Die Wildschweine suhlen sich im Sand. Morgens auf einem Spielplatz in Hagen-Helfe. Hier, aber auch in anderen Stadtteilen werden immer wieder Wildschweine auf Schulhöfen, Friedhöfen und in Gärten gesehen. Manchmal spaziert eine ganze Rotte über die Straße. Viele Hagener haben Angst.
"Die Wildschweine werden wir kurzfristig nicht aus den besiedelten Bereichen rauskriegen. Also müssen wir wohl oder übel anfangen, damit zu leben." Martin Holl, Förster und Jäger, Wirtschaftsbetrieb Hagen
Lena Witte ist Mutter von zwei Kindern. Ihr Sohn wird im Sommer eingeschult. Den fünfminütigen Schulweg könnten er und das Nachbarsmädchen eigentlich gemeinsam gut alleine gehen. Aber rund um die Grundschule Helfe halten sich immer wieder Wildschweine auf. Das ist zu gefährlich, meint Lea Witte. Auch Stefanie Kraft hat Angst und lässt ihren achtjährigen Sohn nicht mehr alleine zum Spielplatz gehen.
Frischlinge im Garten geboren
Die Wildschweine hätten sich durch den Zaun gebissen und in ihrem Garten Frischlinge bekommen, erzählt Lena Witte.
Weil es immer mehr wurden, habe sie die Polizei gerufen. Die habe überfordert gewirkt und Wildschweine sogar noch in ihren Garten getrieben. "Eine Strategie haben wir nicht", sagt Isabelle Rust von der Polizei Hagen. "Mit Martinshorn oder Gehupe versuchen wir sie zu verschrecken und in die Waldgebiete zu treiben."
Wildschweine verwüsten Gräber
"Ich habe eine Wahnsinnsangst davor, dass hier irgendwie so ein Schwein rumläuft", sagt Sabine Schwien auf dem evangelischen Friedhof Boele. Vor wenigen Tagen haben Wildschweine hier Gräber verwüstet.
Zum Grab eines plötzlich verstorbenen Freundes traut sie sich deshalb nur noch gemeinsam mit ihrem Mann. Die Stadt unternehme nichts, sagt das Ehepaar Schwien.
"Wir tun eine ganze Menge dagegen und auf der anderen Seite ist unser Handlungsspielraum auch leider relativ beschränkt." Oberbürgermeister Dennis Rehbein, CDU
Es gebe Hagener, die die Wildschweine anfüttern, sagt Rehbein. Diese Stellen kontrolliere die Stadt jetzt täglich. Außerdem seien in den Hagener Wäldern in diesem Jahr schon doppelt so viele Wildschweine erlegt worden, wie im gleichen Zeitraum 2025. Mit Vergrämungsmitteln will die Stadt jetzt die Grundschule Helfe und die benachbarte Kita sichern. Ein Duftstoff soll die Wildschweine fernhalten. Ein Versuch.
Wildschweinpopulation ist gewachsen
Er könne die Sorgen sehr gut nachvollziehen und nehme sie ernst, sagt Rehbein. Das sei aber ein Thema, das uns die nächsten Jahre beschäftigen werde. Warum aber kommen immer mehr Wildschweine in Wohngebiete?
Mildere Winter führten dazu, dass mehr Frischlinge überleben. Die Vermehrungsrate liege bei mehr als 240 Prozent, sagt Förster und Jäger Michael Holl. "Dann suchen und erschließen sie sich andere Bereiche." Komposthaufen und Mülltonnen in Wohngebieten locken sie an. Und weil es offenbar intelligente Tiere sind, lernen sie schnell, dass hier nicht auf sie geschossen wird.
In Wohngebieten darf nicht gejagt werden
"Das Geschoss durchschlägt den Wildkörper und kann danach noch bis zu zwei Kilometer weit fliegen." Michael Holl, Förster und Jäger, Wirtschaftsbetrieb Hagen
In sogenannten befriedeten Gebieten darf nicht geschossen werden. Sondergenehmigungen könnten in Einzelfällen zwar erteilt werden, aber "es ist irre gefährlich, da einen Schuss abzugeben. Das würde ich auf gar keinen Fall tun", sagt Michael Holl.
Und weil die Wildschweine offenbar nicht so schnell von den Hagener Straßen zu vertreiben sind, setzt die Stadt auf Aufklärung. Flyer informieren über richtiges Verhalten: Ruhe bewahren. Abstand halten. Fluchtweg frei lassen. Sich langsam zurückziehen.
Wildschweine in Hagen
Bildquelle: privatWDR. 30.06.2026. 00:48 Min.. Verfügbar bis 29.06.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Stadt Hagen
- Polizei Hagen
- Wirtschaftsbetrieb Hagen
- Gespräche mit Hagener Bürgern
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