Gerichtsprozess: Opfer bekommen Pfefferspray statt Geld

Bildquelle: WDR/Fabienne Strohmer

WDR 1 Min. 28 Sek. Verfügbar bis 11.08.2028

Kaufinteresse im Netz vorgetäuscht Opfer bekommen Pfefferspray statt Geld

Stand:

Die vier Angeklagten bereuen die Taten und sind bereit Schmerzensgeld an die Opfer zu zahlen. Niemand will der Drahtzieher sein.

Von Thomas Becker und Fabienne Strohmer

Vor Gericht erscheinen die vier jungen Männer sichtlich nervös. Sie sind zwischen 17 und 23 Jahre alt - bei der Tat teilweise sogar erst 16. Sie zeigen sich einsichtig und weisen einige der schweren Schuldzuweisungen von sich. Niemand will der Drahtzieher sein. Die Gewalt soll nicht geplant gewesen sein.

Einer der jüngeren Angeklagten erklärt vor Gericht, er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt. Von wem dieser Druck ausging oder wie das genau ausgesehen haben soll, möchte er nicht sagen. Aus Angst, gibt sein Anwalt in der Verhandlung an.

Angriff mit Pfefferspray

Angeklagt sind die jungen Männer wegen zwei Raubüberfällen. Beim ersten Mal traf es im Mai 2025 einen 32-jährigen Essener. Auf der Verkaufsplattform „kleinanzeigen.de“ hatte er eine wertvolle Goldkette zum Kauf angeboten. 6.000 bis 7.000 Euro sollte der Halsschmuck kosten. In der Essener Innenstadt traf sich der Verkäufer mit zwei Interessenten. Dann ging alles ganz schnell.

Als der 32-Jährige die Kette aus der Tasche zog und auf eine Feinwaage legte, um ihr Gewicht zu bestätigen, traf ihn plötzlich eine Ladung Pfefferspray direkt in die Augen. Der angebliche Käufer riss ihm die Kette aus der Hand, mit seinem Begleiter rannte er weg, zu einem Auto ganz in der Nähe, sie stiegen ein und fuhren davon.

Zweites Opfer und ihre Töchter wurden erheblich verletzt

Zwei Monate später sollen dieselben Täter wieder zugeschlagen haben. Eine 39-jährige Frau aus Moers hatte ihr Smartphone bei „kleinanzeigen.de“ inseriert. Verkaufspreis: 1650 Euro. Sie lud die angeblichen Kaufinteressenten zu sich nach Hause ein. Das war ein Fehler.

Verteidiger Lars Volkenborn

Lars Volkenborn, Verteidiger

Bildquelle: WDR/Fabienne Strohmer

Die jungen Männer sahen sich das Mobiltelefon an, dann sprühte einer der Frau Pfefferspray ins Gesicht, der andere entriss ihr das Gerät und beide rannten weg. Mit ihren beiden Töchtern versuchte die Frau, die Männer an der Flucht zu hindern, vergeblich. Die Täter sollen die Frau und die beiden Töchter mehrfach geschlagen und geschubst haben, laut Anklage wurden sie dadurch verletzt.

Niemand will der Kopf der Sache sein

Der Angeklagte, der gefahren sein soll, meint, nicht viel von den Absichten seiner Mitangeklagten gewusst zu haben. Von Gewalteinsatz soll nie die Rede gewesen sein. Sein Verteidiger hofft auf eine Verurteilung wegen Beihilfe.

"Also Fakt ist, dass mein Mandant sicherlich nicht die treibende Kraft gewesen ist. Es wurde ein Auto gebraucht und er war im Besitz eines solchen. Und über diese Verbindung ist er sozusagen in das Tatgeschehen gerutscht." Lars Volkenborn, Verteidiger

Es könnte eine Haftstrafe drohen

Für den Prozess hat das Landgericht bis Anfang September drei Verhandlungstage angesetzt. In wenigen Wochen soll dann ein Urteil gesprochen werden. Da es sich bei der Anklage um einen schweren Raub handelt, kann sogar eine Haftstrafe drohen. Je nach Alter entweder nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht.

Mutmaßliche Räuberbande vor Gericht

WDR 10.08.2026 33 Sek. Verfügbar bis 10.08.2028

Unsere Quellen:

  • Landgericht Essen
  • Polizei Essen
  • Beobachtungen WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Mutmaßliche Räuberbande vor Gericht, 11.08.2026, 5 Uhr
Sendung: WDR.de,
Gerichtsprozess: Opfer bekommen Pfefferspray statt Geld, 11.08.2026, 15:45 Uhr

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