Martina Biester kommt vom Einkaufen zurück. Lebensmittel hat sie dabei, sechs Getränkeflaschen und ein Paket Toilettenpapier – und ihren Rollator. Der alleinstehenden Frau fällt das Gehen sichtlich schwer.
Vor der Haustür setzt sie einen Rucksack auf den Rücken, schnallt den zweiten mit den Getränken vor die Brust und klappt ihren Rollator zusammen. Mit der linken Hand, zieht sie sich nun Stufe für Stufe am Treppengeländer hoch, unterm rechten Arm schleppt sie ihren Rollator.
Ich muss auf jedem Absatz Pause machen und Kraft sammeln. Bis in die Wohnung brauche ich fast eine halbe Stunde. Martina Biester, Mieterin
Wenn Martina Biester ziemlich erschöpft in ihrer Wohnung in der vierten Etage angekommen ist, geht sie einige Tage lang nicht mehr raus. Ende Mai hätte sie eigentlich an der Hüfte operiert werden sollen. Doch da war der Aufzug schon seit vier Wochen kaputt – also hat sie die Operation vorerst abgesagt.
In der achten Etage
In der achten Etage lebt Abdularzad Alkhalaf mit seiner Familie. Eines seiner Kinder ist schwerbehindert. Die neunjährige Hourya sitzt im Rollstuhl, wird künstlich ernährt. Seit Anfang Mai trägt der Vater sie morgens die acht Etagen runter zum Schulbus, eilt die Treppen wieder hoch, um noch die medizinischen Geräte zu holen. Mittags dann umgekehrt. Und nachmittags oft noch mal, wenn Arztbesuche oder Therapien anstehen oder die Kinder einfach mal nach draußen wollen.
Abdularzad Alkhalaf sagt, er gehe jeden Tag zehn bis zu 15 Mal die acht Stockwerke hoch und runter, fast immer voll bepackt. Manchmal träume er nachts von dem Aufzug.
Konfrontation mit der Hausverwaltung
Über 30 Mails hat Abdularzad Alkhalaf an die Hausverwaltung in Mainz geschickt, seine Situation geschildert, gefragt, wann der Aufzug endlich repariert wird. Eine Antwort hat er nie bekommen. Das bestätigen auch andere Bewohnerinnen und Bewohner. Ans Telefon gehe bei der Hausverwaltung grundsätzlich niemand, nur ein Anrufbeantworter.
Als der WDR ankündigt, Fernsehaufnahmen im Haus machen zu wollen, gibt es dann doch eine Reaktion der Hausverwaltung: Ein Drehverbot im Haus. Und die knappe Antwort: "Die Reparatur des Aufzugs ist bereits seit längerem in Auftrag gegeben. Alle Anliegen der Mieter werden zeitnah bearbeitet."
Auch die Stadtverwaltung weiß Bescheid
Darüber kann Martina Biester nur verbittert lachen. Die Situation der Mieter in den 48 Wohnungen ist auch der Stadtverwaltung Iserlohn bekannt. Sie hat bisher keinen Anlass gesehen, den Sozialdienst einzuschalten, weil das Hochhaus in Privatbesitz ist.
Der Verein "Bürger helfen Bürgern" hat einen öffentlichen Aufruf gestartet und kann fünf freie Wohnungen in anderen Häusern vermitteln. Die Aussicht auf einen Umzug ohne funktionierenden Aufzug schreckt allerdings viele Familien ab.
Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Stadt Iserlohn
- Hausverwaltung
- Verein "Bürger helfen Bürgern"
Über dieses Thema berichten wir am 15.07.2025 auch im Fernsehen: WDR Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.