Einsamkeit unter Jugendlichen: "Streetbox" hilft in Windeck

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WDR 03:12 Min. Verfügbar bis 16.07.2028

Jung in Windeck

"Bei mir im Dorf gibt's nichts, wirklich gar nichts"

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In den Windecker Dörfern gibt es für Jugendliche kaum Orte, um sich mit Gleichaltrigen zu treffen. Außer es kommt die "Streetbox“.

Von
Lisa Kowalski

Wenn Maxi, Zoé, Alex und Jelle zusammen chillen wollen, müssen sie lange Bus fahren oder sich von ihren Eltern fahren lassen. Und dann wäre die nächste Frage: wo überhaupt? "Bei mir im Dorf gibt's nichts, wirklich gar nichts," erzählt Alex Bär. Denn in ihren Windecker Dörfern können sie nur an Haltestellen abhängen. Wäre da nicht die "Streetbox". Ein voll ausgestatteter Kleinbus, mit dem die Sozialarbeiterin Isabel Zervos und ihr Team raus zu den Jugendlichen fahren.

"Streetbox" leistet mobile Jugendarbeit in Windeck

Zwar gibt es auch zwei Jugendzentren in Windeck, aber die Gemeinde besteht aus 66 Ortschaften, die teilweise sehr abgelegen sind. Damit die Jugendlichen trotzdem einen Treffpunkt für sich haben, setzt die Katholische Jugendagentur Bonn auf die mobile Jugendarbeit.

Das Aussehen der "Streetbox" haben die Jugendlichen in einem Workshop erarbeitet | Bildquelle: WDR / Lisa Kowalski

Nach zwei Jahren konnten sie jetzt endlich die alte "Streetbox" mit schwächelnder Batterie durch ein neues Modell ersetzen. Durch Unterstützung des Jugendamts, der Kirche und einer EU-Förderung hat der neue Bus eine Solaranlage, Standheizung und einen versenkbaren Bildschirm fürs Zocken.

Jugendtreff sorgt für Zusammenhalt und Austausch

Das Außendesign haben die Jugendlichen selbst gestaltet. Es zeigt, was sie an dem Angebot so schätzen. Zu sehen sind ein Basketball, Essen, eine Musibox und ein Controller, aber auch Hände, die zusammenhalten und eine Sprechblase für Gespräche.

Zoé Schröter lebt in Windeck | Bildquelle: WDR
Ich kann hier mit manchen über Themen sprechen, über die ich mit meinen Eltern nicht reden kann, weil ich es mich bei denen nicht traue. Zoé Schröter

Junge Menschen leiden unter Perspektivlosigkeit

Auch die Sozialarbeiterin Isabel Zervos sieht den großen Bedarf der Jugendlichen im ländlichen Raum. Deswegen ist es ihr so wichtig, dass sie ein niedrigschwelliges Angebot nutzen können, wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Was "ihre" Jugendlichen aktuell am meisten beschäftigt, ist die Zukunft nach dem Schulabschluss.

Sozialarbeiterin Isabel Zervos im Gespräch mit einer Jugendlichen | Bildquelle: WDR/Lisa Kowalski
Man merkt auch oft so eine Perspektivlosigkeit. Viele Jugendliche suchen in Windeck verzweifelt einen Ausbildungsplatz und haben Bewerbungen geschrieben, finden aber keinen Ausbildungsplatz obwohl alle Azubis suchen. Da merkt man schon, dass die nicht wissen, wohin mit sich. Isabel Zervos, Leitung "Streetbox"

Lobbyarbeit für Jugendliche auf dem Land

Die Leiterin der "Streetbox" fährt drei Mal die Woche in verschiedene Windecker Dörfer. Die Jugendlichen sollen sich vor allem willkommen fühlen. Denn das fehle auf dem Land häufig.

Treffen an der "Streetbox" | Bildquelle: WDR
Sie sind laut, stören oder sind einfach nicht willkommen. Und da versuchen wir, einzuhaken und zu sagen, hey, wir ergreifen Partei für die Jugendlichen. Wir sind da, um denen den Raum und den Platz zu geben, auch im ländlichen Bereich. Isabel Zervos

Unsere Quellen:

  • Gespräche und Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 01.07.2026, 19:30 Uhr