Sicherheitskosten zu Karneval: Gemeindebund fordert Hilfen für Vereine
Bildquelle: dpa/Oliver BergLokalzeit aus Düsseldorf. 03.02.2026. 3 Min. 9 Sek.. Verfügbar bis 03.02.2028. WDR. Von Raphael Boch.
Der Städte- und Gemeindebund in NRW fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung des Landes für Karnevalsvereine. Die seien vor allem mit den wachsenden Sicherheitskosten für ihre großen Umzüge zunehmend überfordert.
Zahlreiche Vereine in der Region bestätigen den hohen Aufwand für die verantwortlichen Ehrenamtler.
Gemeindebund: Gefahrenabwehr ist Aufgabe des Staates
Aus Sicht des kommunalen Spitzenverbandes sollte die Landesregierung in Sachen Sicherheit mehr tun. "Wir sehen eine organisatorische und finanzielle Mitverantwortung des Landes", erklärt Verbands-Geschäftsführer Andreas Wohland.
Andreas Wohland fordert mehr Landeshilfen
Bildquelle: WDRDie immer weiter steigenden Kosten für Sicherheitsaspekte könne man den ehrenamtlichen Vereinen nicht weiter in voller Höhe aufbürden, heißt es weiter. "Es gibt ein Gutachten, dass zum Ergebnis kommt, dass für die Abwehr abstrakter Gefährdungslagen die Sicherheitsbehörden des Landes verantwortlich sind und eben nicht die jeweiligen Veranstalter vor Ort", so Wohland.
Krefelder Narren gründeten Hilfsverein
Viele Vereine in der Region müssen seit Jahren immer wieder kämpfen, damit ihre Rosenmontagszüge überhaupt ziehen. So haben die Karnevalisten in Krefeld im vergangenen Sommer einen Hilfsverein für Spenden gegründet, damit genügend Geld zusammenkommt, um die Sicherheitsanforderungen erfüllen zu können.
Krefelds Karnevalspräsident Peter Bossers
Bildquelle: WDR/Peter Hild"Unsere Rücklagen sind weg. Und wir können jetzt wirklich nur noch einen Rosenmontagszug fahren, wenn Unterstützung von Freunden, Förderern kommt. Wir müssen wirklich für jeden Euro Klinken putzen", erläutert Krefelds Karnevalspräsident Peter Bossers.
Düsseldorf: Sicherheit ist ein Riesenposten
Selbst Hochburgen wie Düsseldorf bestätigen, dass es in jedem Jahr ein Kraftakt sei, die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben. Allein im vergangenen Jahr seien nur für Sicherheitsaspekte rund 300.000 Euro fällig gewesen, sagt Komitee-Geschäftsführer Uwe Willer.
Sicherheitsbehörden sehen sich als gut gerüstet
Bildquelle: WDR/Peter Hild45 Sek.. Verfügbar bis 09.02.2028.
"Wir brauchen wieder ein gesundes Empfinden dafür, dass das Leben gewisse Risiken mit sich bringt", so Willer mit Blick auf die seit Jahren steigenden Sicherheitsanforderungen. Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit. Eine Entlastung der Vereine durch das Land wäre sehr zu begrüßen.
Kölner Rosenmontagszug noch unterfinanziert
In Köln klagt das Festkomitee, dass der Rosemontagszug preislich förmlich explodiert. Allein die Kosten für das Komitee lägen bei 3,5 Millionen Euro - und auch damit sei der Zug noch unterfinanziert, hieß es. Ein großer Posten ist auch hier die Sicherheit: Alleine das Festkomitee beschäftigt 420 Sicherheitskräfte rund um den Rosenmontagszug.
Und auch die Gesellschaften müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Das Traditionskorps Prinzengarde beispielsweise hat für die 320 Teilnehmenden des Zuges dieses Jahr rund 100 Sicherheitskräfte verpflichtet. Ein Posten, der massiv auf den Geldbeutel drückt.
Bund Deutscher Karneval: Vereine sind überfordert
BDK-Vizepräsident Frank Prömpeler
Bildquelle: WDR/Peter Hild"Für viele Vereine ist es mittlerweile sehr schwierig, bei den Sicherheitsauflagen einen Zug auf die Beine zu stellen", stellt der Vizepräsident des Bundes Deutscher Karneval, Frank Prömpeler, fest. Terrorabwehr sei jedoch Aufgabe des Staates und nicht die der Kommunen oder der Veranstalter.
"Wer Ehrenamt möchte, der muss schauen, dass Ehrenamtler die Anforderungen auch noch stemmen können", betont Prömpeler. Es geht für Prömpeler auch nicht nur um Karnevalsevents, sondern auch um Schützenfeste oder Kirmessen: "Politik muss ihre Aufgabe wahrnehmen. Denn hier beim Karneval geht es um ein Volksfest, bei dem Hunderttausende an den Straßen stehen."
Reul lehnt Forderung nach mehr Geld ab
Innenminister Reul lehnt mehr Geld für Vereine ab
Bildquelle: dpa / Henning KaiserNRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) kann die "berechtigten Sorgen" der Vereine nachvollziehen. "Der Clou ist, dass Problem zu erkennen, aber nicht zu überreagieren und vor Ort angemessene Maßnahmen zu treffen", sagte Reul am Dienstag dem WDR.
Man solle jetzt bei der Sicherheit nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, betonte Reul, deshalb habe man auch keine fixen Vorschriften vorgegeben. Forderungen nach mehr Geld erteilte der Innenminister eine Absage: "Wie soll das funktionieren, wenn das Land jede Brauchtumsveranstaltung mit finanzieren soll?! Wir unterstützen ja, aber der Staat ist nicht für alles verantwortlich."
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Andreas Wohland, Städte- und Gemeindebund NRW
- WDR-Interview mit Peter Bossers, Comitee Crefelder Carneval
- WDR-Interview mit Uwe Willer, Comitee Düsseldorfer Carneval
- WDR-Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 02.02.2026, 06.20 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 02.02.2026, 12.45 Uhr
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Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 03.02.2026, 19.30 Uhr
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