Berater besetzen offene Azubi-Stellen im Handwerk
Bildquelle: WDR/Christian MichelWDR. 3 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 27.08.2028.
Christian Zweig schaut zu, wie Christa in der Backstube arbeitet. Er ist Ausbildungsberater bei der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld und besucht die 30-Jährige immer mal wieder an ihrem Ausbildungsplatz in der Bäckerei Claudia Sundermann in Bielefeld-Brake. Schließlich hat er selbst dazu beigetragen, dass Christa heute hier steht.
Ausbildungsberater erfolgreich
"Ich freue mich für die Auszubildende und auch für den Betrieb, dass das klappt und dass sie sich menschlich gut verstehen", sagt Zweig. Für ihn sei eine erfolgreiche Vermittlung auch die Bestätigung, "dass sich die Arbeit gelohnt hat".
Vor rund einem Jahr haben sich die beiden auf einer Berufsmesse kennengelernt. Christa stammt aus Kapstadt, arbeitete in Südafrika als Rettungssanitäterin. Seit fast vier Jahren lebt sie in Bielefeld. Sie wusste, dass sie gerne praktisch arbeiten möchte – aber noch nicht genau, welcher Beruf zu ihr passt. Zweig vermittelte sie schließlich an die kleine Bäckerei. Heute macht Christa dort ihre Ausbildung zur Bäckerin.
Wenn Ausbildungsplätze und Bewerber nicht zusammenfinden
Christas Geschichte zeigt im Kleinen ein Problem, das es auf dem Ausbildungsmarkt bundesweit gibt. Auf der einen Seite suchen Betriebe Nachwuchs, auf der anderen junge Menschen einen Ausbildungsplatz – trotzdem finden beide Seiten häufig nicht zusammen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks spricht von einem "Passungsproblem". Mehr als 16.000 von Handwerksbetrieben angebotene Ausbildungsplätze blieben zuletzt bundesweit unbesetzt.
Auch in Nordrhein-Westfalen zeigt sich das Problem: Ende Juli waren über alle Branchen hinweg noch mehr als 34.000 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig suchten noch rund 47.000 registrierte Bewerberinnen und Bewerber nach einem Ausbildungsplatz.
Ausbildungsberater Christian Zweig hilft bei der Vermittlung.
Bildquelle: WDR/Christian MichelGenau an dieser Stelle beginnt die Arbeit von Zweig und seiner Kollegin Maike-Selina Wittop. Als Ausbildungsberater der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld versuchen sie herauszufinden, welcher Beruf zu einem jungen Menschen passen könnte, und vermitteln den Kontakt zu Betrieben. Das ist bei mehr als 130 Ausbildungsberufen im Handwerk nicht immer einfach. "Viele junge Menschen wissen durchaus, was ihnen Spaß macht, kennen aber nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten im Handwerk", sagt Christian Zweig.
Kleine Betriebe brauchen Hilfe bei der Suche
Nicht nur Ausbildungssuchende bekommen Unterstützung. Zweig und Wittop helfen auch den Handwerksbetrieben bei der Suche nach Nachwuchs. Gerade kleine Unternehmen können nicht auf jeder Berufsmesse selbst vertreten sein. Häufig fehlen Zeit und Personal.
Das zeigt auch die Bäckerei, in die Zweig Christa vermittelt hat. Sechs Menschen arbeiten dort, eine Personalabteilung gibt es nicht. Für Stellenanzeigen und die Suche nach Auszubildenden fehle im Arbeitsalltag schlicht die Zeit. Die Ausbildungsberater vertreten solche Betriebe deshalb beispielsweise auf Berufsmessen, informieren über freie Ausbildungsplätze und Praktika und bringen Interessierte und Unternehmen zusammen.
Auch nach Ausbildungsstart ist ein Einstieg möglich
Wer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, kann sich auch nach dem regulären Ausbildungsstart beraten lassen. Die Beratung der Kreishandwerkerschaft ist kostenlos.
Ein Jahr nach ihrem ersten Treffen auf der Berufsmesse steht Christa in der Backstube und hat längst Pläne für die Zeit nach ihrer Ausbildung. Irgendwann würde sie gerne ihre eigene Bäckerei eröffnen.
FAQ Ausbildungsberatung: Wer bekommt Hilfe – und was kostet sie?
Wer kann sich beraten lassen?
Das Angebot der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld richtet sich an alle, die sich für eine Ausbildung im Handwerk interessieren – etwa Schülerinnen und Schüler, Schulabgänger oder junge Menschen, die noch nicht wissen, welcher Beruf zu ihnen passt. Auch Studienzweifler und Menschen aus dem In- und Ausland können sich beraten lassen. Ebenso unterstützt die Kreishandwerkerschaft Betriebe bei der Suche nach Auszubildenden.
Was kostet die Ausbildungsberatung?
Die Beratung ist kostenlos.
Wie läuft die Beratung für Ausbildungssuchende ab?
Interessierte können zunächst unkompliziert Kontakt aufnehmen – telefonisch, per Mail oder über das Ausbildungsportal. Wer schon weiß, welchen Beruf er machen möchte, kann sich dort sogar ohne Lebenslauf und Anschreiben mit wenigen Angaben melden.
Was ist, wenn ich noch gar nicht weiß, welchen Beruf ich machen möchte?
Auch dann können sich Interessierte melden. Die Berater schauen gemeinsam auf Interessen und Vorstellungen und helfen bei der Orientierung innerhalb der mehr als 130 Ausbildungsberufe im Handwerk. Auch ein Praktikum kann vermittelt werden, um einen Beruf zunächst kennenzulernen.
Ist ein Einstieg auch nach dem 1. August noch möglich?
Ja. Viele Handwerksbetriebe stellen auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart noch Auszubildende ein. Die Kreishandwerkerschaft vermittelt auch kurzfristig noch freie Stellen.
Wo kann ich mich melden?
Die Kreishandwerkerschaft bietet persönliche Beratung in Bielefeld und Gütersloh an. Ansprechpartner sind die Ausbildungsberater Christian Zweig und Maike-Selina Wittop.
Unsere Quellen:
- Zentralverband des Deutschen Handwerks
- Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld
- Recherchen des WDR-Reporters
Sendung: WDR.de, Berater besetzen offene Azubi-Stellen im Handwerk, 28.08.2026, 06:07 Uhr
