Münster: Forstbehörden fordern intensivere Jagd auf Wild

Zu viele Triebe junger Bäume werden in der Region abgefressen. Das verursache ernste Probleme in den Wäldern, warnen Förster.

Von Markus Holtrichter

Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den Wäldern, beispielsweise der Hohen Mark, große Lücken gerissen. Unter anderem Rehe und Hirsche sorgen nun dafür, dass diese Lücken sich nicht wieder schließen können. Das Regionalforstamt Münsterland fordert, den Wildbestand deutlich zu reduzieren.

Hier ist der Wildverbiss so hoch, dass diese Bäumchen es seit Jahren nicht schaffen, größer als 30 bis 40 Zentimeter zu werden. Carla Paul, RVR Ruhr Grün

Försterin Carla Paul kennt in der Hohen Mark die problematischen Lichtungen. Hier standen einst Fichten, erzählt sie. Die hätten Trockenheit und Borkenkäfer dahingerafft. Nun sollten an der Stelle unter anderem Eichen, Ebereschen und Lerchen einen klimarobusten Mischwald bilden. Doch die jungen Pflanzen verkümmern.

"Wir müssen angemessen jagen, damit der Wald von Morgen überhaupt eine Chance hat", sagt Carla Paul. Natürlich gehören aus ihrer Sicht auch Rehe und Hirsche ins Ökosystem Wald. Aber die Wildbestände müssten ihrer Meinung nach "angepasst" sein. Testweise hat ihr Team kleine Flächen mit jungen Bäumen eingezäunt.

Untersuchungen zeichnen verheerendes Bild

Das Regionalforstamt Münsterland berichtet, dass in vielen Jagdrevieren mehr als 90 Prozent der jungen Bäume stark oder sehr stark gefährdet sind. Die Daten gehen aus einem Monitoring in den Wäldern hervor. Vor allem im Winter sei der "Verbiss" groß. Dann suchen die Tiere verstärkt in den Wäldern Futter.

Auch in den Kreisen Euskirchen, Siegen-Wittgenstein, Soest oder auch Lippe seien die Probleme ähnlich stark, wie im Münsterland. Das berichtet der Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Im Kreis Siegen-Wittgenstein beispielsweise sind in mehr als Zweidrittel der Jagdreviere die nachwachsenden Bäume in Gänze gefährdet.

Jäger sehen sich nicht allein in der Pflicht

Die Kreisjägerschaft Coesfeld hält es aber für schwer umsetzbar, pauschal mehr Tiere zu schießen. Die Förster sollten stattdessen junge Baumbestände vermehrt einzäunen. Doch das ist aus Sicht der Forstbehörden großflächig kaum möglich. Es wäre teuer und aufwändig.

Münster: Forstbehörden fordern intensivere Jagd auf Wild

WDR Studios NRW 08.07.2025 00:42 Min. Verfügbar bis 08.07.2027 WDR Online

Jagdbehörden reagieren

Die Abschusspläne für Damwild werden jedes Jahr neu festgelegt. Unter anderem der Kreis Steinfurt hat schon reagiert und die Zahl der Tiere erhöht, die erlegt werden sollen. Umsetzen müssen es die vielen verschiedenen Jagdpächter. Ein einheitliches Vorgehen gibt es nicht.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Regionalforstamt Münsterland
  • Landesbetrieb Wald und Holz NRW
  • RVR Ruhr Grün
  • Kreis Steinfurt
  • Kreisjägerschaft Coesfeld
  • NABU im Kreis Coesfeld