Landwirt Friedel Wilde aus Tecklenburg-Ledde ist sauer. Sein Hof liegt mitten im Korridor der geplanten Stromtrasse. Und seit heute (2.3.) gilt: "Wenn sich Mitarbeiter von Gutachter-Büros bei uns melden, dann müssen wir sie auf unsere Flächen lassen." Bislang konnte Familie Wilde das verhindern.
Im Frühjahr 2025 hatten zwei Mitarbeiterinnen eines Gutachterbüros begonnen, mit Fernglas und Kartenmaterial nach Brutvögeln zu suchen - und das direkt auf landwirtschaftlichen Flächen der Wildes. "Natürlich haben wir ihnen das untersagt", erzählt Friedel Wilde.
Amprion darf Privatgrundstücke betreten
Doch das ist jetzt nicht mehr möglich. Der Netzbetreiber Amprion hat bei der Bezirksregierung eine sogenannte Duldungsverfügung erwirkt. Mit dem Ergebnis, dass Mitarbeiter von Gutachterbüros nun für Amprion auch Grundstücke von Privatleuten betreten dürfen, selbst gegen deren Willen.
Landwirt Friedel Wilde mit Tochter Marie vor ihrem Hof in Tecklenburg-Ledde
Amprion-Sprecher Michael Weber begründet das Vorgehen des Unternehmens so: Bisher sei erst ein 1.000 Meter breiter Korridor für die Höchstspannungsfreileitung festgelegt worden, von Wettringen bis Unna. Nun soll der genaue Korridor bestimmt werden - möglichst ohne seltene Tier- und Pflanzenarten zu stören.
"Wir sind nicht gegen die Energiewende, aber gegen eine Mega-Freileitung." Friedel Wilde, Landwirt aus Tecklenburg-Ledde
Die Amprion-Trasse soll ab 2034 Windstrom der Offshore-Parks in der Nordsee ins Ruhrgebiet befördern. In einer der stärksten Stromleitungen Deutschlands. Landwirt Wilde betont immer wieder: "Wir sind nicht gegen die Energiewende, aber gegen eine Mega-Freileitung mitten durchs Erholungsgebiet."
70 Meter hohe Masten
Familie Wilde hat sich zusammen mit 250 weiteren Menschen aus den Ortsteilen Ledde und Laggenbeck in einer Bürgerinitiative organisiert. Als Anwohnende kritisieren sie, dass die Masten der Stromleitung mit 70 Metern Höhe das Landschaftsbild verschandeln würden. Außerdem befüchten sie die elektromagnetische Strahlung.
Vor vielen Häusern steht ein rotes X, als Zeichen des Protests. Die Bürgerinitiative fordert, die Leitung solle als Erdkabel verlegt werden. Doch Amprion versichert, dass bei der geplanten Freileitung alle Mindestabstände zu Wohnhäusern eingehalten werden und keine Gesundheitsgefahren bestehen.
Letzte Hoffnung: Petitionsausschuss des Bundestags
Mehr als 20.000 Anwohner haben eine Petition an den Bundestag unterschrieben. Das Ziel: Doch noch eine Erdverkabelung zu erreichen, zumindest auf dem Kamm des Teutoburger Walds. Auch mehrere Bürgermeister haben sich dafür stark gemacht. Der Petitionsausschuss des Bundestags hat noch nicht entschieden.
Unsere Quellen:
- Bürgerinitiative Ledde-Laggenbeck gegen Höchstspannung
- Amprion
- Bezirksregierung Münster
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 02.03.2026, 06:31 Uhr