Hagen-Pakt gegen Schrott-Immobilien
Bildquelle: WDR / Sascha BacinskiAktuelle Stunde . 20.05.2026. 26 Min. 36 Sek.. Verfügbar bis 20.05.2028. WDR. Von Sascha Bacinski.
Es ist ein Herzensprojekt von Hagens Oberbürgermeister Dennis Rehbein. Rigoroses Vorgehen gegen sogenannte Problem-Immobilien. Auch dafür wurde heute der Hagen-Pakt unterschrieben. "Der Hagen-Pakt setzt uns das Ziel, dass wir in den nächsten 10 Jahren 600 Wohneinheiten zurückbauen und gut 1000 Wohneinheiten sanieren, um wieder attraktiven Wohnraum in unserer Stadt zu schaffen", sagt Rehbein heute nach der Vertragsunterzeichnung.
80 Millionen Euro vom Land NRW
"Der Hagen-Pakt ermöglicht uns jetzt mit finanziellen Mitteln des Landes, dass wir hier einen Hebel haben, um Problemimmobilien aufzukaufen, diese abzureißen oder zu sanieren. Entweder selbst oder sie so vorzubereiten, dass wir sie an die Wohnungswirtschaft übergeben", erklärt Rehbein weiter das zukünftige Vorgehen. Das Land Nordrhein-Westfalen gibt Hagen dafür in den nächsten 10 Jahren 80 Millionen Euro.
Behörden kontrollieren Problemimmobilien in Hagen
Bildquelle: Stadt HagenProblemimmobilien sind schon lange ein Problem in Hagen: Schimmelbefall, fehlende Beleuchtung im Treppenhaus, kaputte Scheiben, Müll im Hausflur und so weiter. Oft sind Personen in den Wohnungen nicht gemeldet, wohnen illegal dort. Die Behörden in Hagen kontrollieren häufig gemeinsam: zum Beispiel Ordnungsamt, Umweltamt, die Wohnungsaufsicht, Feuerwehr, Polizei und auch das Jobcenter und der Zoll.
Neue Investoren sollen angelockt werden
Mit dem Hagen-Pakt will die Stadt ab jetzt attraktiver werden. Wohnquartiere sollen aufgewertet, Inverstoren angelockt werden. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW, die Stadt Hagen, die Arbeitsgemeinschaft Hagener Wohnungsunternehmen und die Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft haben ihn geimsame auf den Weg gebracht.
Auch Menschen im Blick haben
In solchen Problemimmobilien leben häufig Menschen, die sich nichts anders leisten können. Auch denen will man helfen. "Beseitigen wir Immobilien, wo heute auch viele Armutszuwanderer drin sind, müssen wir schauen, wo wir Ersatzwohnraum unterbingen können", sagt Heimat-, Kommunal- und Bauministerin Ina Scharrenbach heute in Hagen. Gerade Menschen aus Südosteuropa seien oft in solchen Häusern.
"Da leben Menschen teilweise ohne Strom, ohne Wasser, mit Schimmel, also eigentlich unter Bedingungen, wo man eigentlich nicht wohnen kann. Deswegen ist es auch eine Hilfe für die Menschen." Dennis Rehbein, Oberbürgermeister Hagen
Angsträume in Hagen sollen verschwinden
Ein wesentlicher Bestandteil des Paktes ist auch die städtebauliche Kriminalprävention. Damit sollen zum Beispiel gewisse Angsträume verschwinden. Orte, an denen sich Hagener und Hagenerinnen unwohl fühlen. "Die wollen wir gezielt aufspüren und mit Mitteln aus dem Hagen-Pakt beheben", sagt Rehbein heute bei der Vorstellung.
Der Pakt will aber noch mehr
Ein weiterer Aspekt der Vereinbarung ist der Aufbau eines Europacenters. Damit sollen Menschen aus der Europäischen Union, die neu nach Hagen ziehen,unterstützt und begleitet werden. Sie sollen beruflich in die Stadt eingegliedert und langfristig sozial und wirtschaftlich integriert werden. Ebenso ist ein Kunstprojekt geplant, im Hagen-Pakt heißt es "AHA!-Effekt", das bestimmte Stadtteile kreativ aufwerten soll.
Vielleicht Vorbild für andere Städte im Ruhrgebiet?
Es ist ein Projekt gemünzt auf die Stadt Hagen. Aber auch andere Städte im Ruhrgebiet haben ähnliche Probleme. In Duisburg wurden zum Beispiel in den vergangenen zehn Jahren rund 230 Häuser durch die Task-Force Problem-Immobilien kontrolliert. Einige wurden abgerissen, andere saniert. Die Stadt wertet ihr Vorgehen als positiv.
So konnte nach eigener Aussage der Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner deutlich verbessert werden. Zeitgleich sei es gelungen, kriminelle Vermieterstrukturen gezielter zu unterbinden. Rechtwidrige Praktiken wie Überbelegung oder ausbeuterische Mietverhätnisse werden konsequenter aufgedeckt und sanktioniert, so die Stadt Duisburg.
Auch Gelsenkirchen geht gegen Problemimmobilien vor
Wie hier im Stadtteil Bismarck geht Gelsenkirchen gegen Schrottimmobilien vor
Bildquelle: Stadt GelsenkirchenIn Gelsenkirchen hat man das Thema rund um Problem-Immobilien schon länger erkannt. Es gibt in der Stadt viel Leerstand und heruntergekommene Häuser. Windige Investoren haben das ausgenutzt und Wohnungen zu überteuerten Mieten an Zuwanderer aus Osteuropa vermietet. Die sind teilweise mit 15 Leuten in 50 Quadratmeter große Wohnungen eingezogen. Vermieter kümmern sich nicht, es gibt Schimmel, Ungeziefer, baufällige Treppenhäuser und vieles mehr.
Stadt kauft Immobilien auf
Die Stadt hat schon im Jahr 2017 ein Modellvorhaben mit dem Land geschlossen und kauft mit vielen Millionen vom Land solche Problem-Immobilien auf. Ziel ist es, bis 2032 rund 3.000 Wohneinheiten vom Markt zu nehmen oder neu zu entwickeln. Bislang wurden bereits knapp 90 Häuser mit mehreren hundert Wohnungen gekauft, abgerissen oder neu gemacht.
Weil mit den Problem-Immobilien ganze Quartiere verwahrlosen, hat die Stadt im Jahr 2019 auch eine Task-Force gegründet und macht gemeinsam mit Polizei, Sozialbehörden, Zoll, Jobcenter und anderen Behörden Kontrollen. Regelmäßig deckt die Stadt dabei auch Sozialbetrug auf. Das Projekt haben mittlerweile andere Städte wie zum Beispiel Duisburg, Dortmund, Essen oder auch Hagen kopiert.
Hagen-Pakt soll Impulse schaffen
Hagens Oberbürgermeister Rehbein weiß, dass 10 Jahre nicht reichen werden, um das Ruder komplett herumzureißen, aber der Hagen-Pakt soll Signalwirkung haben. Zunächst einmal fokusssiert sich die Stadt auf die Gebiete rund um den Hauptbahnhof und angrenzende Stadtteile wie Wehringhausen, Altenhagen, Eckesey und Teile von Haspe. "Dort gibt es 231 von rund 350 Problemimmobilien", so Rehbein. Langfristig soll aber auf dem ganzen Stadtgebiet geschaut werden, wie Hagen attraktiver werden kann.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung der Stadt Hagen
- Gespräch mit der Stadt Hagen
- Pressekonferenz zu Hagen-Pakt
- Gespräch mit Oberbürgermeister Dennis Rehbein
- Gespräch mit Ministerin Ina Scharrenbach
- Vorherige Berichterstattung des WDR
- Anfrage an die Stadt Duisburg
- Berichterstattung des WDR in Gelsenkirchen
Sendung: WDR.de, Hagen-Pakt kommt: Problemimmobilien sollen aus der Stadt verschwinden, 20.05.2026, 05:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 20.05.2026, 18.45 Uhr
