Diesen Mercedes GKW von 1988 wollen die Malteser Euskirchen fit machen für den Einsatz
Bildquelle: Josef Kaiser/WDRAssistenzsysteme, Sensoren - während moderne Autos und Lastwagen immer mehr zu rollenden Computern werden, haben alte Autos wie der Mercedes GKW, Baujahr 1988, nichts davon. Alles ist mechanisch und im Zweifel einfacher zu reparieren. Genau deshalb sind solche Fahrzeuge heute so begehrt.
Bei Weltenbummlern, Auswanderern, aber auch bei Hilfsorganisationen, denen es nicht um Komfort, sondern um Durchhaltevermögen geht. "Diese Chance ist einmalig für uns", war Anselm Kalff von den Maltesern Euskirchen schnell klar, als er davon hörte, dass der Bund die letzten Fahrzeuge dieser Reihe ausmustert. "Wir alle wussten: Jetzt oder nie."
Alle im Team schrauben und basteln ehrenamtlich
Die Truppe hat bereits anstrengende Wochen hinter und auch noch vor sich. Sie haben den Laster selbst wieder fit gemacht. Nur das Lackieren hat ein Profi-Betrieb in Duisburg übernommen. Aus dem früheren THW-Blau wurde Malteser-Weiß. "Ich habe größten Respekt. So viel Engagement und das alles ehrenamtlich, da ziehe ich meinen Hut", sagt Firmenchef Mehmet Yeniah, während die Malteser damit beginnen, alle lackierten Teile nach und nach wieder anzuschrauben.
Alle lackierten Teile mußten in Duisburg wieder angebaut werden
Bildquelle: Josef Kaiser/WDR"Es ist viel mehr Arbeit als gedacht"
Und das ist oft knifflig. Mal passen die alten Schrauben nicht, mal lassen sich Teile nicht richtig verbinden. Außerdem gibt es Stellen am Auto, an die man nur schwer herankommt. Da zitiert Anselm Kalff dann gerne seine Oma: "Wo man nichts sieht, ist Fühlen keine Schande."
"Dass das viel Arbeit wird, sei allen klar gewesen", sagt Lukas Unterschettler. Das bestätigt auch Nicole, die Ehefrau des Chefschraubers, die wie so oft mit zum Team gehört: "Ich kenn‘ das schon. Bei allem, was wir uns vornehmen, ist es am Ende mehr Arbeit als gedacht."
Ein Auto, das im Einsatzfall am Armaturenbrett bunt blinkt, bringt dich nicht ans Ziel. Anselm Kalff, Malteser-Ortsgruppe Euskirchen
Alte Fahrzeuge sind stark gefragt
Aber es lohnt sich, sagen sie hier alle. Denn das Projekt hat einen ernsten Hintergrund. "Bei der Flut 2021 haben wir gemerkt, dass die Elektronik in vielen Autos zum echten Problem werden kann", erzählt Anselm Kalff. Es habe viele Ausfälle gegeben. Und so sei die Idee entstanden, ganz bewusst ein altes Auto in die Einsatzflotte zu integrieren.
Da sei ganz viel Mechanik drin, die sich im Einsatz viel leichter reparieren lasse. So erklärt sich auch der Erfolg des LKW. "Viele denken, das sei ein Modell aus den 60er Jahren. Aber Mercedes hat das bis in die 90er Jahre hinein gebaut, weil der Bedarf beim THW und bei den Feuerwehren so groß war." Und noch heute gebe es einen großen Markt für solche Fahrzeuge. "So, wie das Auto hier heute steht, hat es einen Wert von 25.000 bis 30.000 Euro."
Statt Elektronik gibt es in dem Auto viele Schalter
Bildquelle: Josef Kaiser/WDR"Wenn mal was nicht klappt, darf man keinen Frust schieben"
Einsatzbereit ist der Oldtimer aber noch nicht. Nach der Rückkehr aus Duisburg steht er aktuell auf dem Hof von Anselm Kalff in Meckenheim. Hier kommen zu den schon geleisteten 650 Arbeitsstunden wohl noch mal 300 dazu. "Das ist schon ein sehr aufwändiges Projekt."
Zuhause wird weiter geschraubt - am Ende werden es wohl über 900 Arbeitsstunden
Bildquelle: Josef Kaiser/WDRDennoch hätten sie es nie bereut. "Es war klar, dass nicht alles glatt laufen wird. Das darf einen aber nicht frustrieren oder demotivieren." Viel besser sei es in solchen Momenten, sich nach Feierabend mit einem Bierchen hinzusetzen und sich zu freuen, "was man da ehrenamtlich Großes geleistet hat."
Unsere Quellen:
- Malteser Euskirchen
- RheinLack GmbH Duisburg
- THW Geldern
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: wdr.de, Malteser setzen bei nächster Flut auf Oldtimer, 12.08.2026, 4.58 Uhr
