Neben dem Sprungturm bauen Mareike Wahl, Diana Frederkind und Thorsten Driller ihren Stand auf. Im Hintergrund Kinderstimmen und das metallische Quietschen des Sprungturms. Dann kommt ein kleiner Junge näher: "Was macht ihr da?" Thorsten Driller nimmt sich Zeit für eine Erklärung.
"Da hast du nicht zu viel versprochen, als du gesagt hast die laufen uns die Bude ein", sagt Diana Frederkind lachend zu ihrer Kollegin Mareike Wahl. Beide arbeiten beim Jugendamt der Stadt Paderborn.
Mit jungen Menschen im Gespräch
Die Antwort auf die Frage des kleinen Jungen: Das Team will in lockerer Atmosphäre mit jungen Menschen über Themen wie Flirten, Respekt, Selbstbestimmung und das Erkennen von Grenzverletzungen ins Gespräch kommen. Und das dort, wo die Kinder ohnehin sind: im Freibad. Ziel ist es, junge Menschen zu sensibilisieren und sie zum Nachdenken darüber anzuregen, wo ihre persönlichen Grenzen sind.
Die Aktion veranstaltet der Arbeitskreis Sexualpädagogik. Dazu gehören neben dem Jugendamt auch die Organisation Diakonie, profamilia und die Aidshilfe Paderborn.
Ein "Glücksrad" mit sensiblen Themen
Vor dem Stand hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Ein Glücksrad der besonderen Art zieht die Kinder und Jugendlichen an. Thorsten Driller von der Aidshilfe liest eine fiktive Situation vor. "Jemand bietet dir an auf seiner Decke zu liegen. Wie fändest du das?" Auf dem Boden liegen drei bunte Punkte. Grün heißt: "Das ist okay." Rot heißt: "Ich will das nicht" und gelb bedeutet "Es kommt darauf an."
Das Kind zeigt mit dem Fuß auf gelb. Thorsten Driller hakt nach: "Worauf?" "Naja, ist doch schon etwas komisch, wenn ein Erwachsener so etwas macht", antwortet das Kind. Dann geht es darum, was man tun kann, wenn man sich in so einer Situation unwohl fühlt: Grenzen kommunizieren oder die Badeaufsicht um HIlfe bitten.
Grenzen achten und Respekt bewahren
"Ich finde es wichtig, dass Kinder verstehen: Das ist meine persönliche Grenze und die darf niemand überschreiten", sagt Diana Frederkind. Es gehe auch darum, die Kinder zu sensibilisieren und ihnen die Angst zu nehmen sich Hilfe zu holen. "Kommt zu uns, redet mit uns und wir können dann gemeinsam eine Lösung finden, dass man sich hier sicher und wohl fühlt", betont auch Schwimmmeister Robin Werner.
Die fiktiven Situationen sind mal harmlos: "Jemand wirft dir einen Ball an den Kopf", mal kritisch: "Jemand folgt dir in die Umkleidekabine." Worüber das Team mit den Kindern und Jugendlichen spricht, entscheiden sie nach dem Alter. Die Methode scheint die Hemmungen vor vermeintlich peinlichen Themen zu nehmen.
Freibad-Aktion soll sensibilisieren
Am Glücksrad steht jetzt die 11-jährige Josi mit ihren beiden jüngeren Geschwistern: "Ich habe schon einmal das Gefühl gehabt, dass mich jemand beobachtet", erzählt sie. Bei der fiktiven Situation sind sich alle drei einig: "Du stehst in der Pommesschlange und auf einmal fasst dir von hinten jemand um die Hüfte." Alle drei wählen den roten Punkt: "Das ist unangenehm."
Ein paar Meter weiter steht ihre Mutter, Tina Beckmeier: "Wir kriegen immer mal wieder von Freunden, die bei der Polizei sind, mit, was so passiert." Und weiter: "Ich finde diese Aktion super, wenn nur bei zwei von zehn etwas hängen bleibt, haben wir ja schon etwas gewonnen."
"Gerade im Freibad kann ja so einiges passieren." Tina Beckmeier, Mutter
Die Schlange wird kaum kürzer und auch als das Team abbaut, kommen noch Kinder und wollen mitmachen. Wenn das Wetter mitspielt, wird auch in den nächsten Ferienwochen wieder das besondere Glückrad rausgeholt: Zeit, spielerisch über sensible Themen zu sprechen.
Im Gespräch über Selbstbestimmung und Respekt
Bildquelle: WDR/Katharina BöhmerWDR. 04.08.2026. 00:49 Min.. Verfügbar bis 03.08.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Jugendamt Stadt Paderbor
- Gespräch mit Schwimmmeister Robin Werner
- Recherchen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Sexualpädagogik im Rolandsbad, 05.08.2026, 05:00 Uhr