Warum ist das Blenden von Hubschraubern so gefährlich?

Bildquelle: WDR / imago stock&people

WDR 2 Min. 46 Sek. Verfügbar bis 28.08.2028

Pilot im Interview Warum ist das Blenden von Hubschraubern so gefährlich?

Stand:

Es ist kein dummer Jungen Streich, sondern eine Straftat. Die Besatzung von Bundeswehrhubschraubern ist in dieser Woche gleich zweimal im Luftraum über Minden mit einem grünen Laserpointer geblendet worden.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Wer Piloten blendet, begeht einen gefährlichen Eingriff in den Flugverkehr und riskiert saftige Geldstrafen und sogar Freiheitsstrafen. Schon ein kurzer Blick in den Laser kann Netzhautverletzungen verursachen. Wenn der Pilot geblendet wird, erhöht sich zudem die Absturzgefahr. Dazu Rettungshubschrauberpilot, Fluglehrer und Prüfer Andreas Hennig im Interview.

Sie fliegen bundesweit Rettungshubschrauber. Wie groß ist das Problem mit den Laserpointern auch für Sie?

Hennig: Das hat in den letzten Jahren leider deutlich zugenommen.

"Das passiert ja nicht unabsichtlich, dass man mit einem Laserpointer auf ein Luftfahrzeug zielt." Andreas Hennig, Pilot

Das ist, als würde man jemandem auf der Straße bewusst ein Bein stellen. Wenn man uns blendet, kann das erhebliche Folgen haben.

Was genau passiert denn im Cockpit? Wie muss man sich das vorstellen, wenn einer mit dem Laser direkt auf Sie zielt?

Hennig: Das hängt damit zusammen, wie stark der Laserpointer ist. Es wird auf einmal ziemlich hell - meist grün - im Cockpit. Wir versuchen dann, dem Laserstrahl auszuweichen, denn wenn man damit direkt in die Augen trifft, kann das Folgen haben und das gab es ja auch schon.

Wie können Sie in diesen Momenten reagieren? Augen schließen ist ja keine Option, oder?

Hennig: Nein, Augen zu ist schwierig, wobei der Hubschrauber auch von alleine fliegen kann. Wir haben ein, zwei Tricks, die ich aber gar nicht verraten möchte. Eine Möglichkeit wäre es, den Kurs zu ändern und dem Laserpointer das Heck zuzudrehen. Dann hat es erstmal keine Bewandtnis mehr und die Strahlen gehen an uns vorbei und wir werden nicht mehr geblendet.

Könnte es passieren, dass sie so geblendet sind, dass der Rettungseinsatz abgebrochen werden muss?

Bild von Rettungspilot, im Hintergrund ein Rettungshubschrauber

Pilot Andreas Hennig.

Bildquelle: Andreas Hennig

Hennig: Das wäre der Worst Case. Das kann auch für den Patienten ganz schwere Folgen haben. Sei es, weil wir auf dem Weg zum Unfallort sind oder eben weil wir den Patienten hinten drin haben und den schnell in die Klinik bringen müssen.

Bei den Fällen, die jetzt von der Bundeswehr bekannt geworden sind, ist die Vermutung, dass sie Tiefflugübungen im Dunkeln gemacht haben und dass sich die Leute davon gestört gefühlt haben. Aber Hubschrauber müssen eben auch tief fliegen. Das gilt für Sie im Rettungshubschrauber genauso und das lässt sich auch nicht vermeiden, oder?

Hennig: Richtig. Wir sollten froh sein, dass wir die Bundeswehr haben und dass sie solche Sachen üben, weil wenn es im Ernstfall soweit ist, dann müssen die Leute das auch können. Auch wir müssen irgendwann mal landen - sei es zum Einsatzort, zur Station, zum Krankenhaus - irgendwie müssen wir ja runter und wieder rauf. Ein Landeanflug beschränkt sich nicht auf 100 Meter, sondern er kann sich auch über mehrere Kilometer hinziehen. Außerdem hängt es vom Gelände ab, wie tief man ist.

Sie sind auch Fluglehrer. Welche Verhaltensregeln lernen denn Flugschüler und -schülerinnen für solche Situationen, damit sie nicht unvorbereitet da reingehen?

Hennig: Wir bringen ihnen genau diese Sachen bei. Wir erzählen, welche Möglichkeiten sie haben, wie zum Beispiel den Steuerkurs zu ändern. Wenn sie nicht im Rettungseinsatz sind, können sie das ja leicht machen. Oder wenn möglich, das Sonnenvisier runterklappen - dann sieht man nachts allerdings erstmal gar nichts mehr. Es gibt außerdem Anti-Laserbrillen, die färben dann aber das ganze Cockpit ein bisschen rot oder grün. Es ist also gar nicht so einfach. Auf jeden Fall informieren wir sofort die Flugsicherung und die stellen dann unsere Position fest.

Das Interview führte Lokalzeit-Moderatorin Kristina Sterz am 28. August 2026, um 17 Uhr. Für die Online-Version wurde es etwas angepasst ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Andreas Hennig

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 28.08.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Minden-Lübbecke

1 / 2