Meik Meyer stehen die Tränen in den Augen. Der stellvertretende Vorsitzende des Anglersportvereins Burgsteinfurt steht am Ufer der Gräfte am Schloss in Burgsteinfurt und beobachtet, wie Vereinskollegen in einem Ruderboot einen toten Fisch nach dem anderen aus dem Wasser ziehen.
Das kann man überhaupt nicht fassen. Das sind Fische, die sind 15 bis 18 Jahre alt und das kann man nicht in zwei Jahren alles so hochpäppeln wie es jetzt gerade war. Meik Meyer
ASV Burgsteinfurt
Tausende tote Fische
Es ist das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass in der Gräfte, durch die die Steinfurter Aa fließt, Fische verenden. Auch einige Kilometer entfernt, an der Steinfurter Aa in Wettringen haben Angler in diesem Jahr schon tausende Fisch-Kadaver geborgen. Zum ersten Mal Ende Mai und dann noch mal Mitte Juni.
Die Angler auf der Gräfte in Burgsteinfurt steuern den Steg an. Sie bringen einen ganzen Bottich voll mit toten Fischen an Land. "Hinten an der Brücke haben ich noch drei Karpfen schwimmen sehen. Ansonsten ist hier nicht mehr viel Leben", schildert einer aus dem Team seine Beobachtungen.
"Die Fische sind elendig erstickt"
Die Angler mutmaßen, dass bei starkem Regen am Wochenanfang Düngemittel von angrenzenden Feldern in die Aa gespült wurde und dadurch das Ökosystem durcheinandergeraten ist. Vor allem der Sauerstoffgehalt sei rapide abgesunken, sagt Meyer. "Die Fische sind elendig erstickt."
Die Untere Wasserbehörde des Kreises Steinfurt, zuständig für die Überwachung der Gewässer, hat Wasserproben genommen und kommt zu demselben Schluss.
Ursache für die Belastungen waren vermutlich eine Einleitung von Abwasser oder Einträge aus der Landwirtschaft. Kreis Steinfurt
Untere Wasserbehörde
Wer trägt die Verantwortung?
Die Angler fragen sich, wer dafür verantwortlich ist. Doch die Untere Wasserbehörde winkt ab. "Ein konkreter Verursacher konnte leider nie ermittelt werden", heißt es auf WDR-Anfrage. Und: "Bei Fischsterben, denen starke Niederschlagsereignisse vorausgegangen sind, muss davon ausgegangen werden, dass es auch keinen einzelnen Verursacher gab."
Durch das Regenwasser wurden in diesem Fall Schadstoffe von Straßen und befestigen Flächen oder von landwirtschaftlichen Flächen in das Gewässer gespült. Kreis Steinfurt
Untere Wasserbehörde
Anzeige bei der Polizei erstattet
Den Anglern in Burgsteinfurt reichen die Aussagen der Unteren Wasserbehörde nicht. Auch im benachbarten Wettringen verlangen die Angler Aufklärung. Sie haben sogar bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Sie kritisieren die massive Naturzerstörung. Außerdem beklagen sie einen großen wirtschaftlichen Verlust, wenn soviele seltene und damit auch wertvolle Fische sterben müssen.
Fischsterben in Münster
Bildquelle: Meik MeyerWDR Studios NRW. 16.07.2025. 00:51 Min.. Verfügbar bis 16.07.2027. WDR Online.
Weiteres Fischsterben bei Warendorf
Am Anfang der Woche waren bereits in einem Bach bei Warendorf Fische verendet. Anwohner hatten den Landesfischereiverband Westfalen-Lippe informiert. Der Biologe Carsten Nolting sagt, dass Ereignisse wie diese mit vielen toten Fischen schon lange keine Einzelfälle mehr sind.
Trockenheit und hohe Temperaturen infolge des Klimawandels seien wesentliche Gründe. "Wenn dann noch durch Starkregen Schadstoffe in die Gewässer gespült werden, dann kippen die Systeme", erklärt der Biologe.
Unsere Quellen:
- WDR-Autorin vor Ort
- Meik Meyer, Angelsportverein Burgsteinfurt
- Angelsportverein Wettringen
- Biologe Carsten Nolting
- Untere Wasserbehörde des Kreises Steinfurt
Über dieses Thema berichten wir am 16.07.2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Münsterland um 19.30 Uhr.