Lebenshilfe Ennepetal: Hilfe ohne lange Wartezeit

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WDR 03:14 Min. Verfügbar bis 10.07.2028

Psychische Belastungen Hilfe ohne lange Wartezeit in Ennepetal

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Ohne Diagnose, ohne Antrag, ohne langes Warten: Das Evangelische Beratungszentrum in Ennepetal hilft Menschen in verschiedenen Lebenskrisen. 

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Anastasia Mehrens

Lucas Wedekind hat Panikattacken. "Besonders in der Nacht wache ich auf und bekomme keine Luft. Das ist verbunden mit depressiven Phasen, in denen ich keine Energie habe, und da fällt es mir schwer, den Alltag zu gestalten." Der 21-Jährige aus Gevelsberg wartet ewig auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten. Und dann matcht es einfach nicht.

Sein Opa erzählt ihm vom Evangelischen Beratungszentrum in Ennepetal. "Hier war ich nach ein paar Wochen schon. Das war mir auch wichtig, weil ich habe es lange ausgesessen, bis ich sagte, ja, ich hole da jemanden ins Boot, der mir hilft. Und dann musste es schnell gehen."

Erstgespräch innerhalb von vier Wochen

Zwei Männer während einer Therapiesitzung

Seit Mai lässt sich Lucas Wedekind wegen seiner Panikattacken beraten. 

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Drei bis sechs Monate muss man in Deutschland aktuell auf einen Therapieplatz warten. Im Evangelischen Beratungszentrum in Ennepetal sind es bis zu vier Wochen. Es ist eine Adresse, die wenige kennen. Dabei gibt es die Einrichtung schon seit 60 Jahren. Hier werden Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen beraten: Eltern, Kinder, Familien, Paare. 

Claire Jäger nutzt das Angebot schon zum dritten Mal. Aktuell geht es um einen Konflikt mit einem Familienmitglied. "Für mich fühlte sich das total durcheinander an, ich hatte keinen klaren Blick mehr. Ich habe nur gemerkt, ich bin kraftlos, ich bin traurig, kriege selber nichts mehr sortiert," erzählt die 48-Jährige. "Für mich war es wichtig, dass ich wieder Boden unter den Füßen habe."

Auch sie schätzt es sehr, wie schnell sie hier einen Termin bekommen hat. "Für mich ist es total hilfreich, weil mein Thema für mich ganz akut und bedeutsam ist, egal ob andere Menschen das so finden oder nicht. Aber ich habe das Gefühl, ich brauche Hilfe."

Eine Therapeuting spricht mit ihrer Klientin

Menschen aus Krisen zu begleiten, ist für Hanna Oetmann ein Traumjob. 

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Hilfe bekommt sie von Hanna Oetmann. In mehreren Sitzungen. Seit 21 Jahren arbeitet die Sozialpädagogin hier. Für sie ein absoluter Traumjob. "Das erlebe ich als großes Geschenk, jemanden begleiten zu dürfen, sein Leben in die Hand zu nehmen, darauf zu schauen, es neu zu gestalten. Das ist etwas, was meine Arbeit ausmacht und was mich persönlich auch bereichert."

Beratungs ist kostenlos und anonym

Insgesamt elf Fachkräfte arbeiten hier: Psychologen, Sozialpädagogen, Erziehungswissenschaftler.  Im letzten Jahr haben sie 870 Menschen geholfen, erzählt Leiterin Dr. Sally Ischebeck. "Wir verstehen uns als Anstoßgeber: Wir geben den Menschen hier etwas mit. Hier erleben sie etwas Neues im Gespräch, sehen ihre Lage aus einer anderen Perspektive und damit gehen sie in ihr Leben und machen erstmal weiter. Wir haben nicht den Anspruch, dass alles gelöst ist."

Teambesprechung im EBZ in Ennepetal

Insgesamt 11 Fachkräfte gehören zum Team. 

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Die Einrichtung ist unter anderem durch die Kirchensteuer finanziert. Wer hier Rat sucht, muss aber nicht evangelisch sein. Und das Angebot ist ziemlich unbürokratisch. "Das heißt, ich muss keinen Antrag stellen, ich muss keinen Überweisungsschein haben, ich brauche keine Versichertenkarte, ich muss kein Geld bezahlen", erklärt Dr. Sally Ischebeck. "Im Zweifelsfall müssen Menschen uns nicht mal ihren Namen nennen, sie können sich auch anonym beraten lassen". 

An Wohnort gebunden

Eine Einschränkung gibt es aber. Das Zentrum berät nur Menschen aus dem südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis. Es gibt aber ähnliche Beratungsstellen des evangelischen Kirchenkreises in vielen Städten in NRW

Lucas Wedekind nutzt das Angebot bereits seit Mai. Seine Panikattacken hat er inzwischen deutlich besser im Griff, hat mehr Energie und schaut positiv in die Zukunft. Einige Beratungstermine liegen aber noch vor ihm. 

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Sally Ischebeck, Leiterin Evangelisches Beratungszentrum Ennepetal
  • Gespräch mit Hanna Oetmann, Sozialpädagogin
  • Gespräch mit Lucas Wedekind, Klient
  • Gespräch mit Claire Jäger, Klientin

Sendung: WDR.de, Wo Menschen in psychischen Krisen schnelle Hilfe finden, 10.07.2026, 5 Uhr

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