Zwei Hände, die ein Handy halten, das einen QR-Code scannt.

QR-Codes können praktisch sein - aber nur, wenn sie direkt zur richtigen Seite führen.

In offiziellem Brief QR-Code der Stadt Witten führt auf ominöse Abo-Seite

Stand:

Elternbeitragsbescheide der Stadt Witten verweisen auf eine externe Internetseite und ein ominöses Abomodell - eine Panne.

Von
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Sven Lüüs

"Gleich nach dem Enkeltrick ist das für mich die unterste Schublade," sagt Michael Recht über die perfide Masche, mit der Eltern in Witten in ein teures Abo gelotst werden sollen. Am Dienstagnachmittag lag der Elterngeldbescheid der Stadt Witten bei ihm im Postkasten. Mit dem Bescheid können Eltern normalerweise ein Sepa-Lastschriftmandat für Kindergartenkosten erteilen. Dazu müssen sie auf eine Internetseite. Hierfür hat die Stadt jetzt einen QR-Code in den Brief eingebaut, den Eltern mit ihrem Handy scannen können.

Recht hat das gemacht: "Ich bin plötzlich auf einer Seite gelandet, dort konnte man nur auf 'weiter' klicken," sagt Recht. Das Kleingedruckte liest er nicht. Auf einmal soll er einen Euro zahlen. Okay. Der Empfänger des Geldes ist aber nicht die Stadt Witten. Recht merkt das und bricht den Vorgang ab. Er warnt die Stadt und die Eltern, die er durch die Kita kennt.

Wer nicht aufpasst, schließt teures Abo ab

Am Mittwochmorgen hat die Stadt eine Mitteilung veröffentlicht und sich für ndie Panne entschuldigt: Der Anbieter, über den sie den QR-Code erstellt hat, hat seine eigene Werbung zwischengeschaltet. Das ist die Werbung für das ominöse Abo-Modell. Wer den Euro zahlt, schließt also ein kostenpflichtiges Abonnement ab. Recht spricht von einer Zahlung von 49 Euro nach der Testzeit.

Stadt rät: Finger weg von dem QR-Code

Die Werbung lässt sich erst nach neun Sekunden schließen. Dann werden die Nutzer des QR-Codes zur Internetseite der Stadt Witten geleitet. Die Stadt rät dazu, den QR-Code gar nicht zu benutzen: "Wenn sie das Sepa-Lastschriftmandat abgeben wollen, gehen sie auf die Interseite der Stadt Witten und suchen sie dort nach dem Sepa-Lastschriftmandat," sagt Carsten Danielmeier, Chef der IT-Abteilung der Stadt Witten. Bescheide, die noch nicht verschickt wurden, werden jetzt aktualisiert.

Wie der fehlerhafte QR-Code entstehen konnte, weiß Danielmeier noch nicht. Gehackt wurde die Stadt nicht. Mit dem Ersteller des Codes arbeitet die Stadt nicht regelmäßig zusammen.

Stadt Witten will Fall aufarbeiten

Solche QR-Codes würden standardmäßig getestet. Nächste Woche, wenn ein zuständiger Mitarbeiter wieder da ist, könne die Stadt den Fall vermutlich nachvollziehen. Dann soll auch sofort eine Mail an zuständige Mitarbeiter geschickt werden, die neue Sicherheitsstandards etabliert. Danielmeier geht nicht davon aus, dass der externe Anbieter rechtlich belangt werden kann.

Michael Recht, der die Masche des externen Anbieters bemerkt hat, leitet selbst ein IT-Unternehmen. Er kann sich vorstellen, dass viele weniger IT-affine Eltern auf die Internetseite hereinfallen: "Gerade, weil Eltern zwischen allen möglichen Tätigkeiten, die sie haben, immer noch probieren, alles zu erledigen. Wenn man die auf dem falschen Fuß erwischt, kann man da schnell reinfallen."

Stadt Witten verschickt Briefe mit QR-Code zu ominöser Abo-Seite

WDR 29.07.2026 00:57 Min. Verfügbar bis 28.07.2028

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, QR-Code von der Stadt Witten führt auf ominöse Seite, 29.07.2026, 19:52 Uhr

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