Bielefelder Schulessen kommt aus Heidelberg

Lokalzeit OWL 02.06.2025 28:27 Min. Verfügbar bis 02.06.2027 WDR Von Peter Cohrs

400 Kilometer Lieferweg für Bielefelds Schulessen

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Statt frisch vor Ort gekocht, kommt die Mittagsversorgung an sechs Bielefelder Schulen ab August aus Heidelberg, rund 400 Kilometer von Ostwestfalen entfernt. Das sorgt nicht nur bei Kindern und Eltern für Kopfschütteln.

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Silke Tornede

Bei einer europaweiten Ausschreibung der Stadt hat eine Cateringfirma aus Sindelfingen in Baden-Württemberg ein preisgünstiges Angebot abgegeben und den Zuschlag bekommen. Nach den Sommerferien soll der neue Caterer nun sechs Ganztagsschulen beliefern. Mit Essen, das in Heidelberg gekocht wird.

Cook and chill: Essen wird nach dem Kochen runtergekühlt

Praktisch sieht das so aus: Nach der Zubereitung in Heidelberg wird das Essen schockgefrostet, per Lkw nach Bielefeld gefahren und in den Schulen wieder aufgewärmt. Dieses so genannte „Cook and chill“-Verfahren kritisieren Eltern und Schüler nicht, wohl aber den langen Transportweg von mehr als 400 Kilometern. Nachhaltig und umweltfreundlich sei das nicht.

Dass das Essen nun quer durch Deutschland gekarrt wird, ist schwer nachvollziehbar. Christian Beumann, Elternvertreter

Stadt sieht keine Alternative

Die Stadt Bielefeld äußert sich auf WDR-Anfrage schriftlich. Wegen des großen Auftragsvolumens, es geht um mehr als 2.000 Essensportionen täglich, habe man den Auftrag europaweit ausschreiben müssen. Dabei gebe es keine Möglichkeit, den Kreis nur auf regionale Anbieter und vergleichsweise geringe Anfahrtswege zu beschränken. Und so sei der Anbieter aus Baden-Württemberg zum Zug gekommen.

Es gibt aber noch mehr Ärger: An einer Gesamtschule in Bielefeld-Quelle gab es bisher die "FrischeKüche": leckeres Essen, regionale Produkte, direkt und frisch in der Schule gekocht. Ein bisschen teurer, aber bei den Schülerinnen und Schülern sehr beliebt. Jetzt soll der Anbieter wechseln, vom gemeinnützigen Kochteam zu einem kommerziellen Anbieter.

Einwände von Schülerinnen und Schülern nicht ernst genommen?

Die Schülervertretung protestierte, machte eigene Vorschläge. Sie schrieb sogar Konzepte, wie das Vorzeigeprojekt an ihrer Schule gerettet werden könnte. Gebracht habe das alles nichts. Es sei schon frustrierend, sagt Schülervertreter Abdu Eker, dass Politik und Verwaltung über die Köpfe der Schüler und Eltern hinweg entscheiden.

Es wurde nie mit uns geredet, es wurde immer über uns geredet. Justus Guntehöner, Schülervertretung

Die Stadt Bielefeld sieht das anders: Man habe viele Wünsche und Anregungen in die Ausschreibung aufgenommen, soweit das vergaberechtlich möglich war. Außerdem solle auch der kommerzielle Anbieter das "FrischeKüche"-Projekt fortsetzen. Eltern und Schüler bezweifeln, dass das klappt. Schließlich müsse der neue Caterer Gewinne erwirtschaften.

Thema kommt nach der Kommunalwahl wieder auf den Tisch

Richtig glücklich scheinen aber auch die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung nicht mehr mit der Lösung zu sein. Nach der Kommunalwahl soll das Thema noch mal auf den Tisch kommen.

Über das Thema haben wir im Fernsehen in der Lokalzeit OWL und im Radio auf WDR 2 berichtet.

Unsere Quellen:

  • Stadt Bielefeld
  • Reporter vor Ort
  • Elternvertreter, Schülerinnen und Schüler

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