Deutscher Apothekertag
Aktuelle Stunde . 16.09.2025. 12:19 Min.. Verfügbar bis 16.09.2027. WDR. Von Meike Hendriksen.
Apothekensterben? So geht es den Apotheken in NRW
Stand:
Der Apothekerverband warnt vor Apothekensterben. Ein Forscher spricht von Meckern auf hohem Niveau. So geht es Apotheken in NRW.
Von Johanna Esch
Der Apothekerverband warnt vor einem Apothekensterben. In NRW haben im vergangenen Jahr 131 Apotheken dicht gemacht. Vielen Apotheken geht es finanziell schlechter als vor ein paar Jahren. Das ist auch Thema beim Deutschen Apothekertag, der vom 16. bis 18. September 2025 in Düsseldorf stattfindet.
Thomas Preis, Chef Apothekerverband
"Viele Apotheken können die laufenden, steigenden Kosten nicht mehr decken“, erklärt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands.
Schließungstrend: Auch weniger Apotheken in NRW
Im vergangenen Jahr haben in NRW nur 13 Apotheken neu aufgemacht - deutlich weniger, als geschlossen wurden. In einigen NRW-Kommunen gibt es nur noch eine einzige Apotheke.
Der Schließungstrend geht langsam, aber stetig voran. Das zeigt sich am Beispiel der Stadt Dortmund, wo zuletzt eine weitere Apotheke geschlossen hat. Vor 15 Jahren gab es dort noch 36 Apotheken mehr als heute.
| 2. Halbjahr 2024 | 1. Halbjahr 2025 | Neueröffnungen | |
|---|---|---|---|
| Dortmund | 113 | 110 | 1 |
| Düsseldorf | 151 | 147 | 0 |
| Rhein-Erft-Kreis | 89 | 90 | 1 |
| Hagen | 28 | 28 | 0 |
| Münster | 79 | 78 | 0 |
| Rhein-Sieg-Kreis | 127 | 127 | 0 |
Apotheke immer noch "kleine Goldgrube“
Professor David Matusiewicz
David Matusiewicz ist Professor für Gesundheitsmanagement in Essen. Er sagt, dass man sich die Schließungszahlen ganz genau anschauen müsse.
Wir haben immer noch Stadtteile und Ballungsräume, wo sehr viele Apotheken da sind, auch sehr große Apotheken, denen es sehr gut geht. David Matusiewicz, Professor für Gesundheitsmanagement
Auf dem Land oder im Osten Deutschlands gebe es weniger, kleine Apotheken, denen es nicht so gut geht, sagt der Forscher. "Also es ist sehr differenziert, aber es ist auch etwas Nölen auf hohem Niveau."
Matusiewicz betont, dass eine Apotheke nicht mehr so lukrativ sei wie früher, aber immer noch eine "kleine Goldgrube".
Ideen für die Apotheke der Zukunft
Einige Apothekerinnen und Apotheker haben Sorge wegen der Konkurrenz durch Online-Anbieter. Viele Standorte haben sich aber auch längst fit für die Zukunft gemacht, zum Beispiel mit Lieferdiensten, Bestellungen per Messenger oder Codes, mit denen man Medikamente auch außerhalb der Öffnungszeiten abholen kann.
Kunde Heinz Marx aus Hilden zählt auf seine Apotheke vor Ort: "Wenn mal etwas nicht da ist, ist es spätestens am Nachmittag hier. Und wenn alle Stricke reißen, krieg ich es eben nach Hause gebracht."
Münster: Medikamente im Supermarkt bestellen
In Greven im Münsterland geht ein Apotheker noch einen Schritt weiter. Als Apotheker Abed Daka mitbekommt, dass im Nachbarort Münster-Gelmer die einzige Apotheke schließt, wagt er etwas Neues.
Abed Daka, Apotheker im Münsterland
Er richtet einen digitalen Bestell-Terminal im örtlichen Supermarkt in Gelmer ein. Die Bedienung ist einfach: Krankenkassenkarte einstecken und Medikamente mit oder ohne Rezept bestellen. Die gewünschten Medikamente liefert Dakas Team dann zu den Menschen nach Hause.
Wichtig findet Daka, dass er der Beratungspflicht dennoch nachkommt. "Das heißt, nach jeder Bestellung rufen wir die Kunden telefonisch an und bieten ihnen eine pharmazeutische Beratung an", so der Apotheker.
Beziehung zu den Kunden wichtig
Die persönliche Beziehung zu den Kundinnen und Kunden hat anscheinend einen Effekt: Im ländlichen Bereich machen eher weniger Apotheken zu, wohl weil die Kundenbindung dort höher ist.
Forscher Matusiewicz sagt auch: Die Apotheke vor Ort ist relevant. Für ihn wird es in Zukunft beides geben - also die Online-Apotheke und die Apotheke vor Ort.
Unsere Quellen:
- WDR Interview mit David Matusiewicz, Professor für Gesundheitsmanagement in Essen
- Vorab Pressekonferenz Deutscher Apothekertag 2025 mit Thomas Preis, Chef Apothekerverband
- Apothekerkammer Nordrhein
- Apothekerkammer Westfalen-Lippe
- Nachrichtenagentur dpa