Ganz unterschiedliche Besucher schlendern durch die weitläufigen Passagen der Einkaufsmall des Westfield Centro Oberhausen: Junge Familien mit Kinderwagen, Paare, ältere Menschen mit Rollator.
"Wir waren mit der Klasse im Gasometer und anschließend durften wir uns hier im Centro ein bisschen austoben", sagt die 18-jährige Schülerin Luisa Gratzl, die mit Freundinnen in einem Modegeschäft stöbert. Kevin Brauwer ist mit seiner Mutter extra aus Holland angereist. "Es ist so schön groß hier, wir wollen Kleidung shoppen".
Luisa Gratzl und Anna Malerczyk shoppen gerne im Centro
Bildquelle: WDR/Solveig BaderCentro Oberhausen: Shopping und Freizeit - das Gesamtpaket überzeugt
240 Geschäfte unter einem Dach: Mode, Schmuck, Elektronik, Optiker. Eine "Oase" bietet Essen und Trinken. Zum Ausruhen kann man unter einer riesigen Kuppel. Direkt neben dem Einkaufszentrum der Gasometer mit wechselnden Ausstellungen, eine Konzertarena, Marina, Sea Life, ein Großkino, Freizeitpark.
Kevin und Sonja Brauwer aus Holland shoppen gern in Oberhausen
Bildquelle: WDR/Solveig BaderAll das können die Besucher zu Fuß erreichen, auf einem Areal, etwa so groß wie 200 Fußballfelder. Es ist das Gesamtpaket, das die "Neue Mitte" Oberhausen auch nach 30 Jahren für Besucher noch attraktiv macht, meint Centermanager Andreas Ulmer.
"Man hat in den 1990er Jahren nicht einfach nur ein Einkaufszentrum gebaut, sondern von vornherein verstanden, dass das Zusammenspiel vom klassischen Einkaufen, Gastronomie, Freizeit und Entertainment der Schlüssel für den Erfolg dieses Standortes ist". Centermanager Andreas Ulmer
Centro ein Pionierprojekt für Strukturwandel im Ruhrgebiet
Die Idee für das Pionierprojekt hatte damals der britische Immobilien-Entwickler und Investor Edwin Healey. Er sah in dem riesigen brachliegenden Thyssen-Industriegelände, der Gutehoffnungshütte, eine Chance.
Die Gutehoffnungshütte in Oberhausen, vermutl. 1925
Bildquelle: picture alliance / ullstein bildDamals eine umstrittene Idee, aber für die Stadt Oberhausen im Nachhinein die richtige Entscheidung, meint Oberhausens Tourismus-Chef Rainer Suhr. "Anfang der 1990er Jahre haben sich Eisen, Kohle und Stahl aus Oberhausen verabschiedet. 60.000 Arbeitsplätze hat diese Stadt verloren, und zwar in den Schlüsselbranchen, die diese Stadt erst groß gemacht haben".
Das Centro während seiner Entstehung 1995
Bildquelle: WDR Digit/ gelbhaarduisburg"Neue Mitte" wirtschaftlicher Motor für die Stadt Oberhausen
Einen Industriestandort zum Dienstleistungs-, Einkaufs- und Freizeitstandort zu verwandeln, gilt als eines der größten Erfolgsmodelle für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Die Neue Mitte hat sich zum wirtschaftlichen Motor für die Stadt Oberhausen entwickelt. Etwa 10.800 Vollzeit-Arbeitsplätze sind allein durch Tourismus entstanden. Allein in der Einkaufsmall arbeiten heute 4.500 Menschen, in Geschäften, Gastronomie, Logistik, Verwaltung und Gebäudeservice.
Üstebay Sener gehört seit 20 Jahren zum Reinigungsteam, das für die Pflege des Gebäudes und des Außenbereichs zuständig ist. "Meine Arbeit macht Spaß. Wir reinigen Mülltonnen, Wände, Böden, Fenster und Gullis. Wir haben alles hier unter Kontrolle".
Das Team sorgt für Sauberkeit am Centro
Bildquelle: WDR/Solveig BaderInvestitionen in die Zukunft
Tatsächlich wirkt alles sauber, gepflegt und auch nach 30 Jahren erstaunlich modern. Über den weitläufigen Zonen befinden sich Kuppeln, die viel Tageslicht durchlassen. Und es gab nie Stillstand, viele Millionen Euro sind im Laufe der drei Jahrzehnte in die Modernisierung des Centro geflossen, für neue Beleuchtungen, Verkaufsflächen und Rolltreppen. Wickelräume, Stillzimmer und ein Kinderwagenverleih sind für junge Familien mit kleinen Kindern attraktiv.
Ein Konzept, das sich ganz offensichtlich erfolgreich gegen den Online-Handel durchsetzt. "Wir frühstücken hier auch ab und zu, da ist immer was los, man kann schön hier mit dem Kind durch die Gegend schlendern, ein bisschen gucken", sagt eine junge Mutter."Ich finde das eigentlich viel zu groß und laut, das überfordert mich", sagt eine andere Besucherin. Sie war in der Ausstellung "Mythos Wald" im Gasometer und überbrückt die Zeit im Centro, bis ihr Zug kommt. Auch das Gastronomie-Angebot gefalle ihr nicht, viel Fast Food und sehr teuer.
Highlights am Centro: Promenade, Weihnachtsmarkt, Karls Erlebnisdorf
Dennoch kommen rund 16 Millionen Besucher pro Jahr in die Neue Mitte. Höhepunkt ist der gigantische Weihnachtsmarkt mit zahlreichen Ständen an der Promenade, der auch zahlreiche Besucher aus den Niederlanden und Belgien anlockt.
Und immer wieder lassen sich die Investoren etwas Neues einfallen: Erst im Juli hat die brandneue Attraktion "Karls Erlebnis-Dorf" eröffnet, eine Mischung aus Freizeitpark, Bauernhof und Einkaufsmarkt - mit dem zentralen Thema rund um die Erdbeere. Mehr als 650.000 Besucher seien nach Angaben der Stadt Oberhausen seit Eröffnung schon dort gewesen.
Seit fünf Jahren hat das Centro einen neuen Namen: "Westfield Centro", benannt nach seinem deutsch-französischen Betreiber Unibail- Rodamco-Westfield (URW). am Samstag (12.09.2026) feiert es seinen 30. Geburtstag mit einem Konzert in der Arena.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort
- Center-Manager Andreas Ulmer
- Oberhausens Tourismus-Chef Rainer Suhr
Sendung: WDR.de, 30 Jahre Centro Oberhausen, 12.09.2026, 05:01 Uhr
