Jahrelange Haft nach tödlichem Unfall in Hürth
WDR. 05:46 Min.. Verfügbar bis 10.07.2028.
Das Kölner Landgericht hat den 21 Jahre alten Fahrer, der im Juni 2025 in Hürth mit seinem Auto in eine Gruppe von Schulkindern gefahren war, zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. Ein zehn Jahre altes Mädchen und ein 25 Jahre alter Schulbegleiter kamen bei dem Unfall ums Leben. Außerdem muss der Unfallfahrer den Hinterbliebenen mehr als 190.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
Der Vorsitzende Richter sprach am Ende der Urteilsbegründung von dem "emotionalsten Prozess" seiner Laufbahn. Immer wieder habe den Mitgliedern der Kammer während der Verhandlung "der Atem gestockt". Auch ihnen sei es schwergefallen, angesichts der Schilderungen die richtigen Worte zu finden.
Richter zollt Eltern der Verstorbenen großen Respekt
Emotional war der Prozess vor allem, weil die Mutter der zehn Jahre alten Avin und die Eltern des Schulbegleiters Luis Paulo in dem Prozess als Nebenkläger aufgetreten sind. Mehrfach erlebten sie die Schilderung, wie ihre Kinder verletzt wurden. Der Vater von Avin hat den Prozess nicht begleitet - er habe es emotional nicht geschafft, sagt seine Anwältin.
"Die Familie ist völlig kaputt, der Prozess war eine zusätzliche Belastung." Monika Troll, Anwältin der Nebenkläger
Auch die Eltern des bei dem Unfall ums Leben gekommenen Luis Paulo äußerten sich nach der Urteilsverkündung nicht. Sie ließen Doris Müller, eine Freundin der Familie, schon vor dem Urteil eine Erklärung verlesen. Es sind die Worte der Mutter von Luis Paulo - die an einem Prozesstag direkt den Angeklagten ansprach.
"Das Schlimmste für eine Mutter ist, ein Kind zu verlieren - aber ich kann mir vorstellen, dass es auch sehr schmerzlich ist für eine Mutter, ein Kind als Angeklagten bei einem solchen Strafprozess zu haben." Mutter des verstorbenen Luis Paulo
Diese Aussage passt zu der Zusammenfassung des Vorsitzenden Richters, der in seiner Urteilsbegründung sagte, dass er während des Prozesses von den Angehörigen keine Verbitterung wahrgenommen habe. Das ringe ihm großen Respekt ab.
Zeugen sagen unter Tränen über Unfall in Hürth aus
Viele andere Zeugen berichteten unter Tränen, wie sich auch ihr Leben verändert habe. Eine Mutter, deren Tochter den herannahenden Wagen bemerkte und sich gerade noch in Sicherheit bringen konnte, schilderte die starke Wesensveränderung ihres Kindes. Die Tochter habe alles mit angesehen, mache sich Vorwürfe, dass sie Avin, ihre beste Freundin, nicht retten konnte.
Am vorletzten Verhandlungstag ließen die Richter Notrufe dieses Unfalls abspielen. Auch ein Moment, der die Dramatik deutlich machte. Eine Frau konnte aufgrund eines Schocks nicht zusammenhängend sprechen und schrie nur, dass schnell Krankenwagen kommen sollen - Menschen seien durch die Luft geschleudert worden.
Ein Anrufer sagte der Leitstelle, dass ein Autofahrer über Rot und dann in eine Menschenmenge gefahren sei. Auch der Unfallfahrer selbst hatte die Rettungskräfte alarmiert. "Oh mein Gott, wir brauchen Krankenwagen, sofort, alles...", so seine Worte.
Unfallfahrer bleibt bei seiner Version
Am vorletzten Prozesstag konnte außerdem die Kammer den Angeklagten erneut befragen. Im Mittelpunkt stand dabei der Moment des Unfalls. Der Gutachter sagte, dass die Ampel bereits vier Sekunden Rot zeigte, als er über die Haltelinie fuhr.
Der Fahrer blieb aber bei der Beschreibung, dass er auf die gelbe Ampel zugefahren sei, nach links geschaut und es dann die Kollision gegeben habe. Auch auf die deutliche Aufforderung des Vorsitzenden Richters, vor den im Saal sitzenden Angehörigen seine Erinnerung zu überdenken, blieb der 21-Jährige bei der Version.
Das Gericht schenkte dieser Darstellung keinen Glauben. Nach Überzeugung der Kammer fuhr der Angeklagte bewusst über eine Ampel, die bereits seit vier Sekunden Rot zeigte. Der Vorsitzende Richter sprach von einem "krassen Verkehrsvergehen" und von jugendlichem Übermut. Deshalb wurde der Unfallfahrer nach Jugendstrafrecht verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Dem kamen die Kölner Richter damit nach.
Unsere Quelle:
- Landgericht Köln
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort im Gericht
Sendung: WDR.de, Landgericht Köln: Haftstrafe nach Unfall in Hürth, 10.07.2026, 12:36 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 10.07.2026, 19:30 Uhr