Blutproben fliegen über Essen: Kitakinder haben Angst vor lauten Drohnen
Bildquelle: WDR/Solveig BaderWDR. 2 Min. 36 Sek.. Verfügbar bis 17.08.2028.
Der Garten der Kindertagespflege-Einrichtung Rasselbande in Essen - ein ruhiger und idyllischer Ort zum Spielen für Kleinkinder bis drei Jahren. Plötzlich taucht eine laut brummende Drohne von beachtlicher Größe am Himmel auf und fliegt über das Dach.
"Die Kinder waren extrem irritiert, die ganz Kleinen fingen an zu weinen. Die Drohne war unfassbar laut und groß und wirkte bedrohlich", erinnert sich Claudia Gößling, die die Einrichtung leitet.
Drohnen mit Blutproben über Essen
So ging das im Zwanzig-Minuten-Takt zwischen dem 15. und 19. Juni 2026. Was sie und ihr Team nicht wussten und erst von der Polizei erfuhren: Es fanden Testflüge von Drohnen statt, die Blut-, Gewebe- und Urinproben an Bord hatten.
Das soll ab Herbst die Regel sein. Patientenproben sollen vom St. Josef Krankenhaus in Essen-Kupferdreh zum Medizinischen Versorgungszentrum für Labormedizin und Mikrobiologie (mvzlm) Ruhr auf dem Luftweg befördert werden.
So sieht die Transportdrohne aus.
Bildquelle: WDR / Solveig BaderDie "Rasselbande" und noch eine weitere Kindertagespflege-Einrichtung liegen in der Start- und Landezone direkt gegenüber vom Labor und fühlen sich von dem Drohnenlärm erheblich gestört. "Für uns ein No-Go, wir haben auch einige Kinder mit Förderbedarf, die stark verunsichert sind und große Angst haben", sagt die besorgte Tagesmutter.
Genehmigung vom Luftffahrt-Bundesamt
Der Drohnenbetreiber, ein Start-Up-Unternehmen aus Köln, hat die Fluggeräte entwickelt und offiziell die Genehmigung vom Luftfahrtbundesamt. Die Flugroute von etwa acht Kilometern Länge und knapp 100 Metern Höhe ist festgelegt und immer gleich.
Klinik und Labor erhoffen sich durch die innovative Drohnenlogistik Zeit- und Kosteneinsparungen, denn die Drohnen sind fast doppelt so schnell wie ein Auto und keinem Stau ausgesetzt.
Tagesmutter wehrt sich gegen Drohnen in Essen
Dass die Fluggeräte bald regelmäßig über ihren Grundstücken dröhnen werden ist für die Tagesmutter, ihr Team und einige Mütter ein "No-Go". Jana Elwin, die ihren Sohn in der "Rasselbande" betreuen lässt, fürchtet Nachteile für ihr Kind. "Wenn die Kinder hier draußen spielen, muss da keine Drohne drüber fliegen, sie werden nur abgelenkt. Und wer weiß, was danach noch kommt." Die Mutter wohnt auch mit ihrer Familie in der Einflugschneise und der Lärm stört sie auch im heimischen Garten.
Jana Elwin fühlt sich gestört von dem Lärm der Drohnen
Bildquelle: WDR/Solveig BaderDer Drohnenentwickler hatte zwar Informationsflyer angefertigt, sie allerdings nicht aktiv an die Menschen im Umfeld verteilt. Auf Anfrage des WDR, wie die Firma mit Beschwerden umgehen will, antwortete Urban Ray schriftlich:
"Unser Flugbetrieb findet stets im Einklang mit einer aktiven Betriebsgenehmigung des Luftfahrtbundesamtes statt. Darin sind verschiedenste Aspekte berücksichtigt, darunter auch die von Anwohnern thematisierten Punkte." Rückmeldungen und Hinweise aus dem Umfeld sollen nach der Testwoche in die weiteren Abläufe einfließen. Anliegen von einzelnen Anwohnern würden im direkten Austausch beantwortet.
Beschwerden an Bezirksregierung Düsseldorf
Die Stadt Essen verweist auf die Landesluftfahrtbehörde bei der Bezirksregierung Düsseldorf, die für die Genehmigung und Überwachung des Drohnenbetriebs zuständig ist. Fragen zu möglichen Auflagen sowie zur Anpassung von Flugrouten würden dort geprüft.
Drohne mit Blutproben an Bord
Bildquelle: WDR/Solveig BaderKindertagespflege hofft auf Änderung der Flugroute
Claudia Gößling hat beim Drohnenbetreiber inzwischen Beschwerde eingelegt. Denn sie macht sich auch Sorgen um die Sicherheit der Kinder.
"Was passiert, wenn eine Drohne mit Blut hier bei uns im Garten abstürzt? Das macht uns große Angst." Claudia Gößling, Leiterin Kindertagespflege Rasselbande
Sie hofft, dass die Flugroute noch geändert werden kann oder zumindest leisere Fluggeräte zum Einsatz kommen, bevor im Herbst der Regelbetrieb losgeht.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Anwohnern und Kindertagespflege Rasselbande
- Drohnenentwickler Urban Ray
- Stadt Essen
Sendung: WDR.de, Blutproben fliegen über Essen: Kitakinder haben Angst vor lauten Drohnen, 17.08.2026, 5:01
