Mikroplastik im Rhein
Bildquelle: WDRAktuelle Stunde . 13.08.2025. 19 Min. 35 Sek.. UT. Verfügbar bis 13.08.2027. WDR. Von Martina Koch.
Die "Max Prüss" schwankt ein wenig in den Wellen des Rheins, als sich NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) die schmalen Treppenstufen des Forschungsschiffs hinab unter Deck begibt. Wenig später ist er tief über einen Labortisch gebeugt. In flachen Glasschalen liegen dort runde Filterpads, darauf mehr oder weniger grobe Partikel: Mikroplastik aus dem Wasser des Rheins.
Umweltminister Oliver Krischer: Forschung noch am Anfang
Bildquelle: WDR/Magoley"Da sind ja richtig bunte Teile dabei!", staunt der Minister. Manche sind so groß wie eine Linse, andere könne man mit bloßem Auge kaum erkennen, erklärt Juliane Schrader, Fachbereichsleiterin am Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK). Das Forschungsschiff des Landes ist heute auf dem Rhein unterwegs, um Wasserproben auf Mikroplastik zu untersuchen.
Mikroplastik: Chemieindustrie zunehmend im Visier
Ein Thema, dessen Erforschung noch am Anfang stehe, sagt Krischer. Schon länger ist bekannt, dass verrottender Plastikmüll in Böden und Gewässer gelangt - und von da aus in den menschlichen Körper. Aber auch die Chemieindustrie gerät zunehmend als Verursacher ins Visier der Wissenschaftler.
Für eine Studie hatte das LANUK über längere Zeit Wasserproben an mehreren Abwasserströmen von Chemiestandorten am Rhein genommen. Das Ergebnis stellte Minister Krischer am Mittwoch vor. Demnach wurde an vielen Stellen industriell hergestelltes Mikroplastik in Form sogenannter Beads gefunden - an einer Stelle sogar in extremer Konzentration.
Deutlich erkennbare Plastikkügelchen
Bildquelle: WDR/MagoleyDie Spanne erstreckte sich von 0,95 Beads bis zu 2.571 Beads pro Kubikmeter Rheinwasser. Beads sind Kunststoffkügelchen, die zum Beispiel vielen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten beigemischt werden. Im Durchschnitt fanden die Forscher zwischen 0,95 und 18,9 Beads pro Kubikmeter.
Weitere Untersuchungen nötig
Die hohen Werte seien möglicherweise nur eine "Momentaufnahme", erklärte Krischer. Mit weiteren regelmäßigen Untersuchungen solle ein genaueres Bild davon entstehen, wie viel Mikroplastik tatsächlich im Rhein schwimmt, woher es kommt und was die Verursacher dagegen tun müssen.
Manta-Trawl im Wasser
Bildquelle: WDR/MagoleyAuf der "Max Prüss" ist mittlerweile der sogenannte "Manta Trawl" startklar: Ein Sammelbehälter mit Flügeln, der vom Schiff aus mit einem Kran ins Wasser gelassen wird. Zehn Minuten lang lassen die Forscher das Rheinwasser durch das Auffangsieb strömen, dann wird das Gerät wieder an Bord gehievt.
In einem Behälter tragen die LANUK-Mitarbeiter das aufgefangenen Wasser ins Schiffslabor unter Deck. Es ist leicht trüb, und tatsächlich schwimmen sichtbare Partikelchen darin. Ob auch Mikroplastik dabei ist, wird sich später zeigen, wenn die Probe von Sand, Blättern oder Käferflügeln gereinigt sei, erklärt Mitarbeiterin Juliane Schrader.
Probe enthält Partikelchen
Leicht trüb: Rheinwasser
Bildquelle: WDR/MagoleyDabei wird unterschieden zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Letzteres entsteht durch den Zerfall größerer Kunststoffteile, etwa aufgrund von UV-Strahlung, Abrieb oder Witterungseinflüssen. Auch synthetische Fasern aus Kleidungsstücken und technischen Textilien zählen dazu.
Als größte Quelle für sogenannte sekundäre Mikroplastik gilt bislang der Reifenabrieb von Fahrzeugen auf den Straßen. Aber auch Lacke, Kleidung, weggeworfene Plastikverpackungen bis hin zu Plastikstühlen zerfallen in winzige Teilchen, die dann schließlich im menschlichen Körper landen können.
Als sogenannte primäre Mikroplastik bezeichnen Forscher dagegen industriell hergestellte Partikel wie Rohpellets und eben Beads.
Mikroplastik in allen Proben
An welchen Industriestandorten Abwässer mit Mikroplastik in den Rhein gelangen, wurde in der Studie chiffriert dargestellt. Oft seien an den großen Chemiestandorten mehrere Firmen vertreten, sagte Umweltminister Krischer auf dem Schiff. Dennoch gelte es, die konkreten Verursacher ausfindig zu machen. Die möglicherweise betroffenen Unternehmen seien aber "höchstinteressiert" an den Ergebnissen und zeigten sich auch kooperativ dabei, die Ursachen zu bekämpfen.
Auswirkungen noch nicht ganz erforscht
Welche Auswirkungen Mikroplastik genau auf Mensch, Tier und Umwelt hat, ist noch nicht ausreichend erforscht. Deshalb gebe es auch noch keinen Grenzwert, so Krischer - und entsprechend auch keine Auflagen für solche Unternehmen, die belastetes Abwasser in den Rhein lassen. Da Plastikmüll aber zu den sogenannten Ewigkeitsmaterialien gehöre, sei man sich EU-weit einig, dass Mikroplastik zu vermeiden ist: "Keiner von uns will dieses Zeug im Körper haben."
Extrem kleine Kunststoffpartikel
Proben wurden im Rhein an 30 Stellen zwischen Bonn und der niederländischen Grenze Duisburg genommen. Überall wurden Mikroplastik-Beads gefunden- tendenziell mit der Flussrichtung steigend.
Mikroplastik auch bei anderen Untersuchungen im Rhein nachgewiesen
In den vergangenen Jahren waren bei Untersuchungen durch die Universität Basel und die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Rhein wiederholt erhöhte Konzentrationen der sogenannten Beads festgestellt worden. Das Umweltministerium und das Landesamt hatten daraufhin mehrere industrielle Einleiter als mögliche Eintragsquellen untersucht. Die jetzt vorgestellten Untersuchungen seien als Pilotstudie für eine erste Einschätzung zu verstehen, sagte Krischer.
Mit dem Forschungsschiff Max Prüss, so der Minister stolz, sei NRW führend bei dieser Gewässerforschung. Ziel sei es, Standards für die EU zu setzen im Umgang mit Mikroplastik.
Unsere Quellen:
- Umweltministerium NRW
- Studie "Primäres Mikroplastik im Abwasser industrieller Einleiter"
- LANUK
- Reportage auf dem Forschungsschiff Max Prüss
Über dieses Thema berichten wir am 13. August 2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde ab 18.45 Uhr.
22 Kommentare
Kommentar 22: Jörg Weireter schreibt am 15.08.2025, 15:35 Uhr :
Wir müßen mit der Welt viel rücksichtsvoller umgehen, darauf zu warten, bis die Großen sich auf einen gemeinsamen Text und Maßnahmen einigen sind vergebliche Liebesbemühungen, deshalb darauf achten das jeder einzelne von uns einfach weniger Müll produziert. Das währe schon ein Schritt in die Richtige Richtung
Kommentar 21: Angelika M Filip schreibt am 15.08.2025, 14:19 Uhr :
Bis wir soweit sind, dass tatsächlich etwas zur Beseitigung oder Nichtentstehung von Plastik Müll in Angriff genommen wird, wird sich vermutlich ein Großteil der Menschen damit selbst vergiften und langsam aber sicher selbst ausrotten.
Kommentar 20: Hedda schreibt am 15.08.2025, 14:11 Uhr :
Saubere Kreisläufe. Eigentlich keine Frage von Vernunft.
Kommentar 19: Brigitta S. schreibt am 15.08.2025, 12:02 Uhr :
Egal ob für Gewässer oder für alle Bereiche. "Genf hat nicht das Abkommen gebracht, das wir brauchen, um Plastikverschmutzung weltweit einzudämmen". Zitat Presse. Es kann sich nicht geeignet werden bei der Masse an Produktion von Plastik? Auf was kann der Markt noch verzichten bei der Herstellung, wenn fast überall Plastik drin ist? Manche Länder wollen weitgehend sich auf ein besseres Abfallmanagement sich beschränken? Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden. Sorry, anscheinend haben die Verantwortlichen die über das Plastik am Markt entscheiden können, keine Lösung finden und weiter den ansteigenden Plastik- Abfallberg bewältigen wollen, schon viel abbekommen vom Plastik -Partikeln im Gehirn. Sorry, ich vermute nur, keine Faktenunterstellung. Man spürt die Hilflosigkeit mancher Länder, weil die Plastik- Produktionsmenge weiter steigen wird, weil Länder zu lässig mit Plastik umgehen. Wo ist der Schutz für die Umwelt, die Menschen und Tiere aller Art.
Kommentar 18: Micky Maus schreibt am 15.08.2025, 06:44 Uhr :
Alles wieder in Glasbehälter war früher auch und Sand gibt es genug.
Kommentar 17: Sascha schreibt am 14.08.2025, 21:57 Uhr :
Die Mühlen des Staates mahlen mal wieder auf Hochtouren im Jahr 2025 von einer Eu Weit führenden Gewässerforschung zu sprechen ist der eigentliche Hohn des ganzen Artikels.
Kommentar 16: Renate E. schreibt am 14.08.2025, 21:35 Uhr :
Die Frauen, die sich ständig Nägel "machen" lassen, tragen auch dazu bei, dass Plastik ins Wasser geschreddert wird. Oder was denken die, wo das sonst hin kommt?
Kommentar 15: Franziska 1 schreibt am 14.08.2025, 20:22 Uhr :
Mikroplastik, Auswirkungen noch nicht ganz erforscht? Okay, dann sind und bleiben die Menschen die unfreiwilligen Probanden für die Forschung. Ausgang ungewiss!
Kommentar 14: Juan schreibt am 14.08.2025, 18:01 Uhr :
Und wieso wird hier nicht ermittelt wegen Umweltverschmutzung. Jeder macht was er will in De ,die Doppelmoral in diesen Land kennt keine Grenzen....zum ...
Kommentar 13: Rainer Kirmse schreibt am 14.08.2025, 11:51 Uhr :
PLASTIK ÜBERALL Dieser Stoff verrottet kaum, für die Natur ein Alptraum. Plastikflut und Wegwerftrend, man konsumiert permanent. Plastik im Meer und an Land, in Flüssen, am Badestrand. Mit Mikroplastik verseucht, was da kreucht und fleucht. Der Mensch ist kontaminiert, höchste Zeit, dass er reagiert. Für das Leben auf Erden, endlich nachhaltig werden! Der Mensch, dieses kluge Wesen, kann im Gesicht der Erde lesen. Er sieht die drohende Gefahr, diese Müllberge Jahr für Jahr. Homo sapiens muss aufwachen, seine Hausaufgaben machen. Die Jagd nach ewigem Wachstum bringt letztlich den Planeten um. Das oberste Gebot der Zeit muss heißen Nachhaltigkeit. Statt nur nach Profit zu streben, im Einklang mit der Natur leben. Wir alle stehen in der Pflicht, maßvoll leben ist kein Verzicht. Bei allem etwas Enthaltsamkeit, nehmen wir uns die Freiheit.😉 Für Gesundheit und Wohlergeh'n, dem Plastikwahnsinn widersteh'n. Rainer Kirmse , Altenburg Herzliche Grüße aus Thüringen
Antwort von Renate E. , geschrieben am 14.08.2025, 21:32 Uhr :
Trotz des ernsten Themas: gut in Reime gekleidet, alle Achtung!
Kommentar 12: Brigitta S. schreibt am 14.08.2025, 11:17 Uhr :
Warum steht die Forschung, die Analysen bei Mikroplastik erst am Anfang? Wie lange werden schon Mikroplastik -Artikeln produziert? Mikroplastik findet sich praktisch überall, im Boden, in Gewässern, bei Abwässern, in der Luft und direkt nah am Körper bei der Kleidung und immer noch bei der Kosmetik. Nun werden die Gewässer untersucht? Die Gefahr liegt doch nicht alleine beim fließenden Wasser, die Gefahr kommt zuerst mit jedem Einkauf ins Haus. Sehr spät ist man dran, wenn Testsysteme erst dafür entwickelt werden müssen, welches Partikel schädlich auf den Organismus wirke, weil es sehr unterschiedliche Kunststoffpartikel gibt. Die Industrie, die Labore müssten doch wissen, mit was für schädliche Stoffe sie arbeiten. Forscher sagen: „Plastik ist schwer abbaubar? Das bedeutet, dass Plastik liegt Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte auf unserer Erde. Dann produziert nicht so viel mit Plastik. Bei der Ernährung schwört ihr doch auf Bio, was nicht immer Bio sein kann, wegen der Umwelt.