Landgericht Hagen verurteilt 54-Jährigen wegen Mordes
Bildquelle: WDR/Dirk PlanertWDR. 01:45 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Das Gericht geht davon aus, dass die Getötete zumindest zu Beginn des Angriffs noch geschlafen hat, dadurch war sie arg- und wehrlos. Darin sah die Richterin das Mordmerkmal der Heimtücke und hat den Mann deshalb wegen Mordes verurteilt. Das sieht die Verteidigung anders. Sie hatte auf Totschlag plädiert und will nun Revision einlegen, weil sie davon ausgeht, dass die Frau die ganze Zeit über wach war und dem Angriff ein heftiger Streit zwischen Opfer und Täter vorausgegangen war.
Der Mann hatte bereits zum Prozessauftakt Ende Juli am Landgericht Hagen gestanden, seine Frau getötet zu haben. Mit einem Handtuch habe er die 55-Jährige erwürgt, so der gelernte Industriemechaniker gegenüber dem Gericht.
Im Februar hatte der Mann noch eine andere Geschichte erzählt: Leblos habe er seine 55-jährige Frau nach der Arbeit im gemeinsamen Bett gefunden. Das Haus sei durchwühlt gewesen. Das habe er der Polizei gemeldet.
Angeklagter soll Kellerschloss aufgebrochen und Einbruch vorgetäuscht haben
An diesen Aussagen waren aber schnell Zweifel aufgekommen. Der Mann war in den Fokus der Ermittlungen gerückt, nachdem klar geworden war, dass die Frau erstickt worden war. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, seine Frau heimtückisch getötet zu haben.
Der Tatort in Ennepetal: Nach Überzeugung des Gerichts tötete der 54-Jährige hier seine schlafende Ehefrau.
Bildquelle: WDRDer Angeklagte selbst sagte im Prozess aus, im Affekt gehandelt zu haben. "Es war ein Streit, der am Abend angefangen hat, über mehrere Stunden ging. Im Rahmen dieses Streits ist dann letztendlich diese schreckliche Tat passiert," sagt sein Anwalt Philippos Botsaris.
Tat ging jahrelanger Streit voraus
Das Ehepaar soll schon seit Jahren heftig gestritten haben. Zuletzt wegen der neuen Freundin des Angeklagten. Dieser Streit soll dann eskaliert sein. Die Ehefrau habe bereits vor Jahren die Scheidung eingereicht, das Verfahren ruhte aber. Vor Gericht sagte der Mann, er bereue die Tat. Es gebe keine Rechtfertigung.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporter am Landgericht Hagen
- WDR-Gespräch mit Philippos Botsaris, Verteidiger
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Landgericht Hagen: Urteil wegen Mordes an Ehefrau, 20.08.2026, 10:28 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 20.08.2026, 19:30 Uhr