Rezeptfreie Medikamente online bei DM | WDR aktuell
Bildquelle: WDR/Sven Lüüs01:51 Min.. Verfügbar bis 16.12.2027.
Fast 500 Euro lässt ein älterer Mann am Montagvormittag in einer Apotheke im Dortmunder Stadtteil Kirchhörde. Er löst einige Rezepte ein, kauft Vitamin-D-Tabletten, Magnesium und rezeptfreien Blutverdünner.
Den soll er aber nicht gleichzeitig mit dem Schmerzmittel einnehmen, sagt Apothekerin Carina Kruhs. Wenn er nicht ein paar Stunden Pause zwischen dem Blutverdünner und dem Schmerzmittel mache, könnten die Medikamente sich gegenseitig blockieren. Das könne bis hin zum Herzinfarkt führen.
Solche Beratung könnte es bald noch weniger geben, befürchten Apotheker. Denn heute startet die Drogeriekette Dm ihren neuen Online-Shop, über den sie rezeptfreie Medikamente verkauft. Dm selbst nennt den neuen Shop "Versand-Apotheke".
23 Prozent weniger Apotheken in 15 Jahren
"Mit Apotheke hat das nichts zu tun", sagt Felix Tenbieg, Chef der Apotheke, in der Carina Kruhs arbeitet. Die persönliche Beratung, zum Beispiel von Carina Kruhs, fehle im Online-Handel.
Apothekensprecher Felix Tenbieg befürchtet, dass das Apothekensterben beschleunigt wird.
Bildquelle: WDR/Sven LüüsManche Produkte seien bei Dm bestimmt nur halb so teuer wie in der Apotheke. Aber ein Preiskampf mit Billig-Angeboten bei Arzneimitteln könne dafür sorgen, dass Kunden mehr kaufen würden, als sie bräuchten.
Tenbieg ist auch Sprecher der Dortmunder Apotheken. Die hätten es sowieso schon schwer, sagt er. Das, was eine Apotheke an einem einzelnen Medikament verdient, werde schon seit etwa 20 Jahren weniger.
In Westfalen-Lippe ist die Zahl der Apotheken von 2009 bis 2024 um 23 Prozent gesunken, hat der regionale Apothekerverband im vergangenen Jahr mitgeteilt.
"Wenn das so weitergeht, gibt es bald Stadtteile in Dortmund ganz ohne Apotheke." Felix Tenbieg, Sprecher der Dortmunder Apotheken
Weil es sich kaum mehr lohne, eine Apotheke zu betreiben, würden immer mehr Apotheker, die in Rente gehen, keinen Nachfolger finden.
Der Vorstoß von Dm könne hierbei ein weiterer Faktor sein, der Menschen davor abschrecke, Apotheker zu werden. Etwa sechs Prozent ihres Umsatzes machen Apotheken mit rezeptfreien Medikamenten, schreibt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Die meisten von Tenbiegs Kunden am Montagvormittag sind im Rentenalter. Sie sind sich einig: Sie werden den Online-Shop von Dm nicht nutzen und weiter zur Apotheke gehen.
Dm antwortet am Montag vor dem Start des neuen Shops noch nicht auf Fragen von Journalisten. Was aber bekannt ist: Das Unternehmen stößt in einen schnell wachsenden Markt vor.
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rezeptfreie Medikamente für fast zwölf Milliarden Euro verkauft - etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr, schreibt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie.
"Wenn ich in der Apotheke 3,20 Euro für ein Schmerzmittel zahle und hier dann 1,95 Euro, dann regelt der Markt, wo man einkauft." DM-Kundin
Vor einer Dm-Filiale in Dortmund-Hombruch freuen sich die Kunden über die Pläne der Drogeriekette. Jolina Weiß und ihr Verlobter Justin Hölter wünschen sich sogar, dass Dm rezeptfreie Medikamente bald im Laden und nicht nur im Online-Shop verkaufen darf.
Jolina Weiß und Justin Hölter würden auch Medikamente bei DM kaufen.
Bildquelle: WDR/Sven LüüsBei Dm seien sie sowieso öfter, dort könne man besser parken als vor den meisten Apotheken und der Laden hat abends länger offen. Wenn es dort bald Ibuprofen und Co. gäbe, würde es ihnen einiges erleichtern.
Eine weitere Kundin, die nicht namentlich zitiert werden möchte, findet es ebenso gut, dass die Apotheken jetzt mehr Konkurrenz bekommen: "Wenn ich in der Apotheke 3,20 Euro für ein Schmerzmittel zahle und hier dann 1,95 Euro, dann regelt der Markt, wo man einkauft."
Sendung: WDR5, Morgenecho, 16.12.2025, 6:46 Uhr
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2025
- Pressemitteilung des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe
- Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie: OTC-Daten 2025
- WDR-Gespräch mit Felix Tenbieg, Sprecher der Dortmunder Apotheken
- WDR-Gespräch mit Carina Kruhs, Apothekerin
- WDR-Gespräche mit Passanten
Sendung: WDR5, Morgenecho, 16.12.2025, 7:21 Uhr
