Niedrigwasser noch nicht so schlimm wie erwartet
Bildquelle: WDRWDR. 2 Min.. Verfügbar bis 27.07.2028.
Am Ufer der Weser in Minden oder Höxter ist es deutlich zu sehen: Viele Buhnen, die künstlich aufgeschütteten Landzungen, mit denen die Fließgeschwindigkeit erhöht werden soll, liegen nicht mehr unter Wasser. Links und rechts der Weser kommen immer mehr steinige Uferbereiche zum Vorschein.
In Höxter sinkt der Pegel langsam, aber stetig: Am Montag um 11:00 Uhr liegt der Wasserstand bei 65 Zentimetern, Ende Juli betrug er noch 78 Zentimeter. Der tiefste jemals gemessene Stand lag in Höxter bei 54 Zentimetern, gemessen im September 2022. Zwar hat es in den vergangenen Tagen hin und wieder etwas geregnet, das bleibt aber ohne Auswirkungen auf den Weser-Pegel.
Sichtbar mehr Flussbett zeigt die Weser am Einstiegsbereich von "Wassersport Höxter".
Bildquelle: WDREtwas weiter nördlich, im Kreis Minden-Lübbecke, sieht es am Montag noch etwas besser aus: 95 Zentimeter zeigt der Pegel Porta. Damit ist er höher, als vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ende Juli befürchtet. 60 bis 70 Zentimeter hatte das WSA für möglich gehalten. Der bisher niedrigste Pegelstand von 89 Zentimetern im Jahr 2020 wäre damit weit unterschritten gewesen.
Niedrigwasser an Rhein und Weser
Probleme für Schifffahrt und Natur
Die Weser fällt weiter, Zentimeter für Zentimeter. Aktuell steigen die Temperaturen auf über 30 Grad, und es wird kaum Regen vorhergesagt. Die Pegelstände dürften weiter zurückgehen, für Schifffahrt und Natur sind das keine guten Nachrichten.
Edertalsperre steuert den Wasserstand
Dass die Wasserstände an der Weser sinken, hängt auch mit der Edertalsperre in Nordhessen zusammen. Sie gibt in trockenen Zeiten eigentlich gezielt Wasser an die Eder ab, die später über Fulda und Weser auch Ostwestfalen-Lippe erreicht. So wird der Wasserstand der Oberweser reguliert und die Schifffahrt unterstützt.
Zur Zeit ist der Edersee aber nur noch zu 18 Prozent gefüllt. Die Wasserabgabe bleibt weiter auf ein Minimum begrenzt, nur sechs Kubikmeter pro Sekunde fließen ab. An der Weser in OWL macht sich das deutlich bemerkbar.
Das Niedrigwasser wird zum Problem für Schiffe und Fische
Die Entwicklung wird vor allem von der Binnenschifffahrt genau beobachtet. Sinkende Wasserstände können dazu führen, dass Schiffe weniger Ladung transportieren können oder sie ihre Fahrweise anpassen müssen. Maurice Jurke ist der Fachbereichsleiter Schifffahrt beim WSA Weser. Er nennt die Lage auf der Oberweser zwischen Hann. Münden und Minden für den Schiffsverkehr katastrophal. "Der Verkehrsweg ist fast komplett lahmgelegt."
"Dass wir so früh im Jahr Niedrigwasser haben, gibt uns zu denken. Da macht sich schon Ratlosigkeit breit." Maurice Jurke, WSA Weser
Gewerbliche Schifffahrt finde quasi nicht mehr statt. Auch die Fähren operieren nur noch eingeschränkt. Und selbst für Sportboote werde es mittlerweile kritisch: Der Wasserstand sei so niedrig, dass Sportboote kaum noch fahren könnten und nur in Ausnahmefällen auf der Weser zu sehen seien. Kanus und Ruderer seien aber weiterhin auf der Weser zu finden.
Die Mittelweser, also zwischen Minden und Bremen, sei dagegen aufgestaut und deshalb ohne Einschränkungen befahrbar.
Wenig Wasser gefährdet auch immer Fische und andere Wasserlebewesen im Fluss. Hohe Wassertemperaturen senken den Sauerstoffgehalt, für viele Fischarten ist das lebensgefährlich. Wenn die Wassermenge sinkt, steigt auch die Schadstoffkonzentration. Nur andauernde Regenfälle könnten etwas dagegen ausrichten.
"Das hat es in der Vergangenheit auch schon gegeben. Wenn wenig Wasser und zugleich heißes Wasser da ist, wird es für Fische gefährlich." Jörg Böhner, Wasserbaumeister vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt
Auch wenn es verführerisch aussieht: Die Weser ist nicht so niedrig, dass man durchgehen kann. Es gibt viele Bereiche, die tiefer sind, als der Pegelstand vermuten lässt. Die Retter der DLRG warnen: Die Fließgeschwindigkeit der Weser ist auch bei niedrigem Wasserstand hoch, ungeübte Schwimmerinnen und Schwimmer können schnell abgetrieben werden.
Unsere Quellen:
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser
- Maurice Jurke, Fachbereichsleiter Schifffahrt
- Jörg Böhner, Wasserbaumeister
- DLRG
- Beobachtungen der WDR-Reporter in Höxter und Porta Westfalica
Sendung: WDR.de, Weser-Pegel sinken Zentimeter für Zentimeter, 31.07.2026, 10:05 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 03.08.2026, 09:30 Uhr
