Maschinenbauer in Bochum stellt mehr Azubis ein
Bildquelle: WDR/Kai-Hendrik HaßWDR. 03:13 Min.. Verfügbar bis 07.08.2028.
Ob Christian Vogelsang ein Trendsetter ist, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall schwimmt der Maschinenbauunternehmer aus Bochum-Wattenscheid gerade gegen den Trend. Statt acht hat er im neuen Ausbildungsjahr zehn Azubis eingestellt.
"Das liegt daran, dass wir unsere Alterspyramide relativ gut im Blick haben und wissen, wer in den nächsten Jahren in den Ruhestand geht. Und um die Fachkräfte von morgen auszubilden, müssen wir heute schon anfangen, damit wir die Leute, die in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen, auch qualifiziert ersetzen können."
Firmenchef Christian Vogelsang stellt 2026 mehr Azubis ein.
Bildquelle: WDR/Kai-Hendrik Haß"Ausbildung ist wichtig"
Anders als hier bei Vogelsang sind viele Firmen auch im Ruhrgebiet momentan zurückhaltend, wenn es um Ausbildung geht. Die schleppende Konjunktur hinterlässt ihre Spuren. Dabei ist das Interesse durchaus da.
Burhan Kuyucu lernt Elektroniker. Nach dem Fachabitur wusste der 22-Jährige erstmal nicht, was er werden sollte. Ein Praktikum sorgte für Klarheit. Und auch seine Freunde wollen gerne schnell in einen Job, sagt er: "Ausbildung ist halt ziemlich gefragt. Auch bei mir im Freundeskreis. Man will sich weiterbilden. Ausbildung ist wichtig."
Bei Vogelsang in Bochum-Wattenscheid werden etwa Generatoren und Turbinen gewartet und repariert.
Bildquelle: WDR/Kai-Hendrik HaßUnd wer kann heute sonst noch mit Anfang 20 seinen Freunden davon erzählen, wie man einen Generator wieder ordentlich in Schuss bringt oder eine Pumpe repariert? Im Freundeskreis von Jakob Schmittel sind die Tendenzen noch geteilt.
Aber der angehende Elektroniker für Maschinenbau und Antriebstechnik sieht einen Trend: "Ich habe das Gefühl, auch was ich in sozialen Netzwerken sehe, dass Ausbildung immer mehr zurückkommt."
Angebot der Firmen sinkt
Momentan sind es also die Firmen, die Wasser in den Wein der Ausbildung gießen. Die IHK Mittleres Ruhrgebiet vertritt über 37.000 Firmen aus Bochum, Herne, Witten und Hattingen. "Wir stellen gerade fest, dass sich die Situation aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage verändert", sagt Andrea Koch, Teamleiterin Bildungspolitik bei der IHK Mittleres Ruhrgebiet.
"Aus dem Bewerbermarkt wird wieder ein Arbeitgebermarkt. Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt, während das Interesse der Bewerber gleichzeitig zunimmt." Laut IHK ging die Zahl der abgeschlossenen Verträge um fast elf Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.
KI braucht Experten
Trotzdem bleiben die Azubis von heute die Fachkräfte von morgen. Auf gut ausgebildeten Nachwuchs setzt auch die Werbeagentur wegner&partner aus Bochum - zuhause in einer Branche, in der Künstliche Intelligenz schon viel verändert hat. Chefin Vanessa Baumann hat gerade eine neue Auszubildende im Bereich Marketing eingestellt.
Azubi Susanna Kadirova (l.) und Vanessa Baumann, Chefin der Marketingagentur "wegner&partner"
Bildquelle: WDR/Kai-Hendrik HaßSie glaubt nicht, dass sie in absehbarer Zeit auf menschliche Expertise verzichten kann: "Letztendlich braucht KI auch Menschen, die KI mit Wissen füttern. Wir nutzen KI als Erweiterung und Ergänzung. Das ersetzt aber lange nicht die Menschen, die dahinter sind."
Vogelsang will für den Aufschwung gerüstet sein
Der Chef von Vogelsang in Wattenscheid hält es für kurzsichtig, auf Azubis zu verzichten. Dafür ist in seiner Branche eine gute Basis einfach unbedingt nötig, meint Christian Vogelsang: "Auch wenn die Konjunktur momentan nicht so läuft, wie man sich das wünscht: Konjunkturen verlaufen in Zyklen, es wird auch wieder aufwärts gehen, und dann muss man vorbereitet und mit entsprechenden Kapazitäten am Markt sein."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Pressemitteilungen der IHKs
- Interviews mit Unternehmern und Azubis
Sendung: WDR.de, Maschinenbauer in Bochum stellt mehr Azubis ein, 08.08.2026, 8:01 Uhr
