Niedrigwasser

Bilger will Sonntags-Fahrverbot für Lkw aussetzen

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Bundesverkehrsminister Bilger (CDU) kündigte nach einem Spitzengespräch an, das Sonntagsfahrverbot für Lkw zeitlich befristet auszusetzen. Es soll die Binnenschifffahrt entlasten, die unter dem Niedrigwasser leidet. Weitere mittelfristige und langfristige Maßnahmen umfassen unter anderem einen Ausbau der Fahrrinnen und den Umbau von Schiffen. Umweltverbände wie der BUND NRW setzen andere Schwerpunkte.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) lud Vertreter von Hafenbetreibern, der Binnenschifffahrt und Industrie zu einem Spitzengespräch zum Thema Niedrigwasser ein. Es fand in seinem Bonner Dienstsitz statt, in unmittelbarer Nähe des ausgetrockneten Rheins, der nur noch leicht beladene Frachtschiffe tragen kann. Nach rund anderthalb Stunden informierte er die Presse über ein Bündel von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass die kritische Niedrigwasserphase noch mindestens vier Wochen andauern wird.

Wir können das Wetter nicht beeinflussen, aber wir könnten dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft besser durch diese schwierigen Wochen kommt. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU)

Verlagerung des Verkehrs auf Straße und Schiene

Steffen Bilger setzt auf eine zeitlich befristete Aussetzung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lkw, die besonders betroffene Güter transportieren. Er wolle nun zügig das Gespräch mit den Landesverkehrsministern suchen, um dies gemeinsam mit ihnen zu beschließen. So sollen mehr Güter über die Straße transportiert werden können. Zudem habe er die bundeseigene Autobahn GmbH angewiesen, in den nächsten Wochen auf Baustellen zu verzichten, die nicht zwingend nötig seien.

Auch durch eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene sollen die Lieferketten gewährleistet werden. DB Cargo und die DB Infrago hätten Unterstützung zugesagt, sie würden weitere Kapazitäten bereitstellen, erklärte Bilger.

Umbau von Schiffen

Jens Schwanen | Bildquelle: IMAGO/Political-Moments

Als mittelfristige Maßnahme nannte der Bundesverkehrsminister den Umbau von Binnenschiffen, damit sie niedrigwassertauglicher werden. Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB), forderte, dass die aktuelle Förderung des Bundes zum Bau und Umbau der Schiffe fortgeführt wird. Zuvor hatte er dem WDR erklärt: "Verhängnisvollerweise will der Bund ausgerechnet den Bereich der Förderung Anfang 2027 so drastisch einkürzen, dass das Förderprogramm de facto eingestellt wird." Bilger äußerte sich dazu nicht auf der Pressekonferenz.

Maßnahmen gegen Niedrigwasser

Bildquelle: REUTERS/Thilo Schmuelgen

WDR 5 Westblick - aktuell 06.08.2026 04:53 Min. Verfügbar bis 06.08.2027 WDR 5

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Ausbau der Wasserstraßen

Der Ausbau der Wasserstraßen mit Fahrrinnenvertiefungen ist für Bilger eine langfristige Maßnahme. Wie langfristig sie ist, zeigte die unverblümte Kritik von Jens Schwanen vom Bundesverband der Binnenschifffahrt. Vor 34 Jahren habe man bereits einen Ausbau mit dem Verkehrswegeplan beschlossen und warte immer noch auf die Umsetzung. Er mahnte auch an, dass der Bund keine Stellen bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) kürzt, damit der Ausbau nun zügig umgesetzt wird.

Die Fahrrinnenvertiefung wird insbesondere von Umweltverbänden kritisch gesehen. Sie waren nicht zu dem Spitzentreffen eingeladen, wie BUND und VCD kritisierten.

VCD: Vertiefung der Fahrrinnen verschärft das Problem

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte am Donnerstag vor einer weiteren Vertiefung der Fahrrinnen: Dies würde erhebliche finanzielle Mittel binden und die eigentlichen Ursachen nicht lösen, sondern verschärfen, warnte der Verband. Tiefere Fahrrinnen beschleunigten den Wasserabfluss und erhöhten die Anfälligkeit der Flusssysteme. Es handele sich daher um eine Scheinlösung.

Diese Gefahr sieht auch Binnenschifffahrts-Vertreter Schwanen: "Fahrrinnenvertiefungen sind kein Allheilmittel für monatelange Trockenheit." Die Herausforderung sei: "Wie kriegen wir es hin, dass uns das Wasser nicht wegläuft?" Schwanen regte an, über Wasserrückhaltebecken und Staustufen nachzudenken. Er betonte, das Niedrigwasser sei auch ein ökologisches Thema, dies müsse miteinbezogen werden. Der BDB-Geschäftsführer sprach von einem massenhaften Fischsterben und austrocknende Auen.

BUND fordert Lösungen für alle Gewässer

Der NRW-Landesverband des BUND forderte am Donnerstag in einer Pressemitteilung einen grundlegenden Kurswechsel in der Wasserpolitik. Die historisch niedrigen Wasserstände seien "kein vorübergehendes Wetterereignis, sondern eine Folge der Klimakrise". Simone von Kampen, Geschäftsführerin des Landesverbands sagte: "Wenn Bundes- und Landesregierung beim Niedrigwasser vor allem an die Schifffahrt denken, greift das viel zu kurz. Wir müssen endlich mehr Wasser in der Landschaft halten und unsere Flüsse widerstandsfähiger machen."

Niedrige Wasserstände setzten nicht nur das Ökosystem Rhein, sondern auch kleinere Flüsse und Bäche unter Stress. Sinkende Pegel führten zu steigenden Wassertemperaturen und Schadstoffkonzentrationen sowie einem sinkenden Sauerstoffgehalt. Das werde auch zu einer Herausforderung für die Trinkwassergewinnung aus Rheinuferfiltrat.

Darum fordert von Kampen: "Was wir brauchen, sind langfristige und nachhaltige Lösungen – für alle Gewässer und Flächen." Nötig seien "mehr Schwammlandschaften, die Renaturierung unserer Flüsse und Auen, ein sparsamerer Umgang mit Wasser sowie ein nationaler Plan für Wasserknappheit", fordert der Umweltverband. Die Binnenschifffahrt sei an die Flüsse anzupassen und nicht umgekehrt.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz mit Bundesverkehrsminister Bilger in Bonn
  • Pressemitteilung des BUND
  • Informationen des NRW-Ministeriums für Umwelt und Verkehr
  • AFP-Meldung
  • Jens Schwanen, Geschäftsführer des BDB, im WDR-Interview
  • Eigene Berichterstattung

Sendung: WDR 5, Nachrichten / Neue Tiefstände auf dem Rhein: Verkehrsminister in Bonn, 06.08.2026, 9 Uhr