Kleine Dampfloks zischen über Schmalspurgleise durch den Garten, schlängeln sich durch Tunnel und über Brücken, vorne sitzt Lokführer Ulrich Bettenworth, hinten auf den Waggons seine kleinen Fahrgäste mit strahlenden Augen. 16 Jahre lang hat der Rentner aus Oberhausen Kinder bei sich im Garten willkommen geheißen, die im Rahmen der städtischen Ferienbetreuung zu ihm kamen.
Doch in diesem Jahr muss das beliebte Spektakel ausfallen. Denn nach all den Jahren macht die Stadt Oberhausen ihm eine Auflage, die er nicht umsetzen kann.
Auflage der Stadt: Polizeiliches Führungszeugnis für alle Helfer bei Ferienaktionen Pflicht
Von der Stadt Oberhausen heißt es: "Die Vorgabe, dass alle eingebundenen Personen im Rahmen eines städtischen Kinderferienprogrammes namentlich bekannt sein und ein erweitertes Führungszeugnis beibringen müssen, ist ein Instrument innerhalb des Kinderschutzkonzeptes der Stadt Oberhausen". Demnach diene das einzig dem Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Der Kinderschutz habe auch für ihn absolute Priorität, meint Bettenworth. Er sei selbstverständlich bereit, für sich und seine beiden festen Helfer ein Führungszeugnis zu beantragen.
Die Stadt erwarte aber, dass bei der Aktion alle Anwesenden auf seinem Privatgrundstück diesen Nachweis erbringen. Das führe zu weit und sei logistisch nicht umsetzbar. Denn wer ihm bei den Fahrten zur Verfügung stehe, könne er gar nicht vorhersagen.
Für die Veranstaltung braucht der 78-Jährige nämlich viele Helfer, die auch kurzfristig einspringen, wenn jemand krank wird. Das sind häufig auch Nachbarn oder Eisenbahnfreunde aus anderen Städten. Alleine kann er nicht für die Sicherheit der Kinder sorgen. "Die Miniloks sind kein Spielzeug, schon leer wiegen sie eine halbe Tonne und wir müssen aufpassen, dass sich kein Kind verletzt".
16 Jahre lang hat niemand nach einem Führungszeugnis gefragt
Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist Pflicht für Menschen, die regelmäßig mit Minderjährigen arbeiten. Dazu zählen zum Beispiel Erzieher, Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Übungsleiter in Sportvereinen. Auch Ehrenamtliche brauchen den Nachweis, wenn ihre Tätigkeit eine regelmäßige Beaufsichtigung oder Betreuung von Minderjährigen umfasst.
"Entscheidung mit Augenmaß treffen"
Doch nicht jede ehrenamtliche Tätigkeit erfordert automatisch ein erweitertes Führungszeugnis. Entscheidend sind Art, Intensität und Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Und das zu entscheiden, liegt im Ermessen der Stadt. Das weiß auch Ulrich Bettenworth, der selber als Rechtspfleger gearbeitet hat.
Er fühlt sich in erster Linie für die Sicherheit verantwortlich. Für die Beaufsichtigung der Kinder vor Ort waren bislang immer Betreuer der städtischen Jugendförderung zuständig. "Nie hatte jemand die Gelegenheit, sich unerlaubt den Kindern zu nähern", meint Bettenworth.
Die etwa zweistündige Aktion sei vorher grundsätzlich mit dem Jugendamt abgestimmt gewesen, es habe das sich auch selbst in der Vergangenheit vor Ort ein Bild gemacht. 2500 Kinder sind schon mit der Gartenbahn gefahren, passiert sei nie etwas. Die neue Forderung der Stadt hält er für überzogen, "ein Fall überbordender Bürokratie, die gute Arbeit mit Kindern eher verhindert".
"So wie die Stadt die Vorschriften auslegt, ist das nicht unbedingt im Interesse der Kinder. Sie muss prüfen, was vor Ort passiert". Ulrich Bettenworth, Betreiber der Gartenbahn
Nach 16 Jahren Ehrenamt: Keine Wertschätzung der Stadt
Mehrmals hat der engagierte Eisenbahnliebhaber bei der Stadt Oberhausen nachgefragt und versucht, eine Einigung zu erzielen. Doch auf seine Mails habe bislang niemand reagiert. Eine große Enttäuschung für den Rentner nach so vielen Jahren guter Zusammenarbeit.
Auch der 15-Jährige Nachbar Marc, der bei den Ferienspielen mithelfen wollte, ist enttäuscht. "Ich habe mir extra meinen Urlaub so gelegt, dass ich bei der Aktion dabei sein und den Kindern die historischen Dampfloks zeigen kann".
Ulrich Bettenworth hat viel Liebe und Geld in seine Gartenbahn gesteckt. Er hofft, dass es doch noch zu einer Lösung mit der Stadt kommt. Ansonsten kann er künftig nur noch privat mit Freunden und Nachbarn herumfahren.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort
- Stadt Oberhausen
Sendung: WDR.de, Mini-Dampflok für Kinder fährt nicht mehr, 03.08.2026, 12:20 Uhr