Niedrigwasser

Warum eine Rheinvertiefung so schwierig ist

Stand:

Der Rhein führt so wenig Wasser wie noch nie - mit Folgen für die Industrie und Binnenschifffahrt. Eine Option ist, die Wasserstraße zu vertiefen. Welche Ausbaupläne gibt es, woran könnte es scheitern und was sagen Kritiker?

Von
Katja Goebel
,
Lukas Fegers
und
Nicolas Vordonarakis

Seit Tagen gibt es Rekorde bei den Pegelständen, Schiffe und ihre Ladung werden ausgebremst. Eine Option, dagegen zu steuern, könnte sein, den Rhein zu vertiefen. Es wäre nicht das erste Mal. Welche Ideen liegen derzeit auf dem Tisch? Und welche Bedenken gibt es gegen den Eingriff? Hier kommen Antworten:

Wie der Mensch den Rhein für Schiffe formte

Dass der Rhein nicht einfach vor sich hinfließen darf, ist nicht neu. Dem natürlichen Verlauf der wichtigsten Wasserstraße Deutschlands geht der Mensch schon seit 1817 an den Kragen. Damals nahm der badische Ingenieur Johann Gottfried Tulla eine "Rheinkorrektur" vor, der Lauf des Oberrheins wurde zum Hochwasserschutz begradigt.

In der Folge kamen Begradigungen und Vertiefungen an immer mehr Stellen hinzu. Längst ist der Rhein für gut beladene Frachtschiffe mit ordentlich Tiefgang ausgelegt. Sie entlasten Schiene und Straße beim Transport von Gütern deutlich - das ist insbesondere für große Industriebetriebe und Kohlekraftwerke bedeutsam.

Welche Rheinausbau-Projekte es schon in NRW gibt

Eigentlich ist der Ausbau der Fahrrinnen längst im Gange. Am Niederrhein läuft das Gesamtprojekt "W27", das die Fahrrinnen vertiefen und die Flusssohle langfristig stabilisieren soll. Auf einer Länge von 46,5 Kilometern ist es zwischen Duisburg und Dormagen-Stürzelberg in vier Teilabschnitte eingeteilt. Doch obwohl das Projekt im Bundesverkehrswegeplan von 2030 als "vordringlicher Bedarf" eingestuft wird, läuft es mit unterschiedlichem Erfolg.

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Während zwischen Krefeld und Duisburg bereits gearbeitet wird, ist der Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf-Nord laut dem NRW-Verkehrsministerium zwar fertig geplant, aber noch nicht im Bau. Der Grund: Im vergangenen Jahr habe der Bund die dafür notwendigen Haushaltsmittel gestrichen.

Zwischen Düsseldorf-Nord und Düsseldorf-Süd wiederum werde derzeit geplant. Doch um die Planung stringent voranzutreiben, fehle es an Geld und Kapazitäten, berichtet die "Wirtschaftswoche". Der Teilabschnitt bis Stürzelberg sei hingegen noch überhaupt nicht in Planung.

Warum es beim Rheinausbau hakt

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) wirft der neuen Bundesregierung vor, die Finanzierung für den Rheinausbau im vergangenen Jahr gestoppt zu haben. Er fordert vom Bund beispielsweise Geld für den weiteren Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln. Dort müssen an einzelnen Stellen große Steine aus dem Rhein entfernt werden, die in die Fahrrinne ragen. Danach könnten Schiffe auch bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren, ohne auf Grund zu laufen.

"Das kostet schon einige Millionen. Aber im Vergleich zu dem, was der wirtschaftliche Schaden einer nicht funktionierenden Binnenschifffahrt ist, sind diese Investitionen gut angelegtes Geld." NRW-Umweltminister Oliver Krischer

Auch aus der Wirtschaft kommen Forderungen nach einer Vertiefung des Rheins. Ocke Hamann von der IHK Duisburg kritisiert, dass die Wasserstraßen vom Bund vergessen werden: "Für kommendes Jahr sind 1,7 Milliarden Euro eingeplant, der Bedarf liegt bei 2,5 Milliarden Euro."

"Seit Jahren ist die Wasserstraße finanziell unterversorgt und hat keine verlässliche Finanzierung." Ocke Hamann von der IHK

Was der Rheinausbau für das Ökosystem bedeuten kann

Eine Vertiefung - auch um wenige Zentimeter - könnte an manchen Stellen zwar deutlich größere Mengen Transportgut ermöglichen, hätte aber auch Folgen für die Umwelt, warnen Naturschützer. "Das ist vor allen Dingen ein ökologisches Problem für die flussnahen Ufer-Auen, die dadurch stärker austrocknen werden", gibt Paul Kröfges vom BUND zu Bedenken.

"Die Fischwelt hält sich auch in der Fahrrinne auf." Paul Kröfges vom BUND

Wenn weiter ausgebaggert, vertieft und ausgebaut werde, so Kröfges, entstehe ein ökologisches Problem für die Fischwelt. Plätze und Wandermöglichkeiten gingen verloren.

Welche Alternativen es zum Ausbaggern gibt

Statt die Fahrrinne tiefer zu baggern, fordert BUND-Sprecher Kröfges stattdessen den verstärkten Einsatz von Schiffen, die speziell für Niedrigwasser umgebaut sind.

Eine flächendeckende Vertiefung des Flussbettes lehnt auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) auf WDR-Nachfrage ab. Land und Bund unterstützen Forschungsbestrebungen und Umbau der Schiffe. Der Rhein müsse zu "einem Symbol dafür werden, wie wir unseren Industriestandort an den Klimawandel anpassen", so die Ministerin. Gegenüber punktuellen Projekten zur Beseitigung von Flach- und Engstellen sei man aber offen.

Der Rheinausbau und der politische Streit darum

Bildquelle: dpa/ Oliver Berg

WDR 06.08.2026 03:06 Min. Verfügbar bis 05.08.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer
  • WDR-Interview mit Paul Kröfges, Bund für Umwelt und Naturschutz
  • WDR-Anfrage an NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur
  • Industrie- und Handelskammern NRW
  • Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  • Nachrichtenagentur AFP
  • der "Wirtschaftswoche"

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 06.08.2026, 8:55 Uhr