Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige in Unna
WDR. 06:43 Min.. Verfügbar bis 21.07.2028.
"Felix war so viel mehr als seine Erkrankung." Marion kämpft mit den Tränen, wenn sie über ihren Sohn spricht. "Er war klug, sensibel, humorvoll. Er hatte Träume." Felix hatte aber auch Depressionen und Ängste. Und hat sich davor hinter Drogen versteckt. Im Juni ist er an einer Überdosis gestorben. Mit 30 Jahren. "Bis heute weiß ich nicht, ob diese Überdosis ein tragischer Unfall war oder mein Sohn sterben wollte", sagt Marion.
Auch sie selber nimmt Drogen. Seit sie beim LÜSA ist, geht es ihr gut. Es ist eine Hilfeeinrichtung für schwerstgeschädigte Drogenabhängige. Sechs von ihnen sind im letzten Jahr verstorben. Einer erst gestern. Am heutigen Gedenktag wird an sie erinnert.
Mischa, Sascha und Tino
Mischa, Sascha und Tino sind seit ihrer Kindheit drogenabhängig. Heute machen sie sich viele Gedanken, wie es mit ihnen weiter geht. Sie wünschen sich aber auch, dass dieser Tag für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft sorgt. "Wir sind halt drogenabhängig, das ist eine Krankheit. Aber viele Leute verstehen das nicht. Sie sehen nur Junkies. Wir werden in der Gesellschaft nur verurteilt. Das finde ich scheiße," sagt Mischa.
Veränderungen sollen aber auch in der Politik stattfinden, sagt Leiterin Anabela Dias de Oliveira. Die Kriminalisierung und Ausgrenzung erschweren den Zugang zu medizinischer Versorgung und sozialen Hilfen. Wer Angst haben muss, strafverfolgt oder diskriminiert zu werden, sucht Hilfe häufig erst dann, wenn es bereits zu spät ist.
Abhängige nicht kriminalisieren
Deshalb müsse sich die Drogenpolitik ändern. Etwa der Ausbau von medizinischer und psychosozialer Versorgung oder eine niedrigschwellige Substitutionsbehandlung. Außerdem sollten die Abhängigen entkriminalisiert werden und eine bundesweite Versorgung mit Naloxon sei hilfreich, um tödliche Überdosen zu verhindern.
"Mein Sohn kann davon nicht mehr profitieren, aber ich wünsche mir von Herzen, dass sein Tod nicht umsonst war. Und dass keine Mutter und keine Familie mehr einen geliebten Menschen verlieren muss." Marion
Unsere Quellen:
- WDR Reporterin vor Ort
- Gespräche mit dem Projekt LÜSA
- Gespräche mit Klienten
Sendung: WDR.de, Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige in Unna, 21.07.2026, 17:23 Uhr
