Wenn Maxi, Zoé, Alex und Jelle zusammen chillen wollen, müssen sie lange Bus fahren oder sich von ihren Eltern fahren lassen. Und dann wäre die nächste Frage: wo überhaupt? "Bei mir im Dorf gibt's nichts, wirklich gar nichts," erzählt Alex Bär. Denn in ihren Windecker Dörfern können sie nur an Haltestellen abhängen. Wäre da nicht die "Streetbox". Ein voll ausgestatteter Kleinbus, mit dem die Sozialarbeiterin Isabel Zervos und ihr Team raus zu den Jugendlichen fahren.
"Streetbox" leistet mobile Jugendarbeit in Windeck
Zwar gibt es auch zwei Jugendzentren in Windeck, aber die Gemeinde besteht aus 66 Ortschaften, die teilweise sehr abgelegen sind. Damit die Jugendlichen trotzdem einen Treffpunkt für sich haben, setzt die Katholische Jugendagentur Bonn auf die mobile Jugendarbeit.
Nach zwei Jahren konnten sie jetzt endlich die alte "Streetbox" mit schwächelnder Batterie durch ein neues Modell ersetzen. Durch Unterstützung des Jugendamts, der Kirche und einer EU-Förderung hat der neue Bus eine Solaranlage, Standheizung und einen versenkbaren Bildschirm fürs Zocken.
Jugendtreff sorgt für Zusammenhalt und Austausch
Das Außendesign haben die Jugendlichen selbst gestaltet. Es zeigt, was sie an dem Angebot so schätzen. Zu sehen sind ein Basketball, Essen, eine Musibox und ein Controller, aber auch Hände, die zusammenhalten und eine Sprechblase für Gespräche.
Ich kann hier mit manchen über Themen sprechen, über die ich mit meinen Eltern nicht reden kann, weil ich es mich bei denen nicht traue. Zoé Schröter
Junge Menschen leiden unter Perspektivlosigkeit
Auch die Sozialarbeiterin Isabel Zervos sieht den großen Bedarf der Jugendlichen im ländlichen Raum. Deswegen ist es ihr so wichtig, dass sie ein niedrigschwelliges Angebot nutzen können, wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Was "ihre" Jugendlichen aktuell am meisten beschäftigt, ist die Zukunft nach dem Schulabschluss.
Man merkt auch oft so eine Perspektivlosigkeit. Viele Jugendliche suchen in Windeck verzweifelt einen Ausbildungsplatz und haben Bewerbungen geschrieben, finden aber keinen Ausbildungsplatz obwohl alle Azubis suchen. Da merkt man schon, dass die nicht wissen, wohin mit sich. Isabel Zervos, Leitung "Streetbox"
Lobbyarbeit für Jugendliche auf dem Land
Die Leiterin der "Streetbox" fährt drei Mal die Woche in verschiedene Windecker Dörfer. Die Jugendlichen sollen sich vor allem willkommen fühlen. Denn das fehle auf dem Land häufig.
Sie sind laut, stören oder sind einfach nicht willkommen. Und da versuchen wir, einzuhaken und zu sagen, hey, wir ergreifen Partei für die Jugendlichen. Wir sind da, um denen den Raum und den Platz zu geben, auch im ländlichen Bereich. Isabel Zervos
Unsere Quellen:
- Gespräche und Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 01.07.2026, 19:30 Uhr