So tickt NRW - 8 Uhr: Thorsten Klanke arbeitet in 150 Metern Höhe am Bonner Post Tower

WDR 03:22 Min. Verfügbar bis 31.07.2028

Höchstes Gebäude in NRW Bonner besiegt für Traumjob seine Höhenangst

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In 150 Metern Höhe muss Thorsten Klanke die Fassaden vom Bonner Post Tower kontrollieren. Freischwebend. Eine Herausforderung.

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Marc-André Schröter

Um kurz nach 8 Uhr beginnt der Arbeitstag von Thorsten Klanke. Einen Wagen voller Sicherungstechnik schiebt er in die 30. Etage des Bonner Post Towers. Er ist einer von drei Service-Technikern, die sich hochkonzentriert auf ihren Einsatz in der Höhe vorbereiten. "Alle Arbeitsabläufe müssen sehr strukturiert sein, damit keine Fehler passieren und keine Gefahren entstehen", sagt er und klinkt sich mit einem Karabinerhaken ins Sicherungsseil ein. Mit einer Gondel muss er jetzt 30 Meter die Fassade hochfahren.

Kaputte Teile können zu Geschossen werden

Die Fassaden des Post Towers bestehen innen wie außen fast ausschließlich aus Glas. Diese Flächen sind mit Stahlelementen ins Gebäude verbaut. Seit rund 25 Jahren steht der Post Tower schon. Damit nichts aus der Fassade bricht und zu lebensgefährlichen Geschossen wird, kontrolliert das Team um Klanke regelmäßig jede Innenfassade. 

"Mit unserer Arbeit gewährleisten wir die Sicherheit und Standfestigkeit des gesamten Gebäudes." Thorsten Klanke, Service-Techniker

Mit einer Spezial-Gondel, die ganz oben an einem Stahl-Schlitten befestigt ist, gelangen die Service-Techniker an fast jeden Winkel. "Die Herausforderung ist, nichts zu übersehen. Seien es kleine Risse im Glas oder eindringendes Wasser", erklärt Klanke. Von unten sichern ihn seine beiden Kollegen, der Bereich ist komplett abgesperrt.

Zwei Techniker lösen die Stahlseile der Gondel im Post Tower in Bonn.

Die Techniker überprüfen regelmäßig jeden Zentimeter der Innenfassade.

Aus Respekt vor der Höhe wird Faszination

Die Gondel fährt ihn in schwindelerregende Höhen. Als Klanke vor etwa 20 Jahren hier angefangen hat, hatte er auch ein mulmiges Gefühl. "Aber man fängt klein an und stellt sich dann auch Tests, um sich für die Arbeiten zu qualifizieren", erinnert er sich. Mit der Zeit habe er sich an die Höhen gewöhnt und aus dem anfänglichen Respekt ist mittlerweile eine Faszination geworden.

Blick vom Dach des Post Towers den Rhein entlang in Richtung Köln.

Das ehemalige Abgeordnetenhaus, der Lange Eugen, kommt einem von hier oben ganz klein vor.

Bester Blick über das Rheinland

Vor allem der Ausblick vom rund 160 Meter hohen Dach ist für ihn jedes Mal atemberaubend. Ob die Skyline von Köln, der Blick übers Siebengebirge oder auf das ehemalige Bonner Regierungsviertel - bei seinen Kontrollen hier oben schweift der gebürtige Bonner schonmal mit den Gedanken einen Moment ab:

"Es ist toll hier! Ich bin 'ne bönnsche Jung und NRW ist meine Heimat. NRW ist meine Arbeitsstelle. NRW ist mein Leben. Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich hier wohl." Thosten Klanke, Service-Techniker

Heute entdeckt Thorsten Klanke keine Schäden. Es gibt aber auch Tage, an denen er direkt Spezialfirmen beauftragen muss. Zum Beispiel, wenn er einen Kabelbruch in einem Rauchmelder, 25 Meter über dem Boden, feststellt. Sein Team wartet auch regelmäßig die 19 Aufzüge des Post Towers, zwölf davon sind spezielle Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Ihm wird es nie langweilig, sagt er. 

Die letzte Herausforderung an diesem Morgen: Die Stahlseile der Gondel müssen wieder gelöst werden. Gesichert an einem Seil steigt Thorsten Klanke auf eine Leiter, in 30 Metern Höhe, über dem Abgrund. "Wenn man im luftleeren Raum hängt, das wird nie zum Alltag", sagt er und zieht das Stahlseil ein. Die Gondel wird nun an einer anderen Fassadenstelle eingehängt und Thorsten Klanke setzt dort seine Kontrollen fort. 

NRWs höchstes Gebäude ist ein doppeltes Glashaus:

  • 40 Etagen hat der 162,5 Meter hohe Post Tower. 19 Aufzüge befördern täglich rund 2.000 Menschen, die hier arbeiten.
  • Der Bonner Post Tower besteht aus gleich zwei komplett gläsernen Fassaden. Zwischen der äußeren und der inneren gibt es einen 7,20 Meter breiten Zwischenraum.
  • Durch ein spezielles Belüftungssystem kann dieser Zwischenraum den Post Tower abkühlen. Das ersetzte eine große Klimaanlage, so die Deutsche Post.
  • Auch die Rollos sind zwischen beiden Fassaden verbaut, die ebenfalls mithilfe der Service-Gondeln kontrolliert werden. 

 Unsere Quellen:

  • Interview mit Service-Techniker Thorsten Klanke
  • Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
  • Deutsche Post

Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 8 Uhr: Thorsten Klanke arbeitet in 150 Metern Höhe am Bonner Post Tower, 03.08.2026, 12:44 Uhr

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