Hagener Koalition kämpft um Vertrauen
Bildquelle: WDRWDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 11.08.2028.
"Der Rücktritt war gut, aber viel zu spät", sagt Ulrich Schmieds. Der Hagener verfolgt die Posten-Affäre um den nun zurückgetretenen SPD-Chef Timo Schisanowski mit großem Interesse. Der Konflikt beschäftigt die Hagener Kommunalpolitik seit Wochen. Für die schwarz-rote Koalition aus CDU und SPD in Hagen eine echte Härteprüfung.
Ulrich Schmieds verfolgt die Posten-Affäre in Hagen.
Bildquelle: WDRDer SPD-Mann saß bis 2025 im Bundestag, verlor dann aber das Direktmandat und kam auch über die Landesliste nicht ins Parlament. Nun sollte er beim kommunalen Wohnungsunternehmen, der "Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft" (HaGeWe), einen neuen Job bekommen. Jahresgehalt: rund 130.000 Euro, plus Dienstwagen. Und ohne Probezeit.
Schisanowski legt Amt als Hagener SPD-Chef nieder
Die Stelle sollte neu geschaffen werden, Schisanowski soll sich in einem Feld mit 60 Mitbewerbern durchgesetzt haben, berichtet die Westfalenpost. Der Aufsichtsrat, besetzt aus Kommunalpolitikern verschiedener Parteien, hatte sich für Schisanowski ausgesprochen. Nach öffentlichem Druck zog er doch wieder zurück - und legte vor wenigen Tagen auch sein Amt als Vorsitzender des SPD-Unterbezirks in Hagen nieder.
Die genauen Abläufe und Hintergründe rund um die HaGeWe und Timo Schisanowski will die Hagener Kommunalpolitik nun aufklären. Das soll auch Vertrauen wieder wiederherstellen. "Jetzt muss erst mal alles aufgeklärt werden und dann werden wir daraus die nötigen Konsequenzen ziehen, auch als CDU", sagt Tijen Ataoglu, Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes.
Tijen Ataoglu ist Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes in Hagen.
Bildquelle: WDRDie CDU Hagen, die mit Dennis Rehbein auch den Oberbürgermeister stellt, hatte als Konsequenz erst einmal die Koalition mit der SPD im Rat ruhen gelassen. Mit dem Rücktritt von Schisanowski könne man die Arbeit von Seiten der CDU aber nun wieder aufnehmen. "Für das Vertrauen in die Lokalpolitik wurde mit der Sache aber ein Bärendienst geleistet", sagt Ataoglu.
"Das hat ein Geschmäckle"
Das bestätigt auch eine nicht-repräsentative WDR-Umfrage in der Hagener Innenstadt. "Das hat ein Geschmäckle", sagt Ulrich Schmieds. Er hätte sich gewünscht, dass Schisanowski früher zurücktritt.
"Man kann den Politikern ohnehin nicht vertrauen", meint der Hagener Rainer Höflich. Und weiter: "Was soll man denen noch glauben?"
"Ich war entsetzt, als ich davon gehört habe", sagt Karin Müller-Sieg. "Wir brauchen hier Wohnraum. Dafür könnte man die 130.000 Euro im Jahr besser nutzen als für die neue Stelle", sagt sie.
Karin Müller-Sieg ist entsetzt von den Vorfällen in der Lokalpolitik.
Bildquelle: WDRSie hält die Vorgänge rund um die HaGeWe für einen Skandal, in dem mehr Personen als nur der Bewerber verwickelt seien - nämlich der gesamte Aufsichtsrat.
CDU und SPD setzen sich für Aufklärung ein
Ob dem so ist, will auch die CDU aufklären. Für Erkenntnisse sollen unter anderem externe Prüfer sorgen. Darauf setzt auch die SPD in Hagen. Sie will am Dienstagabend im Unterbezirksvorstand über das weitere Vorgehen beraten.
Im anstehenden Landtagswahlkampf könnte die Parteien die "Causa HaGeWe" aber noch weiter beschäftigen. "Da gibt es natürlich Schöneres, weil wir wollen eigentlich über die Themen reden", sagt SPD-Landtagskandidat Nils Szuka. Die Menschen hätten jetzt aber verständlicherweise Fragen und die müsse man beantworten.
Lokalredakteur: Einschnitt für die SPD in Hagen
"Das ist ein Einschnitt für die SPD. Das muss man ganz klar so sagen. Herr Schisanowski ist jemand, der in der SPD über lange Jahre hinweg Karriere gemacht hat, der starken Einfluss auch auf die SPD in Hagen hatte", sagt Jens Stubbe, Redaktionsleiter der Hagener Westfalenpost. Seine Redaktion hat die Angelegenheit seit Wochen begleitet. Sein Fazit: "Das Vertrauen der Menschen in die Lokalpolitik hat die letzten Wochen schon arg gelitten. Der Fall Schisanowski bedient typische Klischees über Politik."
Jens Stubbe ist Redaktionsleiter der Westfalenpost.
Bildquelle: WDREine Interviewanfrage des WDR ließ Ex-SPD-Chef Timo Schisanowski bislang unbeantwortet. Die Sozialdemokraten aus Hagen haben mittlerweile bekannt gegeben, dass der Chef-Posten bis nach den Landtagswahlen im kommenden Jahr erst einmal kommissarisch von Schisanowskis bisherigen Stellvertretern bekleidet werden soll.
Unsere Quellen
- WDR-Reporter vor Ort
- WDR-Interviews
- Berichterstattung Westfalenpost Hagen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 11.08.2026, 19:30 Uhr
