden soll, um zu erfahren, ob das die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht. Bei der Polizei in NRW sei das noch kein Thema, heißt es auf WDR-Anfrage.
Defibrillatoren können Leben retten
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Ein automatisierter externer Defibrillator kann das Herz bei bestimmten Herzrhythmusstörungen mit einem gezielten Stromstoß wieder in einen normalen Rhythmus bringen. Die AEDs arbeiten weitgehend automatisch. Nur die Elektroden müssen auf den Brustkorb geklebt und zum Auslösen des Schocks - sofern die Anweisung kommt - ein Knopf gedrückt werden. Die Polizeibeamten in Mönchengladbach sind bereits für den Einsatz geschult.
Unsere Quellen:
- Stadt Mönchengladbach
- Deutsche Herzstiftung
- Polizei Mönchengladbach
- Feuerwehr Mönchengladbach
- Gespräch mit Ingo Frank
- Gespräch mit Syit Karaoglu
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 16.07.2026, 18:09 Uhr