Praxischeck der überlegten Maßnahmen
WDR. 02:44 Min.. Verfügbar bis 21.07.2028.
Was die Sperrungen der Bonner Nordbrücke erreicht hat, ist in jedem Fall ein Fahrradboom. Vor allem auf der Kennedybrücke sind im Berufsverkehr viel mehr Radler als bislang unterwegs und stellen Rekorde auf: Am 15. Juli wurden 19.768 Fahrräder gezählt, so viele wie noch nie seit der Inbetriebnahme der städtischen Fahrradzählstelle vor elf Jahren. Für den Fahrradverband ADFC in Bonn ist das ein deutliches Zeichen:
„Es ist sehr gut, dass die Menschen begriffen haben, dass das Fahrrad nicht nur eine Freizeitlösung ist, sondern eine echte Alternative für tägliche Fahrten in Bonn.“ Wolfgang Utehs, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bonn
Park&Ride: durchwachsene Bilanz
Einige der Maßnahmen der Stadt Bonn sind weniger erfolgreich. So fällt die Bilanz der neu eingerichteten Park&Ride-Plätze eher durchwachsen aus. In Bonn-Ramersdorf wird das zusätzliche Angebot stark nachgefragt, aber offenbar eher als kostenlose Parkplätze für die umliegenden Behörden und Unternehmen. Der P&R-Platz am ehemaligen Landesbehördenhaus ist die meiste Zeit verwaist.
Neue Straßenmarkierungen für schnellere Stadtbahnen
In Bonn-Beuel haben schon neue Straßenmarkierungen viel bewirkt: Auf der Sankt-Augustiner-Straße standen die Stadtbahnen oft mit im Stau, inzwischen gibt es getrennte Spuren für Autos und Bahnen. Das hilft, heißt es von den Stadtwerken.
„Die Verspätungen der Linie 66 sind deutlich zurückgegangen an der Stelle. Nur wenn Lkw gleichzeitig unterwegs sind, steckt manchmal eine Bahn fest.“ Angela Franken, Bereichsleiterin SWB Bus und Bahn
Kostenloser ÖPNV: teuer, kein nachgewiesener Nutzen
Schon wieder vorbei ist die Zeit der kostenlosen Öffis. Von Mitte bis Ende Juni brauchte man kein Ticket. Das hat die Stadt rund 350.000 Euro pro Woche gekostet und war damit die bislang teuerste Einzelmaßnahme. Der Nutzen ist unklar, da es keine genauen Daten zum Fahrgastverhalten gibt.
Streit um Autospuren und Radwege
Bei der Lenkung des Bonner Autoverkehrs gehen die Meinungen auseinander. So wird derzeit die Adenauerallee so umgebaut, dass Autos wieder vier Fahrspuren nutzen können, zulasten der Radfahrer. Die Industrie- und Handelskammer findet es richtig, dass sich Bonn darauf vorbereitet, bald noch mehr Autoverkehr zu verkraften:
„Wir müssen uns gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis überlegen, wie wir die Mobilität in der dunklen Jahreszeit organisieren wollen. Das Problem ist noch nicht gebannt." Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer IHK Bonn/Rhein-Sieg
Der Fahrradverband ADFC kritisiert, dass Radfahrer mehr Umleitungen fahren sollen, um Platz für Autos schaffen. Auf einem Teil der Oxfordstraße wird sogar ein Fahrradfahrverbot eingerichtet.
Fazit: Bonn probiert gerade eine Menge aus, allerdings bleibt es schwer, die Verkehrslage in Bonn zu entschärfen. Der beste Ersatz für die gesperrte Nordbrücke – ist eine reparierte Nordbrücke.
Unsere Quellen:
- ADFC Bonn
- IHK Bonn/Rhein-Sieg
- Stadtwerke Bonn
Sendung: WDR.de, Was gegen den Nordbrücken-Stau hilft, 23.07.2026, 5 Uhr
